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Visitenkarte für Stipendiaten

Ausstellung Visitenkarte für Stipendiaten

Seit 2011 bietet die "Regionale" Stipendiaten des Landes Schleswig-Holstein im Zwei-Jahres-Rhythmus eine Möglichkeit, ihre künstlerische Arbeit zu präsentieren. Jetzt ist sie in Kiel-Gaarden zu Gast.

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Der Kieler Maler Lennart Holzborn ist einer der ehemaligen Stipendiaten, die in Gaarden ihr Atelier haben.

Quelle: Foto: Björn Schaller

Kiel. Beheimatet in der Lübecker Overbeck-Gesellschaft, hat die Stipendiaten-Schau sich seitdem einen Namen gemacht – für die beteiligten bildenden Künstler, Musiker und Literaten eine respektable Visitenkarte. Um die Regionale 3 in Augenschein zu nehmen, musste man nicht zwangsläufig nach Lübeck fahren. Denn in diesem Jahr geht die Schau auf Tournee, wobei sie sich ständig vergrößert. Waren in der Overbeck-Gesellschaft bis Mitte August acht Stipendiaten der Jahre 2014/15 zu Gast, sind ab heute im ehemaligen Schlecker-Markt in Kiel-Gaarden schon 20 Künstler dabei, darunter zwölf „Ehemalige“, von denen viele heute ihr Atelier in Gaarden haben. Am dritten Standort, den Flurgraben-Studios in Berlin, erweitert sich Teilnehmerzahl auf 24.

 „Wir sind sehr glücklich, dass wir diesmal an drei Orten sein können“, sagt Brigitte Hohmann, Vorsitzende der Stipendienkommission im Ministerium. Warum dafür zwei Off-Galerien ausgewählt wurden, erklärt Kurator Sönke Kniphals: „Wir wollen etwas von der Strahlkraft, die die Regionale gewonnen hat, auf andere Orte lenken und unser Publikum erweitern.“ Da mit Detelf Schlagheck der Betreiber der K34-Galerie zu den Stipendiaten des Vorjahres gehört, war der Ort für die zweite Ausstellungsstation schnell gefunden. Schlagheck, der mit einer Fotoarbeit den Innenraum der Galerie mit dem Treiben davor verbinden will, sammelt in Gaarden seit 2012 beste Erfahrung mit einem „ kunstfernen Publikum“ und ist gleichermaßen gespannt und froh, am Vinetaplatz mal eine Ausstellung auch für jene Besucher zu machen, „die sich sonst eher nicht hier einfinden.“

 Das Label „Regionale“ ist derzeit prägend für das Erscheinungsbild der Galerie. Generell für leicht chaotische, experimentelle Kunstprojekte genutzt, nimmt die ehemalige Kaufhalle jetzt Anleihen am klassischen White-Cube. Bilder und Skulpturen, Video-Kunst und raumgreifende Bodeninstallationen sind hier ins beste Licht gerückt und der Rundgang macht schlichtweg Freude. Qualität ist Trumpf – dafür hat Sönke Kniphals gesorgt und nicht nur Arbeiten ausgewählt, die während des Stipendiums entstanden sind. „Die Regionale ist keine Leistungsschau. Die Künstler sollen sich einfach adäquat präsentieren“, so der Kurator.

 Vor Ort entstanden ist eine poetische Wandinstallation aus schwarzen Bleistiftraspeln von Constanze Vogt, 2012 Landesstipendiatin und seit 2015 Trägerin des Brockmann-Preises. Quasi noch feucht sind auch die großformatigen Gemälde von Maxim Brandt, der mit surrealen, (alb)traumartigen Szenen seine Situation als Künstler reflektiert. Älteren Datums ist dagegen Thomas Judischs fluffiger Heuhaufen, minutiös gefertigt aus hauchdünnen Schnipseln eingefärbten Büttenpapiers, oder Volker Tiemanns skurrile Teezeremonie. Zurückhaltend nimmt sich daneben eine gläserne Stele aus, die Maria Malmberg mit nach Farben sortiertem Sand befüllt hat – „unabsichtlich gesammelt in fünf Monaten von zwei Personen in Schuhen oder Jackentaschen.“ Zwischen bildender Kunst und Literatur steht Comiczeichner Gregor Hinz, der sich mit einer hintersinnigen Bildergeschichte empfiehlt. Wie Arne Rautenberg, vertreten mit niedlich verspielten Collagen, bekam er ein Stipendium für Literatur. Andere Kollegen, darunter der Autor Helge Brumme und die Musikerinnen Agata und Paulina Pospiezsny, kommen bei dieser gelungenen Regionale im Rahmen des Begleitprogramms zu Wort.

www.regionale-sh.de

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