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Ein Wolf für die Räuber

Werkstattbesuch: Beim Video-Dreh für das Kieler Sommertheater im Schauspielstudio Ein Wolf für die Räuber

Schauspieler, Bühne, Musik, Technik und ein Dramen-Kaliber wie „Die Räuber“ – das Sommertheater in Kiel ist ein Mammutprojekt. Und am Ende muss alles sitzen. Bis Friedrich Schillers sturmdrängendes Jugendwerk am 1. Juli vor der Salzhalle an der Schwentinemündung als Rockoper über die Open Air Bühne gehen kann, ist also noch einiges zu tun. Wir schauen Ensemble und Gewerken bei den Proben zu und berichten in loser Folge aus der Theaterwerkstatt. Heute von den Dreharbeiten für die Videos.

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Wolfshund Wolfgang am Set für "Die Räuber"

Quelle: Olaf Struck

Kiel.. Wolle hat seinen eigenen Kopf. Manchmal. Dann tänzelt er lässig um das blaue Klötzchen herum, das ihm Trainer Marco Heyse als Orientierung auf dem Bühnenboden ausgelegt hat, schnappt, spielt und apportiert, bis Heyse irgendwann laut wird: „Neeein! Auf die Marke, Wolfgang! Auf die Marke! Ste-hen und war-ten!“

 Wolle hat schon neben Armin Rohde gespielt und in der TV-Verfilmung von Nils Holgersson. „Ein bisschen wie Marionettespielen ohne Fäden“, erklärt Heyse, der auch studierter Biologe ist und auf seinem Hof bei Hamburg vom Waschbär bis zum Raben einen halben Zoo für den Einsatz in Film und Theater bereit hält, seine Arbeit. An diesem Morgen ist der sechsjährige tschechische Wolfshund mit dem melancholischen Blick der Star im Schauspielhaus-Studio, wo die Filmemacher Kay Otto und Aron Krause für Die Räuber drehen. Einen der Kurzfilme, die die 16 Songs der Kettcar-Masterminds Marcus Wiebusch und Reimer Bustorff assoziativ ergänzen sollen. Und Wolle, der seinen Bewegungsdrang gerade mal in gelangweilter Wartehaltung unterdrückt, soll dem zornig dräuenden Monolog von Franz Mohr im ersten Akt, den Marcus Wiebusch in einen soghaften Sprechgesang verwandelt hat, eine düster bedrohliche Hintergrundfarbe verschaffen.

 „Im Video kann man eine Vorgeschichte zusammenfassen, wie etwa die Entstehung der Räuber-Gang. Oder man kann Atmosphäre rüberbringen wie in der Wolfsszene“, sagt Dramaturg Jens Paulsen. Das ist nicht nur eines der von Regisseur Daniel Karasek geschätzten Stilmittel, sondern auch deshalb von Bedeutung, weil das diesjährige Sommertheater nicht wie bisher Ende August, sondern Anfang Juli über die Bühne geht – also vor noch taghellem Abendhimmel: „Mit Licht kann man da nicht viel machen“

 Die Filmemacher, gebürtig aus Kiel und Rendsburg, reizt derweil die Möglichkeit, „dem Theater über die Leinwand eine weitere Dimension hinzuzufügen“. Den Räubern konnte Aron Krause schon zu Schulzeiten einiges abgewinnen: „Aber ich wollte schon immer mehr sehen, als darin erzählt wird.“ Jetzt können die beide ihre Fantasie bebildern. Das Material für einen Teil der Filme ist schon im Kasten, am Abend geht es mit Hauptdarsteller Marko Gebbert (Karl Mohr) noch in die Uni-Schwimmhalle. „Es geht um die Abstraktion der Songs und des Texts“, sagt Kay Otto, „entsprechend sind die Filme auch visuell sehr unterschiedlich.“

 Mit Musikvideos hat das Kiel-Rendsburger Duo, das in Hamburg eine Produktionsfirma betreibt, lange Erfahrung: Revolverheld, Jupiter Jones und Olli Schulz haben die beiden ebenso in Szene gesetzt wie Kettcar. „Beim Musikvideo geht alles schnipp schnipp schnipp“, sagt Otto, der gebürtige Kieler. „Hier dagegen fahren wir ein ganz anderes Tempo, weil die Wahrnehmungszeit beim Publikum eine andere, langsamere ist.“ Die Zuschauer sind auf zwei Ebenen gefordert, müssen die Filme, die während der Vorstellung über eine LED-Leinwand laufen, mit dem Live-Spiel in Einklang bringen.

 Derweil tigert Wolle ungeduldig durch den Raum, wird die Kamera auf dem Nano-Dolly neu justiert. Eine Lauerhaltung wäre schön, wünscht sich Kay Otto. „Schwierig“, sagt Marco Heyse, der „Wolle hat noch ziemlich viel Wolf in sich, und entsprechend ist die Lust zu gefallen bei ihm nicht sehr ausgeprägt. Außerdem sind Wölfe keine Lauerjäger.“

 Macht nichts, das Material reicht trotzdem. „Gut gelaufen“, sind sich die Filmemacher am Nachmittag einig – dabei sind Tiere am Set ein veritabler Unsicherheitsfaktor. Wolle aber macht alles mit: Springen, Zähnefletschen, von der Seite antraben. Close Up, Kamerafahrt auf die Augen, Handkamera: Kein Problem, wenn dazu nur genügend Hunde-Leckerli über die Bühne fliegen.

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