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Charles Bukowskis Ochsentour

Sechseckbau in Kiel Charles Bukowskis Ochsentour

Charles Bukowskis Ochsentour macht Halt im Sechseckbau der Kieler Universität.

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Hannes Jetzek als Charles Bukowski.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Charles Bukowski ist Kult. Und das liegt nicht nur an seiner knappen, harten und geradezu schmerzhaft direkten Sprache, mit der er die Schattenseiten der menschlichen Existenz auslotete. Denn der 1920 als als Heinrich Karl Bukowski im deutschen Andernach geborene US-amerikanische Schriftsteller war auch ein Meister der Selbstinszenierung, der sich der Öffentlichkeit nur zu gern als saufendes, sarkastisches und pöbelndes Literatur-Genie präsentierte. Unvergessen ist die Lesung in der Hamburger Markthalle am 18. Mai 1978, bei der ein Kühlschrank auf der Bühne stehen musste, damit der Nachschub an kühlem Weißwein gesichert war. Der Reisebericht Ochsentour erzählt eindringlich davon.

 Auf seiner eigenen „Ochsentour“ nun zeigt das Theaterprojekt Skid Row MOB die szenische Lesung Shakespeare Never Did This. Das Stück mit Texten von Charles Bukowski findet in unregelmäßigen Abständen an verschiedenen Orten in Kiel statt und machte am Wochenende im mäßig besuchten Sechseckbau der Uni Kiel Station. Was als „schockierend, obszön und erbarmungslos“ angekündigt war, begann zunächst einmal wunderschön. Und zwar in Gestalt der hervorragenden deutsch-lateinamerikanischen Sängerin Michelle Dahlinger. Die Stimme der hierzulande nicht unbekannten Band Delicious Date eröffnete den Abend mit einer elegant-jazzigen, gleichwohl in schummriges Kneipenlicht getauchten Fassung des Beatles-Klassikers All My Loving: „And then while I’m away/ I’ll write home every day/ And I’ll send all my loving to you“, heißt es da ja bekanntlich. Womit Regisseur Søren Braack eine treffliche Illustration für die knapp skizzierte Rahmenhandlung seines Stückes lieferte.

 Schriftsteller Hank Chinaski – alter ego von Charles Bukowski – ist mal wieder völlig pleite als sich sein Verleger meldet. Chinaski soll sowohl Stammkneipe als auch Freundin Tammy (Nathalie Baron) verlassen und in Übersee eine Lesung halten. Diese Lesung nun ist das eigentliche Stück. Mit tiefer, leicht versoffener Stimme liest Hannes Jetzek als Hank die zum Teil autobiografischen Geschichten des Autors. Obwohl Jetzek immer wieder zur Flasche greift, wird seine Figur keine lallende Karikatur. Vielmehr gelingt es dem Darsteller, eine gewisse Verwundbarkeit hinter all dem eitlen Krakelen, den bösen Witzen und dem selbstverliebten Gezeter zu zeigen. Wie sagte Bukowski am Rande der Hamburger Lesung? „Ich hatte wirklich zum ersten mal das Gefühl, dass die Leute die Gedichte verstanden. Das warf mich zurück, ich musste also mehr trinken.“

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