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Im Soundorkan: Featuring Yourself

Kieler Band mit eigenständiger Klasse Im Soundorkan: Featuring Yourself

Dass die Lorbeeren von einst nicht dauerblühen, musste das mit lokaler Szene-Prominenz besetzte Trio Featuring Yourself in der Schaubude erfahren, denn die war zwar ordentlich besucht, doch hat man vielleicht den ein oder anderen Besucher mehr erwartet.

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Matthias Frank (l.) Timo Köhler und Kay Petersen (re.) von der Kieler Band Featuring Yourself.

Quelle: Kai-Peter Boysen

Kiel. Als Support sind The Dimensions aus Köln dabei, der Dreier aus der Domstadt hat erst vor kurzem die EP Blue Smoke veröffentlicht und spielt Punk mit einem Schuss Melancholie. Sänger und Gitarrist Maarten stimmt die Gitarre rauf und runter, lässt in Time? ein verwaschenes Riff über den Gitarrenhals laufen und bemüht sich um authentisch rotzigen Gesang. Für den Titelsong Blue Smoke nehmen Maarten, Bassist Simon und Drummer Franky das Tempo raus und der Frontmann gönnt dem Song sogar ein charmantes Solo. Der Bandsound geht zwar nach vorne, aber Maarten drückt keineswegs nur Powerchords aus dem Verstärker, sondern webt manchen post-punkigen Mehrklang, druckvoll von Bass und Schlagzeug unterfüttert.

 Die folgenden Featuring Yourself sind seit knapp fünf Jahren zusammen, in der Bandbiographie finden sich Bands wie The Creetins, The Detectors oder Rantanplan. Gitarrist Matthias teilt sich den Gesang mit Bassmann Kay, während Timo sich darauf beschränkt, ein großartiger Drummer zu sein. Audience Of One ist das aktuelle Album betitelt und die drei Ex-Kieler breiten mit dem Instrumental Five Moons gleich den sphärischen Teppich aus, weiden sich jedoch nicht lange an allzu Luftigem, sondern prügeln gleich Decent Reason hinterher. Auch Midsummer glänzt mit Post-Punk-Gebaren, wie es überhaupt die Post-Punk und Wave-Ära in den 80ern der Band schwerpunktmäßig angetan haben. Losing Love ist eine düstere und mit Sounds vom Rechner aufgepumpte Tanzaufforderung in schummrigen Clubs, Friday Night ist ein echter Ohrwurm im Stile eines Bob Mould und mindestens so unwiderstehlich wie Explosion, das Assoziationen mit den Foo Fighters weckt. Ein Soundorkan auch Resolve vom neuen Album, das mit dem mystisch angehauchten Ghosts auch einen Song aufweist, der bereits auf einer Split-Single mit der US-Band The Static Age erschienen ist.

 Erhaben thronen die Stimmen von Matthias und Kay sowohl solo als auch zweistimmig über den Songs des Trios, das hier ein Ding jenseits kommerzieller Interessen durchzieht und dabei einen ganz eigenen Ansatz findet. Und wem das Ganze zu wenig Dreck und intuitive Leidenschaft hat, der darf Timo am Schlagzeug zusehen, der das Spieluhrwerk mit Rhythmuswechseln und spannenden Fills fulminant am Laufen hält. Viel Applaus, leider keine weitere Zugabe.

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