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Wasserwelten, ganz nah

Meeresfilmfest Wasserwelten, ganz nah

Schon erstaunlich, dass nicht früher schon mal jemand auf die Idee gekommen ist: Ein Festival der Meeresfilme in Kiel – „das ist doch einfach logisch“, sagen Till Dietsche und Jan-Per Sellmer, „das Schönste an Kiel sind doch das Meer und die Förde.

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Rohani taucht mit 82 Jahren immer noch und ist der Held in der Doku „Jago – der alte Mann und die Tiefsee“.

Quelle: Foto: Arte

Kiel. “ Also haben der promovierte Sinologe und Medienwissenschaftler und der Leiter des Cinemaxx mit vielen willigen Unterstützern von der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein bis zum Port of Kiel jetzt das erste Filmfest um das nasse Element auf die Beine gestellt. 40 Filme aus 18 Ländern stehen vom 18. bis 21. August auf dem Programm, im Schifffahrtsmuseum Fischhalle, in der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek, im Mediendom der Fachhochschule, Maritim Hotel, Kino in der Pumpe, Studio und Cinemaxx. Und auch ein paar Preise wollen die Organisatoren darunter vergeben.

 „Es gibt sie ja, die Filme rund ums Meer“, sagt Jan-Per Sellmer: Tauch- und Sportfilm, Naturfilm oder die Reportage über Menschen am Meer: „Nur die Kinoauswertung ist sehr beschränkt. Das wollen wir gern erweitern; und vielleicht wird das Genre im Zusammenspiel eines Festivals auch stärker erkennbar.“

 Aus 712 Filmen konnten Sellmer und Dietsche auswählen. Der Berlinale-Gewinner Seefeuer über die Flüchtlingsinsel Lampedusa, der gerade im Kino in der Pumpe lief, ist ebenso dabei wie Filme über Wale, die australische Hai-Flüsterin Madison Stewart, eine Reportage aus Dänemark zum Standup Paddling oder die Doku des Siegers des Whitbread World Around Yacht Race 1974, das die seglerische Tour de Force hinter dem selbstironischen Titel The Weekend Sailor versteckt. Erzähler ist dabei übrigens Simon Le Bon – nicht nur Sänger der 80er-Jahre-Band Duran Duran, sondern auch begeisterter Segler.

 In Vorsicht Kegelrobbe berichten die Kieler Forschungstaucher von Submaris, die auch die Doku Die Höhlen der Toten beisteuern, von den ungewöhnlich brutalen Jagdmethoden der Meeressäuger. Jago – der alte Mann und die Tiefsee begleitet den 80-jährigen Fischer Rohani auf seinen Tauchgängen vor Malaysia und die Seenomanden der Bajau durch ihren Alltag; Black Coral erzählt von Korallentauchern in Hawaii, und zur Europapremiere reist Filmemacher Todd Winn für einen Tag an.

 Ein Kurzfilmprogramm, zusammengestellt von Heinz Hermanns von Interfilm Berlin, kombiniert beispielsweise Animationsfilme aus Finnland (The Red Herring) und Taiwan mit der Kurzdoku Fishing Without Nets über Fischer in Kenia und der irischen Kurzkomödie Teeth. Noch in Arbeit ist derweil der Eröffnungsfilm – die Mare TV-Produktion hat dafür ihre aktuelle Kieler-Förde-Reportage zugesagt, als Weltpremiere, bevor sie im September auf Arte läuft.

 „Das Meer hat den Vorteil, dass es per se spektakulär ist“, sagt Till Dietsche, der seit Jahren zwischen seiner Heimatstadt Kiel und dem Inselstaat Taiwan pendelt und an der Kieler Uni Studenten ganz praktisch in das Genre Meeresfilm einweiht. Drei Dokumentarfilme sind derzeit im aktuellen Seminar am Entstehen und werden mit der Premiere am 17. August im Kino in der Pumpe das Festival einläuten. „Wir wollen die Zuschauer mitnehmen in unbekannte Welten“, sagt Sellmer, „wir wollen fesseln und unterhalten, haben aber auch das Thema Bildung im Sinn.“ „Schließlich ist das Meer nicht nur ein faszinierendes, sondern auch ein bedrohtes Element“, ergänzt Dietsche. „Und beim Festival kann man das ganze Phänomen trockenen Fußes und im sicheren Kinosessel erleben.“

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