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Vergleichbare Konzerthäuser sind subventioniert

Diskussion ums Kieler Schloss Vergleichbare Konzerthäuser sind subventioniert

Kiel diskutiert über die Zukunft seines zentralen Veranstaltungssaales für Konzerte, Comedy und Festakte. Blickt man umher im Kreise jener Städte, die mit der Größe der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt vergleichbar sind, dann erlebt man die ganze Bandbreite – von der Altlast über die ewig Leerstelle bis zum hochmodernen Neubau.

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Modernes und hochgradig funktionales Schmuckstück: Der große Saal im Konzerthaus Dortmund.

Quelle: Daniel Sumesgutner

Kiel. Kiel. „Dich, teure Halle, grüß’ ich wieder“, ist als Arie aus Wagners Tannhäuser ein besonders beliebter Programmpunkt, wenn irgendwo in deutschen Landen ein Konzerthaus neu- oder wiedereröffnet wird. Blickt man umher im edlen Kreise jener Städte, die mit der Größe Kiels vergleichbar sind, dann erlebt man die ganze Bandbreite. Während beispielsweise Aachen und Münster selber noch nach tragfähigen Lösungen suchen, gibt es in Wiesbaden das überaus opulente Kurhaus und in Magdeburg eine historische Stadthalle. Letztere gehört zur Messe- und Veranstaltungsgesellschaft Magdeburg, einer städtischen Betreibergesellschaft diverser Veranstaltungshäuser und des Elbauenparkes in Magdeburg. Bei einer Buchung der 1220 Sitz- oder 3000 Stehplätze durch Dritte arbeitet man mit einer prozentualen Beteiligung an den Eintrittseinahmen und einer garantierten Mindestmiete. Hinzu kommen Nebenkosten wie etwa für Strom, Brandwache, Sicherheits- und Sanitätspersonal.

 Meist werden die Städte ohnehin nur damit glücklich, wenn der notwendige große Saal mit einer Kapazität zwischen 1000 und 2000 Plätzen zugleich in ein Kongresskonzept eingebunden ist - oder sich zumindest dafür eignet (wie in Lübeck). Beispiele wären die Stadthalle in Chemnitz, geführt von einer Tochtergesellschaft der Stadt als Kultur- und Kongresszentrum. Eine privatwirtschaftliche Betreibergesellschaft lenkt im Auftrag der Stadt Halle a.d. Saale das Kultur- und Kongresszentrum Georg-Friedrich-Händel-Halle mit 1500 Plätzen. Karlsruhe setzt schwer auf Kongress und Augsburg hat erst im Jahr 2012 die Sanierung seines Zentrums Kongress am Park für 21 Millionen Euro abgeschlossen.

 Der interessanteste Fall ist allerdings Dortmund. Die Stadt ist zwar nach Einwohnerzahl deutlich größer als Kiel, hat aber auch in unmittelbar Ruhrgebietsnähe viel mehr Saal-Konkurrenz. Dennoch hat sich der Neubau eines Konzerthauses, gestemmt mit der vergleichsweise geringen Summe von 48 Millionen Euro, mehr als gelohnt. Der Saal gilt als akustisch hervorragend und wird überaus geschickt und mit großer Resonanz „bespielt“. Der Betrieb läuft als städtische Tochtergesellschaft mit beschränkter Haftung. Die Preise für externe Buchungen werden nach mehreren Kriterien (Anzahl der gebuchten Tage; Lage der Termine; Abend oder Matinee etc.) bestimmt beziehungsweise mit dem Mieter verhandelt. Eine „Einnahmenbeteiligung“ als Miete oder Gewinnbeteiligung ist nicht vorgesehen.

 Ohne öffentliche Gelder geht es nicht. Das gilt auch für das Deutsche Haus in Flensburg. Die Stadt als Eigentümerin verpachtet die 85 Jahre alte, denkmalgeschützte Immobilie an eine Veranstaltungsstätten-GmbH. Der Betrieb, bei dem klassische Konzertveranstaltungen nur rund zehn Prozent ausmachen und eigene Tanzveranstaltungen, Comedy und Show dominieren, wird zwar von der Stadt nicht subventioniert, wohl aber die bauliche Unterhaltung: So wurde kürzlich die Holzvertäfelung im großen Saal (1600 Plätze) überarbeitet – und in diesem Sommer ist der Saal nach drei SHMF-Konzerten im Juli für vier Wochen gesperrt, weil ein neuer Bühnenbelag avisiert ist.

 In Lübeck subventioniert die Stadt den laufenden Betrieb der Musik- und Kongresshalle mit jährlich rund einer halben Million Euro. Zudem kommt, aktuell in der Diskussion um den gesperrten Konzertsaal (knapp 2000 Plätze) belegt, die öffentliche Hand für Bauunterhaltung und Sanierung auf. Da stehen Kosten von gut acht und mittelfristig 14 weiteren Millionen Euro an. Im wohl schönsten Konzertsaal des Nordostens, in der Konzertkirche Neubrandenburg/Vorpommern mit ihren 850 Plätzen, ist ebenfalls die Stadt Eigentümerin, die wiederum an die Veranstaltungszentrum Neubrandenburg vermietet. Ohne städtische Zuschüsse, 1,5 Millionen Euro in 2014, heißt es auch hier, könne der Betrieb, der neben der Konzertkirche auch vier weitere Häuser und kaum Eigenveranstaltungen umfasst, nicht laufen.

 Weniger Sinn macht es, sich mit Hamburg zu vergleichen, wo die Laeizhalle am Brahms-Platz längst in das umfassende Konzept Elbphilharmonie eingebunden ist. Dann schon lieber Bremen mit ihrer Konzertsaal-Perle im Art-Déco-Stil, der „Glocke“. Betrieben von einer Veranstaltungs-GmbH, eine Tochtergesellschaft der stadtbremischen Wirtschaftsförderung Bremen GmbH, tritt sie auch als Veranstalter auf, zeichnet damit aber nur für rund zehn Prozent des Gesamtprogramms verantwortlich. Das Gros des Programmangebots in der Glocke teilen dementsprechend örtliche und regionale Konzertveranstalter unter sich auf; auch die in Bremen ansässigen professionellen Klangkörper Bremer Philharmoniker und Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen treten selbstständig als Veranstalter auf und sind nicht – wie in manch anderen Konzerthäusern – direkt ans Haus gebunden. In diesen Fällen vermietet die Glocke Veranstaltungs-GmbH die Räumlichkeiten, stellt das Foyerteam und die Technische Leitung und übernimmt – wenn vom Veranstalter gewünscht – auch die Durchführung der Abendkasse. Buchungen von Dritten bilden dementsprechend die überwiegende Mehrheit der durchgeführten Veranstaltungen, für die es gemäß der aktuellen Mietpreisliste Festpreise gibt, die nicht an eine Beteiligung der Ticketeinnahmen oder an die Höhe der angesetzten Kartenpreise gekoppelt ist. Mit stolzen 365 Veranstaltungen, die 216.912 Besucher im Geschäftsjahr 2014 anzogen, hat sich die Glocke als zentrale Spielstätte für Musikveranstaltungen im Herzen der Hansestadt erwiesen und ihre Stellung als eine der größten Kulturinstitutionen im gesamten Nordwesten unterstrichen. Für 2015 sind allerdings auch – wie schon im Vorjahr – 781000 Euro aus dem laufenden Doppelhaushalt als öffentliche Förderung zugesagt. So blüht und gedeiht das Haus mit seinen knapp 1400 Plätzen. Allerdings verfügt es über eine der unbestritten besten Akustiken der Welt ...

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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