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Konzentrieren und amüsieren

Probenphase beim Landesjugendorchester Konzentrieren und amüsieren

Es herrscht typische Nachmittagsstimmung in der Bad Segeberger Jugendakademie, in der das Landesjugendorchester Schleswig-Holstein seit dem Wochenende seine Frühjahrsarbeitsphase absolviert.

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Sportlich am Pult in der Probe der Jugendakademie: Peter Sommerer trifft den Ton bei den jungen Musikern.

Quelle: Foto: Oliver Stenzel

Bad Segeberg. Einige Bläser sitzen in der Aula zur Tutti-Probe, ihre noch unbeschäftigten Kollegen warten am Rand und hören der Musik zu oder sind in ihre Handy vertieft. Johannes Brahms’ Variationen über ein Thema von Haydn op. 56a stehen auf dem Programm und Peter Sommerer geht mit den Hörnern in die Details: hier ein bisschen schneller, dort ein bisschen sauberer bitte. Im Prinzip unterscheide sich die Probenarbeit mit einem Jugendorchester nicht von der mit Profis, bekennt der Generalmusikdirektor des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters wenig später im Gespräch: „Prinzipiell trifft man auf die gleichen Probleme an den gleichen Stellen.“ Ein paar Mal muss der Dirigent auch während der Arbeitsphase zu seinem eigentlichen Orchester nach Flensburg fahren. Unterscheiden sich die Proben denn so gar nicht voneinander? „Naja, hier versuche ich schon, ein bisschen mehr Bilder zu arbeiten.“

 Der Satz zeugt von Understatement. Denn kaum ist das ganze Orchester versammelt, beginnt der österreichische Dirigent zu sprühen: „Im Moment wirkt Ihr noch ganz wie die Netten vom Schulorchester“, kommentiert Sommerer, als eine Passage nicht feurig genug klingt. „Aber ich weiß ja auch, wie Ihr nach 22 Uhr drauf seid. Ein bisschen mehr davon bitte!“ Tatsächlich absolvieren die Musiker hier täglich drei Proben von jeweils drei Stunden, von denen die letzte um 22 Uhr endet. „Im Alltag eines normalen Orchesters sind zwei Dienste am Tag üblich“, sagt Sommerer und freut sich über das Engagement des Nachwuchses: „Obwohl wir hier in lockerer Atmosphäre zusammen musizieren, arbeiten alle Mitglieder des Orchesters mit großem Ernst.

 Im Falle von Brahms’ Haydn-Variationen geht es an diesem Nachmittag bereits um den richtigen Ausdruck und nicht mehr um die reine Technik. „Am Anfang dürfen die Geigen gerne 14 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen!“, empfiehlt der Maestro den Streichern. Doch als das Orchester wenig später mit zu viel Verve ans Werk geht, schränkt er ein: „Jede Note, die Ihr spielt, müsst Ihr auch denken.“ Zweiter Versuch, spitzbübischer Kommentar: „Ah, man sieht hier, dass der Gebrauch des Gehirns wirklich helfen kann!“

 Swaantje Kaiser gefällt es, dass sich bei Peter Sommerers Probenarbeit konzentrieren auf amüsieren reimt. Die 19-jährige Geigerin spielt seit fünf Jahren im LJO: „Ich finde es toll, wenn ein Dirigent seine Vorstellungen so lebendig vermitteln kann“, sagt Kaiser, die in der dritten Arbeitsphase als Konzertmeisterin im Einsatz ist – eine Position, die sie auch im Sinfonieorchester des Ernst-Barlach-Gymnasiums bekleidet, an dem sie derzeit ihr Abitur macht. „Mich haben die Jahre im LJO sehr geprägt“, befindet Kaiser, die ihr Instrument nach der Schule auch in den Mittelpunkt ihres Studiums rücken wird. Am Wochenende wird ihre letzte Arbeitsphase mit dem Orchester nicht nur mit Ernstem von Brahms und Schubert, sondern auch mit Walzern Johann Strauss und Co. ausklingen. Da könnten die „leichten Verzögerungen“, die Peter Sommerer den jungen Musikern gerade noch auszutreiben versucht, plötzlich von essentieller Wichtigkeit sein.

www.landesmusikrat-sh.de 

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