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Kunst der besseren Beleidigung

Ingo Appelt im Metro-Kino Kunst der besseren Beleidigung

Einen Ruf hat Ingo Appelt nicht zu verlieren, denn er gilt als „die Drecksau der deutschen Comedy“, mit welchem Ehrentitel er im ausverkauften Metro-Kino begrüßt wird. Freilich gelobt er Besserung...

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Und nochmal langt er richtig dreckig zu: Ingo Appelt im Metro Kino.

Quelle: mwe: Manuel Weber

Kiel. Und so zieht er mit seinem neuen Programm „Besser ... ist besser!“ die Karre noch schmuddeliger aus dem Dreck.„Ich bin vom Dreck-Saulus zum Paulus konvertiert“, bekennt er gleich zu Beginn, will ein modisches „Zeichen gegen den Terror“ setzen und nicht nur Flüchtlinge, sondern auch „Männer integrieren“. Augenzwinkernd, versteht sich, und alles beleidigend, „was nicht bei Drei auf den Bäumen ist“, namentlich die von „Töten und Testosteron“ benebelten Geschlechtsgenossen. Vorher aber gönnt er sich ein paar Dreckschleudern auf das vergehende Jahr von Griechenland-Krise bis zum VW-Abgasskandal, wo ja buchstäblich „Drecksäcke“ am Werk waren.

 Solche, nämlich die Männer an sich, hatte er schon im Vorgängerprogramm „Frauen sind Göttinnen“ auf den Platz als „Dienstleister“ verwiesen. Jetzt definiert er diese Rolle der Eman(n)zipation noch böser, denn schließlich machten „Männer, wenn man sie alleine lässt, nur Mist“ – etwa als Copiloten bei German Wings ... Geschmacklos wie die noch besser „schlechten Ministrantenwitze“? „Herrschaften, das kann nicht euer Ernst sein, dass ihr da nur betreten lacht“, feuert Appelt das Publikum an. Erfolgreich, denn er kann noch besser mit Dreck werfen, zumal in seinen Parodien aus nunmehr 25 Bühnenjahren. Da kriegen nicht nur Kollegen wie Mario Barth und Dieter Nuhr ihr schmieriges Fett weg, auch mit Herbert Grönemeyer und Til Schweiger erweisen sich Männer als Karikaturen ihrer selbst, kleinlaut „brüllend statt sprechend“ – so wie beim Geschlechtsverkehr.

 Aber Achtung! Auch Frauen sind vor Appelts Kunst der besseren Beleidigung nicht sicher. Ob Heidi Klum, „eine Frau wie eine Hundehütte, in jeder Ecke ein Knochen“, Merkel, „die Bundesmuschi, gefangen im Körper eines Hosenanzugs“, von der Leyen, „charmanter kann man die Wehrkraft nicht zersetzen“, oder auch die „alte Pissnelke“ aus dem Publikum, die mal kurz aufs WC verschwindet. Da bleibt das Lachen schon mal im Halse stecken, doch Appelt kontert: „Ihr seid doch jetzt nicht etwa beleidigt?“ Doch, sind wir, aber im besseren Sinne, denn schließlich muss man sich so viel Haariges auf den Zähnen erstmal trauen, weite Schüsse übers Ziel hinaus inklusive.

 „Sorry, aber das muss jetzt auch noch sein“, sagt Appelt, langt nochmal richtig dreckig zu, tiefe Griffe ins kabarettistische Klo nicht scheuend. Und auch wenn er das „Ficken-Schild“ nicht mehr so hoch hält wie einst im Quatsch-Comedy-Club, Appelt bleibt sich seinen Sauereien treu – zum großen Amüsement des angenehm beleidigten Publikums.

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