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Die Harfe mit dem roten C

Instrument des Jahres Die Harfe mit dem roten C

Die Harfe ist das Instrument des Jahres: 1500 Teile für Wirbel und Pedalzüge; eine Tonne Zug der Saiten an der Resonanzdecke; 40 Kilo auf der Waage, ätherische Räusche in den Ohren: Die Harfe behält das Zeug zum Mysterium. Schon vor 4500 Jahren, hat Volker Mader sich angelesen, taucht das Instrument der Familie der Chordophone in der Menschheitsgeschichte auf.

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Gesine Dreyer am Instrument des Jahres 2016.

Quelle: ehr

Kiel. Da wurde es für den Präsident des Landesmusikrates Schleswig-Holstein dringend Zeit, es mal zum „Instrument des Jahres“ zu erklären. Schirmherrin ist 2016 die freischaffende Harfenistin Gesine Dreyer, die nach ihren Orchesterjahren in Frankfurt und am Theater Kiel als Professorin an Musikhochschulen in Lübeck und Berlin lehrt. Sie sieht den Ursprung im „Flitzebogen“, der beim Zurückschnellen einen offenbar eindrucksvollen Ton hinterließ. Und sie verweist auf die Verwendung beim Minnegesang, in der alpenländischen Volksmusik, auf die keltische Hochburg in Irland, die ganz eigenständige Tradition und Spielart der Barockharfe, die Verwendung im Kunstlied vor Schubert. Die 1969 in Hamburg Geborene preist ihre Stärken in der klassischen und modernen Kunstmusik („gerade in der laufenden Kieler Opernsaison werden sie wenig Abende finden, wo die Harfe nicht beteiligt ist“) und nimmt wahr, dass das Zupfinstrument seine Wunderkräfte zunehmend auch im Jazz, als E-Harfe und im therapeuthischen Bereich entwickelt.

Jetzt will Dreyer gerne dazu beitragen, „dass die Harfe mehr gehört und gesehen, auch angefasst“ wird. Sie schickt deswegen ihre Harfenklasse durchs Land und in die Schulen, spielt selber mit dem Landesjugendorchester das Ginastera-Konzert. Die Hürden, das Instrument zu lernen, seien gar nicht so groß. Instrumente könne man mieten, mit der kleinen irischen Variante gut beginnen, die Tiroler Harfe als Übergang zur großen Pedalharfe nutzen. Profis müssten sich allerdings auf einen Kostenrahmen zwischen 20000 und maximal 70000 Euro für hochwertige, zu allem chromatischen Exaltationen fähigen Doppelpedalharfen einstellen.

Auch die Musikerwitz-Klassiker, dass ein Harfenist beim 40-jährigen Dienstjubiläum 10 Jahre Spielen und 30 Jahre Stimmen hinter sich habe, weil sich das Instrument verstimmt, da eine Viertelstunde vorüber ist oder jemand die Tür aufgemacht hat, wischt Dreyer vom Tisch: Das Selberstimmen sei schon ein Thema, aber auf professionellem Niveau nach jeweils fünf Minuten erledigt. Außerdem schule es das Ohr. Prompt verpasst sie Landtagspräsident Klaus Schlie im Kieler Plenarsaal einige Unterrichtsminuten – mit hübschem Duo-Erfolg.

LMR-Präsident Mader schwärmt beim Stichwort „Instrument des Jahres“ von einer bereits „gewaltigen Tradition“ und Nachhaltigkeit: Der Fokus Horn von 2015 habe auffällige Aktivitäten junger Blechbläser im Norden zur Folge, zum Beispiel die aktuelle Gründung eines „Netzwerks Horn“.

Erstes Konzert mit dem Vokalensemble des Jugendchores am Theater Kiel und der Harfenistin Birgit Kaar am Sonntag, 17. Januar, 12 Uhr, Foyer im Audimax der Kieler Universität. Info: www.musikfreunde-kiel.de

  www.instrument-des-jahres.de

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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