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Mitreißende Momente voller Energie

Integratives Theater Kiel Mitreißende Momente voller Energie

Am Ende brandet einhelliger Jubel auf im Publikum des voll besetzten Werftparktheaters zur Premiere von „Ja, dieser Tag, der 30. Februar“, und die 14 Darsteller des Integrativen Theaters strahlen übers ganze Gesicht.

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Volles Haus zum integrativen Theater in Kiel.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Zu Recht, denn sie haben in 80 prall gefüllten Minuten alles geboten, was einen guten Theaterabend ausmacht: Komisches, Frustrierendes, Wildes, Irritierendes, Nachdenkliches – kurz: intensives Leben. Wie die bunten Teile eines Kaleidoskops fallen die einzelnen Szenen ihrer theatralen Collage immer wieder zu neuen Mustern zusammen. Behandeln Fragestellungen wie diese: Wer sind wir? Was macht uns aus? Fragen, die über dem Ablauf eines ganz normalen Tages, wie dem 30. Februar, schweben könnten – wenn es ihn gäbe. Hinter weißen Papierbahnen, die von der Decken hängen, stehen die Schauspieler anfangs noch verborgen, mit vorgerecktem Arm malen sie sich blind ein Gesicht aufs Papier: Die Maske ihres Lebens, die sie vorzeigen, wenn sie nach außen treten, oder auch die Maske, die ihnen von anderen übergestülpt wird. Solche choreografierten, poetischen Bilder findet die Gruppe unter Anleitung von Regisseurin und Theaterpädagogin Raija Ehlers viele, sie erzählen vom Alltag jedes Einzelnen.

Es geht um Themen wie Liebe, Sex, Freundschaft, aber auch um Krieg, Angst und Wut. Neben den starken Eindrücken der Gruppenszenen, wenn etwa zu Hardrock ausgelassen gefeiert wird oder den allzu erhitzten Männern beim Anschmachten von zwei Frauen ein Eimer Wasser über die Köpfe geschüttet wird, gibt es auch bemerkenswerte Einzel- und Duo-Auftritte. In ihnen wird mit jeder Menge Selbstironie beispielsweise über die erfolgversprechendste Methode zur Beziehungsanbahnung philosophiert. Auch sehr erhellend: die Debatte über das richtige Debattieren, die sich in einem munteren Sprachwirrwarr auflöst. Mitreißend sind die Energie und das Tempo der Truppe, die auch sehr körperlich agiert, wenn zwei Männer miteinander ringen oder einige Frauen in einer Tanzszene einen Spagat hinlegen. Am Ende bleibt der Eindruck eines überbordenden Bilderbogens, der auch schwierige und verstörende Momente nicht aussparte. Wie das Ausgrenzen eines Einzelnen, der im immer schneller sich drehenden Kreis aus rennenden Leibern von den Anderen erst freundlich auf die Schulter getätschelt, dann gestoßen und schließlich buchstäblich abserviert wird. Absolut sehenswert.

Weitere Vorstellungen: 22., 24. und 28.6., 18 Uhr, Theater im Werftpark; Karten: 0431 901 901

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