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Was ist schon normal?

Integratives Theater zeigt neue Collage im Werftpark Was ist schon normal?

Sie haben ihre Mäntel weit aufgespannt wie Segel und bewegen sich damit im Tanzschritt durch den Raum. Mal schlüpft ein Partner unter ihre „Fittiche“, dann sind sie wieder allein, die Darsteller des Integrativen Theaters Kiel. Probeneinblicke in die neue Produktion "Ja, dieser Tag, der 30. Februar", die am Sonnabend im Werftparktheater Premiere feiert.

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Vom Ausloten der Normalität: Die 14 Schauspieler/innen des Integrativen Theaters Kiel proben unter der Regie von Raija Ehlers „Ja, dieser Tag, der 30. Februar“.

Quelle: bos: Björn Schaller

Kiel. Bereits das 14. Mal hat Regisseurin Raija Ehlers mit Darstellern mit und ohne Handicap eine Theatercollage entwickelt. „Wir haben uns diesmal gefragt, was ist eigentlich ein ganz normaler Tag?“, sagt Ehlers. „Und wenn normal normal ist, was ist dann die Steigerung?“ Dabei hätten alle Beteiligten schnell gemerkt: „Der Normalitäts-Begriff birgt eine enorme Sprengkraft.“ Was für den einen ganz normal sei, könne für den anderen ganz außerordentlich sein – und umgekehrt. In der Arbeit mit der Gruppe aus acht Männern und sechs Frauen im Alter zwischen 18 und 70 Jahren wurden die einzelnen Szenen Stück für Stück gebaut. Als Titel hat man sich bewusst einen Tag ausgewählt, der nicht im Kalender steht. „Jeder andere Tag ist ja irgendwie besetzt, beispielsweise hat da jemand Geburtstag, aber am 30. Februar ist das nicht so“, meint die Regisseurin, „und wenn es ihn gäbe, dann wäre er ein ganz normaler Tag.“ Ein Tag also mit all seinen Höhen und Tiefen.

 Worum es der Gruppe allerdings gar nicht geht, ist das Ausloten der Normalität zwischen dem Leben mit oder ohne Behinderung. „Wir definieren das Thema ganz individuell und sehr streitbar. Es geht hier nicht darum, etwa die 100-prozentige Umsetzung der Rechte von Behinderten einzuklagen, das ist für uns sowieso klar“, unterstreicht Ehlers. Bei den Proben gab sie Rahmenbedingungen für Improvisationen vor, innerhalb derer die Ideen der Teilnehmer einflossen. Ehlers: „Man merkt dann sehr schnell, ob in diesen ,Samenkörnern’ etwas Kräftiges steckt, das über die Person hinausweist.“ Die Gruppe, die sich jedes Jahr neu formiert, besteht diesmal aus sieben Wiederholungstätern und sieben Neuligen.

 Von Anfang an dabei ist Carola Föge, die von sich sagt: „Ich mag eigentlich alles hier und bin ich sehr gerne auf der Bühne.“ Ganz neu im Theaterteam ist der 18-jährige Schüler Malte Vater. Über das Thema sagt er: „Ich habe mich selbst gefragt: Was ist normal? Man findet darauf keine leichte Antwort, deswegen ist es eine so gute Frage.“

 Premiere im Werftparktheater am 18. Juni, 18 Uhr (Restkarten an der Abendkasse); www.theater-kiel.de

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