6 ° / 4 ° Regen

Navigation:
Solistisches stets inklusive

Internationale Chorakademie Lübeck: Solistisches stets inklusive

Auch ein Sopranist aus Brasilien ist dabei, wenn am kommenden Wochenende im Rendsburger Nordkolleg die dritte Arbeitsphase der Internationalen Chorakademie Lübeck beginnt.

Voriger Artikel
Zwischen Raumstation und Realität
Nächster Artikel
Bewegendes Konzert nach dem Anschlag

Weltweite Ausstrahlung: Im brasilianischen Bundesstaat Bahia hat Rolf Beck 2016 ebenfalls eine Chorakademie gegründet.

Quelle: Kaja Gerken

Lübeck. 38 Stimmen aus aller Welt, neben Hochtöner Bruno, der auch vor Mozarts Arie der Königin der Nacht nicht zurückschreckt, vier weitere Brasilianer, dazu Choristen aus Island und Israel, Polen, Südafrika – Rolf Beck ist weit gereist, um herausragende Stimmen für sein Chorprojekt auszuwählen, das auch Soloambitionen fördert: Erneut will Beck, der die Chorakademie als SHMF-Intendant gründete und vor drei Jahren verselbständigte, die Solopartien in Händels Oratorium The Messiah aus dem Chor heraus bestücken. Mit diesem Konzept hat er selbst Bach-Instanz Helmuth Rilling für seine Sache eingenommen.

 Neben dem Messias, den Beck am 26. Februar (19.30 Uhr) in der Rendsburger Christkirche und tags darauf in Lübeck aufführt, werden die Sänger erneut ein Programm mit einer renommierten Vokalgruppe erarbeiten. Diesmal ist es das Calmus-Ensemble aus Leipzig, das im Rendsburger Nordkolleg Werke der Renaissance und des Barock einstudiert (Konzert am 3. März, St. Jakobi, Lübeck). In der dritten Woche werden die jungen Sänger von Margreet Honig angeleitet, der international gefragten Gesangspädagogin aus den Niederlanden. In ihrem Meisterkurs geschult, werden die Choristen unter Leitung von Rolf Beck Rossinis Petite Messe Solennelle und Schumanns Spanisches Liederspiel, aufführen (9. März, Musikhochschule Lübeck) und wiederum Solopartien übernehmen.

 Aus diesem Programm soll im Frühjahr auch eine CD entstehen, mit der Beck für seine immer noch weithin einmalige Sache werben will. Das ist notwendig, denn so erfolgreich er auf künstlerischem Gebiet agiert, so schwierig steht es um die Finanzierung. Die Lübecker Possehl-Stiftung als Hauptsponsor der Anfangsphase hat ihr Engagement mittlerweile sechsstellig reduziert und Mittel (u.a. auch zugunsten des SHMF) umverteilt. Eine gelockerte Bindung nach Lübeck bleibt dennoch: Beck hat an der Trave als neuen Unterstützer den Unternehmer und Musikfreund Winfried Stöcker (Euroimmun) gewonnen. Aber letztlich reicht die finanzielle Ausstattung kaum, Konzerte hierzulande noch selbst zu veranstalten.

 Wird das internationale Ensemble ins Ausland eingeladen, werden die Kosten dort übernommen. Das gilt auch für die im brasilianischen Trancoso/Bahia neu aufgebaute Chorakademie mit 48 Stipendiaten, die 2016 fortgesetzt werden soll. Oder für ein ähnliches Projekt, das für 2017 in Südkorea geplant ist, wo der 100. Geburtstag des Komponisten Isang Yun mit einem Festival begangen werden soll.

 Große Pläne also im Ausland, während er hierzulande vergleichsweise kleine Brötchen backen muss: In der 3. Arbeitsphase mit einem weitgehend neu aufgestellten Chor verzichtet Beck bewusst auf die Zusammenarbeit mit namhaften Musikern, wie in den letzten Jahren Martin Grubinger, Fazil Say oder Rilling: Diesmal „kümmern wir uns mehr um Förderung des Nachwuchses, ihres Repertoires, aber auch ihrer solistischen Qualitäten“. Die Beck anschließend auch im Baltikum und wieder in chinesischen Metropolen nutzen will. Dort soll im Herbst Bachs Johannespassion mit Tan Duns Water Passion kombiniert werden.

 Viele Herausforderungen für den 71-jährigen. Ab März wird seine Tochter Gesine Beck übergangsweise die Geschäfte der Chorakademie führen, wenn sie Ihr Amt als Leiterin der Orchesterakademie des SHMF aufgegeben hat, um sich zugleich auch als Geschäftsführerin des Mainzer Kammerorchesters neu zu orientieren. Und die regionale Anbindung, die er im Sommer wegen des SHMF bewusst nicht ausleben will, ist nicht zuletzt durch Weihnachtskonzerte mit zugkräftigen Crossover-Programmen gegeben, für die Rolf Beck verschiedene Stadtwerke im Norden als Partner gewonnen hat.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion

Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3