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Freiheit inklusive Götterfunke

Musikfest Hamburg Freiheit inklusive Götterfunke

Die Eröffnung der Elbphilharmonie vor Augen, legen sich die Orchester und die Veranstalter an der Elbe spürbar ins Zeug, um aus Hamburg zeitweise eine Musikmetropole auf Augenhöhe mit Berlin, München oder Wien zu machen. Das Internationale Musikfest Hamburg ist Teil dieser Kampagne.

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Das Mahler Chamber Orchestra hat am 19. Mai auf Kampnagel eines der ambitioniertesten Konzertprojekte zu bieten.

Quelle: Molina Visuals

Hamburg. Manche halten das Internationale Musikfest Hamburg auch beim zweiten Anlauf für eine Art Mogelpackung von PR-Strategen. Konzerte, die in der Hansestadt zwischen dem 21. April und 22. Mai 2016 sowieso stattfinden sollen, werden mit einem Etikett gebündelt – und fertig ist ein weiteres Familienmitglied im längst überbordenden Festivalzirkus. Doch der Vorwurf greift ein wenig kurz.

 Die Eröffnung der Elbphilharmonie scheinbar zum Greifen nah vor Augen, legen sich die Orchester und die Veranstalter an der Elbe doch spürbar ins Zeug, um aus Hamburg zeitweise eine Musikmetropole auf Augenhöhe mit Berlin, München oder Wien zu machen. Unter dem Motto „Freiheit“ basteln das NDR Sinfonieorchester, das Philharmonische Staatsorchester, die Hamburger Symphoniker und das Ensemble Resonanz extra relativ stimmige Programmfolgen. Die namhaften Chefdirigenten Thomas Hengelbrock, Kent Nagano und Jeffrey Tate stehen dabei, das darf man annehmen, für eine überdurchschnittliche Umsetzung.

 Zur Festivaleröffnung bringt die Staatsoper Hamburg Bachs Matthäuspassion in einer Lesart des Regisseurs Romeo Castellucci in die Deichtorhallen. Besonders spannend: In St. Michaelis kombiniert Nagano den Raummusik-Meilenstein Répons des jüngst verstorbenen Großmeisters Pierre Boulez mit dem Brahms-Requiem. Die NDR-Sinfoniker tangieren das Freiheitsthema mit einer konzertanten Aufführung von Luigi Dallapiccolas Oper Il prigioniero (Der Gefangene). Als Brahms-Kraftakt präsentiert das Orchester unter seinem Chefdirigenten außerdem alle vier Sinfonien des Hamburger Komponisten an einem Tag. Mit seinem Balthasar-Neumann-Ensemble bringt Thomas Hengelbrock seine vielgelobte Neufassung von Henry Purcells Oper Dido and Aeneas nach Hamburg. Apropos Musiktheater: Tates Symphoniker sind mit Leonard Bernsteins Comic Operetta Candide mit von der Partie.

 Starke Akzente setzt einmal mehr das Ensemble Resonanz, das sich in seinem Bunker bestens als Alternative eingerichtet hat. In der Reihe „Überlebensmusik“ bringen Ensembles wie das Pavel Haas Quartet und das Bennewitz Quartet, sowie die Klarinettistin Sharon Kam und die Geigerin Carolin Widmann Musik zu Gehör, die zur Zeit des Nationalsozialismus als „entartet“ gebrandmarkt wurde. Wie schon bei der ersten Musikfest-Ausgabe nehmen sich außerdem kreative Künstler der Pop-Szene zum Stichwort „Nightline“ vor, die Laeiszhalle in einen Club zu verwandeln.

 Auch die hinzugeladenen Gäste, im Tutti etwa das Boston Symphony Orchestra unter Andris Nelsons, das Mahler Chamber Orchestra und das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, lassen einiges erwarten. Nach dem bedauerlichen Rückzug von Altmeister Harnoncourt bietet der Concentus Musicus Wien nun den Götterfunken in Beethovens Neunter „zu Ehren“ des Maestros – mit Alte-Musik-Spezialist Diego Fasolis am Pult. Im Solo-Sektor locken die klangvollen Namen der Pianisten Maurizio Pollini, Rudolf Buchbinder und Igor Levit, des Baritons Thomas Hampson, des Tenors Ian Bostridge oder der Sopranistin Genia Kühmeier sowie der Geigerin Patricia Kopatchinskaja, die in das spannende szenische Kampnagel-Projekt Bye Bye Beethoven eingebunden ist. Das alles kostet nicht nur den Besucher das Eintrittsgeld: Hauptförderer des Musikfests ist deshalb die Klaus-Michael Kühne Stiftung.

 www.musikfest-hamburg.de

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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