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„Die Hauptrolle spielt das Leben“

Interview mit Dominique Horwitz „Die Hauptrolle spielt das Leben“

Dominique Horwitz hat Jacques-Brel-Liederabende gemacht, spannt Weltliteratur in einen musikalischen Rahmen wie das Ivan-Bunin-Programm, das er vor einem Jahr in Kiel präsentierte. Oder er springt ins kalte Wasser von Projekten wie Moby Dick, das der 58-Jährige morgen mit den Kieler Philharmonikern im Schloss auf die Bühne bringt.

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Er pendelt seit jeher zwischen Schauspiel und Musik: Dominique Horwitz

Quelle: Brinkhoff/Moegenburg

Kiel. Als die „ozeanische Parabel für einen Schauspieler und Orchester“ 2010 in der Gläsernen Manufaktur in Dresden uraufgeführt wurde, war Horwitz noch der Ersatz – für Klaus Maria Brandauer, der eine Woche vor der Premiere abgesprungen war. Was ihm egal war. Er fand sie damals einfach „irrsinnig spannend“, Herman Melvilles Geschichte um Kapitän Ahab und seine Jagd nach dem weißen Wal. Und über die Musik, die Libor Sima, Jazz-Saxofonist und Solofagottist beim Radio-Sinfonieorchester Stuttgart, dazu komponiert hatte, sagte er schlicht: „Sensationell.“

Melvilles Monumentalroman „Moby Dick“ ist Abenteuergeschichte, wissenschaftliche Abhandlung und philosophisches Traktat in einem. Was hat Sie an dem Stoff gereizt?

Das Werk ist so opulent, die Thematik so dramatisch, es schreit regelrecht nach einer Bühne. Und paradoxerweise hat mich doch in erster Linie gereizt, in den Köpfen der Zuschauer Kino entstehen zu lassen.

Identifiziert man sich als Rezitator automatisch mit der Erzählerfigur des Ismael – oder gibt es eine andere Figur, die Ihnen am Herzen liegt?

Beim Lesen von Moby Dick wird man gelegentlich unsanft auf die eigene Existenz zurückgeworfen. Alle Figuren kommen einem erschreckend vertraut vor, denn die Geschichte ist nicht zuletzt eine große Parabel. Aus diesem Grund habe ich keinen Lieblingscharakter. An diesem Abend spielt das Leben die Hauptrolle.

Wie kann ich mir das Zusammenspiel von Sprache und Musik vorstellen: Funktioniert das ergänzend, illustrierend, im Dialog oder ganz anders?

Sie haben Recht. Es funktioniert sowohl ergänzend als auch illustrierend, im Dialog und auch ganz anders. Ihnen wird vorgelesen und Sie schauen dem Orchester beim Musizieren zu. Sie meinen, Sie wären im Symphoniekonzert, dabei hören Sie eine Oper. Die Grenzen verschwimmen.

Wie unterscheidet sich in der Herangehensweise so ein Rezitationsabend von einem Theaterstück?

Ich bin auf Gedeih und Verderb auf den Dirigenten und das Orchester angewiesen. Ohne ihre Hilfe, werde ich wie Ahab untergehen. Aber ich bin mehr als zuversichtlich, denn bei diesem Projekt gibt es keinen Kapitän, sondern nur eine Mannschaft.

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Ein Artikel von
Ruth Bender
Kulturredaktion

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