21 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Ureigener Dall-Humor

Interview vor Auftritt in Kiel Ureigener Dall-Humor

„Ich entschuldige mich für nichts, was ich gemacht habe“, sagt Karl Dall. So will der Kult-Entertainer in seinem retrospektiven Solo-Programm Der alte Mann will noch mehr auch die „peinlichen Momente“ seiner 35-jährigen Solo-Karriere nicht aussparen. Am Montag tritt Dall im Metro-Kino auf.

Voriger Artikel
"Butter bei die Stoffe": Filmförderung sucht Drehbücher
Nächster Artikel
Menschen und Simulationen

Immer für die extremste Wahl der richtigen Mittel gut: Karl Dall.

Quelle: Dall

Kiel. „Jeder Abend müsste also drei Wochen dauern“, scherzt der 74-Jährige, der als Mitglied der oft geistreichen Blödeltruppe Insterburg & Co, als Telefonschreck bei Verstehen Sie Spaß oder als respektloser Moderator der Talkshow Dall-As zur TV-Kultfigur wurde. Zuletzt sah man Karl Dall ganz seriös in Bjarni Haukur Thorssons Ein-Personen-Stück Der Opa auf der Bühne.

Herr Dall, wollten Sie nach „Der Opa“ nicht als in Würde gealtert gelten?

Also, das war schon schwere Arbeit, da zwei Stunden mit gelerntem Text auf der Bühne zu stehen. Jetzt bin ich wieder etwas freier, und ich kann versprechen, dass ich die Leute zwei Stunden unterhalten werde, denn das neue Programm ist mehr mein ureigener Dall-Humor. Ich weiß schon genau was ich mache, aber ich lass mir viele Improvisationsinseln im Programm. Ich werde zum Beispiel Live-Telefonate führen, die Leute können mir ihre Telefonnummern geben, der Ton wird dann in den Saal übertragen. Ich werde auf Zuruf Lieder und Gassenhauer singen, die Leute können sich Songs, die müssen gar nicht von mir sein, aussuchen. Ich werde also spontan sehr gefordert.

Das ist ja auch ihre Stärke.

Genau, da bin ich am stärksten, gerade im Livetalk mit dem Publikum, ich werde dann auch in die Zuschauerreihen gehen und mit den Leuten sprechen. Es ist also nicht so, dass ich mit Lesebrille auf der Bühne sitze und im Licht einer kleinen Tischlampe aus irgendwelchen Romanen vorlese. So weit bin ich noch nicht und werde es wohl auch nie sein.

Sie sind mit ihrer Autobiografie „Auge zu und durch“ auch nicht auf Lesereise gegangen.

Nee, da war auch der Verlag sehr sauer, aber ich hab gesagt, wenn ich selber lese, dann gibt`s für jede richtige Betonung Finderlohn. Davor hatte ich Bammel, denn so lesen beim Candlelight und danach noch über Inhalte diskutieren, das ist nicht meine Welt. Ich sage, was ich denke, und will nicht nachher noch darüber diskutieren.

Sie sind ja damals mit ihren Talkgästen bei „Dall-As“ auch nicht zimperlich umgegangen. Sind die denn alle freiwillig gekommen?

 Die sind doch so eitel, die lassen auch im Fernsehen gern Witze auf ihre Kosten machen. Und mir war das einfach ein inneres Bedürfnis, und es war ja nachher auch Kult, zu mir zu kommen. Ich hatte im Spätabendprogramm von RTL über vier Millionen Zuschauer. Nach all den steifen Talkshows kam auf einmal dieser Sausack aus Luxemburg, also ich, und nahm die Kollegen und Schauspieler ein bisschen hops. Und ich bin in Deutschland immer noch der einzige, der so einen Idiotenschein hat und das machen darf. Das kann man aber auch nur machen, wenn man sich selbst in Frage stellt und selbst was einstecken kann.

Da ist Ihnen in der Jugend sicher ein dickes Fell gewachsen?

Ja, denke ich auch. Aber mit meiner Art hab ich mir so bis 25 eigentlich alles versaut, Schule, Lehrer Arbeit, bin sogar bei der Bundeswehr rausgeflogen, ohne krank zu sein. Es liegt vielleicht daran, dass ich nicht so angepasst bin. Aber ich war sehr fürwitzig und immer Klassenkasper, da fehlte mir noch das richtige Timing.

Wenn man Ihren Namen googelt, tauchen immer noch zuerst die Negativschlagzeilen des Vergewaltigungsvorwurfs auf. Wie gehen Sie damit um?

Das ist eben der Fluch des Internets, die Worte „Vergewaltigung“ und „Karl Dall“ sind in den Online-Archiven der Zeitungen drin, aber was solls. Ich kann nur sagen, dass ich am 9. Dezember einen satten Freispruch bekommen habe und auch der Revision sehr gelassen entgegen sehe, denn die Frau hat keine Argumente und nichts. Jeder hat das Recht, in Revision zu gehen und in der Schweiz übernimmt der Staat für jeden, der kein Geld hat, die Kosten dafür. Der Richter hat ja bereits betont, dass die Frau psychische Probleme hat und ihr nahe gelegt, sich in stationäre Behandlung zu geben. Für mich ist das Thema eigentlich schon abgehakt.

 Karl Dall, „Der alte Mann will noch mehr“, Montag, 11. Mai, 20 Uhr, Metro-Kino im Schlosshof, Holtenauer Str. 162, 24105 Kiel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
ANZEIGE