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"Basta hat seinen ganz eigenen Stil gefunden"

Interview mit William Wahl "Basta hat seinen ganz eigenen Stil gefunden"

William Wahl ist der Lead-Tenor, Texter und Songwriter der A-cappella-Popgruppe Basta. Im Interview am Kieler Seegarten, kurz vor Einschiffung als Show-Act auf der Aida Luna gen Island und Norwegen, sprach der Musiker über den geplanten Band-Auftritt auf der Krusenkoppel am Abschlussabend der Kieler Woche, den Erfolg der CD „Domino“, Umbesetzungen und neue Projekte sowie seine zweite Heimat im Norden.

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Fordernder Parcours

Derzeit auf großer Fahrt, demnächst live auf der Kieler Krusenkoppel: William Wahl.

Quelle: Basta-Online.de

Kiel. Es geht in wenigen Minuten auf das Kreuzfahrtschiff. Hat man da ein wenig Angst vor dem Wohlstandsrentner-Overkill?

(lacht) Nicht wirklich. Ich hab’ hautsächlich Angst vor der Innenkabine neben dem Motorraum ... Aber im Ernst: Das wird toll, zumal wir jeweils zu zweit mitdürfen.

 

Außerdem kann man ja vielleicht Material für neue schräge Songs sammeln ...

Vielleicht auch das, stimmt. Werde drauf achten!

 

Deine Mutter ist im Kieler Raum in der Orgel- und Chorszene als Moderatorin, Programmheftautorin und Sängerin eine wohlbekannte Größe. Du selber bist aber kein Nordlicht, oder?

Nein, geboren in Bochum und im Rheinland aufgewachsen. Aber wir haben als Kinder alle Sommerferien und Weihnachten in Kirchbarkau verbracht. Dadurch ist das meine zweite Heimat geworden. Ich würde schon sagen, dass hier ein Teil meiner Wurzeln liegen.

 

Immer mal wieder seid Ihr auf der Krusenkoppel zur Kieler Woche vertreten. Was wird das diesmal für ein Programm sein?

Domino – Songs von der jüngsten CD von 2014. Die Kulisse dort ist immer gigantisch. Vorher haben wir noch eines unserer Wohnzimmerkonzerte in Flensburg, die man gewinnen kann.

 

Es gibt Kenner und Fans, die Domino für Eure bislang beste CD halten. Empfindet ihr das auch so oder hat man selber doch lieber einzelne Songs im Auge, wenn es um ein Ranking geht?

Wir sagen das schon auch selber – und zwar nicht aus Promotion-Gründen. Das liegt wohl daran, dass einem das besonders wichtig und wertvoll erscheint, was man sich gerade erarbeitet hat. Ein halbwegs objektiver Eindruck stellt sich erst mit einem gewissen Abstand ein. Aber ich glaube tatsächlich, dass uns da eine gute Platte und eine gute Show gelungen ist – bei uns hängt ja beides immer eng zusammen.

 

Auch auf mich wirkt manches auf Domino im Sinne einer höheren A-cappella-Kunst aufwändiger, komplexer als früher ...

Ja, da entwickelt man sich. Für mich ist aber als Songschreiber noch wichtiger, dass ich einen eigenständigen Stil entwickelt habe. Man merkt, dass wir es nicht nötig haben, irgendwoanders hinzuschielen. Wenn ich heute Platten höre, die ich mit Mitte Zwanzig gemacht habe, dann fällt mir auf: Uhh, da wollte ich irgendwo hin, irgendwas sein, etwas imitieren. Und das hat nicht immer gleich gut funktioniert. Es gibt tatsächlich ein paar „Gurken“, die würden wir niemals mehr wieder in unser Programm aufnehmen (lacht).

 

Im Studio sind die Möglichkeiten technischer Spielereien ja nahezu unbegrenzt. Wenn man das dann live nachempfinden will, kann das unter schwierigeren Rahmenbedingungen ja eine Bürde werden. Wie geht ihr damit um?

Es ist jedes Mal wieder eine wichtige Entscheidung, wie viel Spieltrieb man sich gönnt auf CD – zusätzliche Spuren, Rhythmus-Beat-Boxing etc. Und dann muss sich der Hörer halt darauf einstellen, dass das im Konzert nicht genauso klingen kann.

 

Dafür kommt ja die Show-Performance hinzu.

Genau. Außerdem ist es nicht so, dass Deutschland sehnsüchtig die neue Basta-CD erwartet und dann sehen will, was wir live damit machen. Vielmehr ist es umgekehrt. Die Leute kommen ins Konzert und wollen dann die CD zur Erinnerung haben.

 

Domino ist 2014 erschienen. Gibt es schon neue Pläne?

Oh ja. Wir haben die erste Hälfte der Produktion einer neuen CD schon hinter uns. Wir haben uns dafür zum ersten Mal ein kleines schnuckliges Fachwerkhäuschen im Bergischen Land gemietet, um konzentrierter und mit mehr Freiraum aufnehmen zu können. Wenn zwei Songs im Kasten sind, spielen wir Tischtennis oder schmeißen den Grill an ... Anfang Juli geht es weiter. Im Herbst kommt die CD raus. Thematisch spielen spätpubertäre Probleme inzwischen weniger eine Rolle (lacht). Dafür das Älterwerden. Trotzdem machen wir ja weiter jede Menge Blödsinn. Aber so viel Slapstick wie bei Domino wird es wohl dabei nicht geben.

 

Wird es davon schon vorab live was zu hören geben?

Das geht nicht, weil wir eine Umbesetzung haben. Thomas Aydintan geht. Es macht keinen Sinn mit dem ausscheidenden Mann die neuen Songs einzustudieren. Außerdem zwingt es uns sehr schön dazu, beim Release der neuen CD ausschließlich mit neuem Material aufzutreten. Wir verjüngen uns: Es kommt ein Kollege von High five zu uns, die sich aufgelöst haben.

 

Es gibt euch ja schon erstaunlich lange. Gibt es ein Geheimnis?

Bei Thomas ist das nun nicht der Grund, aber frühere Fälle haben gezeigt, dass durch Umbesetzungen Energien frei werden. Die Gruppendynamik wird durcheinander gewürfelt. Das hat uns 2012 aus einer gewissen Erstarrung herausgeholfen. Auch wenn man vorher natürlich auch Angst hat, was passiert, wenn man nach zehn gemeinsamen Jahren die Konstellation ändert. Außerdem haben wir auch mal neun Monate Pause gemacht. Auch das war gut. Und außerdem ist es belebend, dass wir uns andere Projekte genehmigen.

 

So wie Du mit „Männer am Klavier“ ...

Genau. Wer künstlerisch anderweitig aktiv ist, hilft sich und damit Basta.

 

Ihr seid jetzt schon so lange eine feste Größe im a-cappella-Sektor. Wo liegen denn eigentlich gefühlt die Wurzeln in den Traditionssträngen von den Comedian Harmonists über die King’s Singers oder Friederich Hollaender, Georg Kreisler bis hin zu Kollegen wie Bodo Wartke?

Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich mich eher als Songtextschreiber sehen als jemanden, der das unbedingt im a-cappella-Umfeld machen möchte.

 

Dann wäre a-cappella nur ein mögliches Vehikel?

Ich würde es nicht Vehikel nennen, denn beim A-cappella-Singen gibt es viele Dinge, die unabhängig vom Inhalt eine unglaublich große Freude sein können. Aber ich bin wohl tatsächlich eher jemand, der leidenschaftlich schreibt. Es gibt ja im musikalischen Bereich bewundernswerte Bastler, die am letzten Detail feilen. Ich arrangiere auch und kann so manches auch im technischen Bereich, aber was Produktionstechnik angeht – das ist nicht mein Metier.

 

Politisch wirken die Basta-Songs allenfalls unterschwellig. Dafür spielt Selbstironie eine gewichtige Rolle, oder?

Konkret politisch gar nicht. Wir haben aber eine gesellschaftspolitische Haltung. Wer hinhört, kann sie wahrnehmen. Wir geben aber keine Wahlempfehlung oder sowas. Dafür ist Basta nicht die richtige Schiene. Selbstironie ist dagegen sicher ein Thema. Wenn man über sich selbst lachen kann, ist schon viel gewonnen.

 

Du bist der zentrale Basta-Motor, was die Texte angeht. Wie darf man sich Deine Themenfindung und Texterstellung vorstellen?

 

Das ist meist, aber nicht ausschließlich eine einsame Tätigkeit. Ich arbeite zum Beispiel gerne mit Oliver Gies von Maybebop zusammen, mit dem sich in den letzten Jahren eine Freundschaft entwickelt hat. Ein Glücksfall, denn es ist nicht einfach zusammen zu schreiben. Gerade weil ich inzwischen stolz darauf sein darf, einen eigenen Stil entwickelt zu haben, bin ich auch unerträglich kritisch, was Vorschläge angeht. Mit mir zu arbeiten ist eine Katastrophe, weil ich so genau weiß, was ich richtig finde und was nicht. Da muss man selber so schlimm sein wie ich. Und genau das gilt für Oliver. (lacht)

 

Die neue CD bringt ihr wie Domino wieder selbst heraus?

Auf jeden Fall. Es wird immer unverschämter, was Plattenfirmen machen. Die haben mittlerweile gute Wege gefunden, ihren Niedergang aufzuhalten. Das geht aber so dermaßen auf dem Rücken der Künstler, was die Streaming-Dienste angeht – das ist ein Unding. Da raus zu sein, sich selber Partner zu suchen und einen Vertrieb zu haben, damit die CD in den Länden stehen kann, das ist die richtige Wahl.

 

Konzerte am 26. Juni, 20.30 Uhr, auf der Krusenkoppel Kiel (Karten: 0431 / 91416) sowie am 12. und 13. Juli beim SHMF in Niendorf (Restkarten: 0431 / 23 70 70, www.shmf.de) und Flensburg (ausverkauft).

www.basta-online.de

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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