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Die Irritation als Fest

Iris Schomaker und Wolfgang Plöger stellen in Plön aus Die Irritation als Fest

Der Kunstverein Schloss Plön startet in die Ausstellungssaison mit einem Künstlerehepaar, das seine Wurzeln in Schleswig-Holstein hat. Anfang der 70er Jahre geboren, sind Iris Schomaker und Wolfgang Plöger beide Absolventen der Muthesius Kunsthochschule. Die dialogisch konzipierte Doppelschau Supposed To Be in der Jugendstilschwimmhalle ist für die Wahl-Berliner, die einzeln von verschiedenen Galerien vertreten werden, die erste ihrer Art.

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Dialogisch konzipierte Doppelschau: Iris Schomaker und Wolfgang Plöger in Plön.

Quelle: bos: Björn Schaller

Plön. Kein Wunder, denn ihre Arbeiten könnten kaum unterschiedlicher sein. Dass die Bilder der Malerin auf eine besondere, stille Weise mit den Plakaten und Installationen des Grafikers harmonieren, ist für die Protagonisten offenbar eine größere Überraschung als für Dieter Pape und Valentin Rothmaler, die als Kuratoren erneut eine glückliche Hand bewiesen haben.

 Wolfgang Plöger arbeitet konzeptionell, verbindet soziale Aspekte mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und nutzt dabei das Internet als Quelle seiner Kunst. Das klingt in der Theorie kompliziert, wird in der Anschauung jedoch schnell plausibel. Im Foyer surrt ein Filmprojektor, der vorne lesbare Textbänder abspult, während hinten in schneller Folge Bilder von Buchstabenfetzen an die Wand geworfen werden, die keinen Sinn ergeben. Der Text ist ein im Internet veröffentlichtes „Last Statement“ eines in den USA zum Tode verurteilten Farbigen, der bis zu seiner Hinrichtung auf die politische Motivation des Prozesses verwies. „Was ich zeige, bewegt sich an der Grenze zwischen medialen und sozialen Aspekten“, so der 44-Jährige, der auch mit einer zweiten Installation die Frage nach der adäquaten medialen Wiedergabe vermeintlicher Tatsachen stellt. Eher spielerisch gibt sich daneben der Umgang mit historischen Farbsystemen, vorgefunden im Internet, extrem vergrößert und durch Inversion buchstäblich auf den Kopf gestellt.

 Plögers kontemplativ anmutende Grafiken in der Halle korrespondieren mit der extrem ruhigen Bildwelt von Iris Schomaker. Zwischen flächiger Malerei und skizzenhaften Strichzeichnungen, die den Arbeiten einen Hauch von Bewegtheit verleihen, regiert der Mensch als Einzelperson. In oft großen Formaten gemalt, denen man sich nicht entziehen kann, sehen wir ihm beim Lesen und Entspannen zu, eine Frau stützt sinnend ihren Kopf auf ihre Hände, ein Mann richtet seinen Blick genau auf den Betrachter. Dabei ist sein Gesicht wie das der anderen Figuren nicht mehr als eine schemenhafte Andeutung.

 „Mich interessiert der private, höchst persönliche Moment des Bei-Sich-Seins“, so die Nagel-Schülerin. „Die Gesichter bieten sich dabei für den Betrachter als Projektionsflächen an.“ Interessant ist neben der subtilen Farbgebung der Bilder, die sich auf den ersten Blick als Schwarz-Weiß-Malerei ausgeben, die leicht verkorkste Pose, die jede der Figuren einnimmt. „Man denkt unwillkürlich: Hier stimmt etwas nicht“. Für Iris Schomaker ist diese Irritation ein Fest.

 Kunstverein Schwimmhalle Schloss Plön. Bis 17. April. Di-Sa 14.30 -18.30, Sa 11.30 - 18.30 Uhr

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