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Fingerabdrücke und Staubgeheimnisse

Stadttöpferei Neumünster Fingerabdrücke und Staubgeheimnisse

Frische Ideen und künstlerische Auseinandersetzung mit der Stadt: Die Jahresausstellung der Stipendiaten der Stadttöpferei Neumünster zieht Bilanz des vergangenen Jahres.

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Stadttöpferei-Leiterin Danijela Pivašević-Tenner zeigt, welche Spuren Hausstaub beim Brennen hinterlassen hat.

Quelle: Foto: Marco Ehrhardt

Neumünster. Neumünster. Der Katalog ist druckfrisch und dokumentiert seitenweise, dass er wirklich fruchtbar war, der Stipendiaten-Jahrgang 2015. Bevor in zwei Wochen die Neuen kommen, zeigt Danijela Pivaševic-Tenner, die Leiterin des Künstlerhauses Stadttöpferei Neumünster, was die jungen Keramikkünstler von Argentinien bis Russland dagelassen haben. Denn die Jahresausstellung ist schöne Tradition im Fürsthof. Die Exponate wandern anschließend in die Sammlung der Hans Hoch Stiftung – Dokumentation und schöner Zugewinn zugleich.

 Wie die Deckelschalen aus Steinzeug der Belgierin Lucie Libotte, die am Boden sehr eigenwillige Einfärbungen und Nuancen aufweisen. „Schenken Sie uns Ihren Staub“, lautete die Aufforderung der in London lebenden Künstlerin. Und die Neumünsteraner ließen sich nicht lange bitten. „Wir konnten uns gar nicht retten“, lacht Danijela Pivaševic-Tenner. „Es war wie eine Welle.“ Lucie Lebotte füllte die graue Materie in ihre gedrehten Schalen, schüttelte den Inhalt kräftig auf, brannte bei mittlerer Temperatur und vermerkte in ihrem Rechercheprotokoll präzise Fundort und Einlieferer. Während die Schwebstoffe aufstiegen und verglühten, blieb ein Bodensatz zurück, der nun den Gefäßen überraschend unterschiedliche Färbungen und Strukturen verleiht. Rot wie Eisenoxyd oder schiefergrau wie vulkanische Asche. Denn Staub ist nicht gleich Staub. Das sei wirklich lustig gewesen, sagt die Künstlerhaus-Leiterin. „Wie ist mein Staub geworden?“, sei die neugierige Frage gewesen, mit der Leute zurückgekommen seien. Und sie seien mit der Erkenntnis gegangen, dass der graue Stoff verraten kann, ob man Kinder hat, vielleicht Katzen und Hunde hält, auf dem Lande oder in der Stadt wohnt oder ob zuhause Glas zu Bruch gegangen sei.

 Die künstlerische Recherche vor Ort, die Auseinandersetzung mit der Region und ihrer Geschichte, vorrangig mit Neumünsters Tuchmachergeschichte, stand gleich für mehrere Stipendiaten als Thema im Fokus. Wie für die Nordirin Rhiannon Ewing-James. Sie lernte im Museum für Tuch und Technik das Spinnen und zeigt anhand einer etwas verstiegenen Installation, wie Rotwein Wollfäden Farbe verleiht. Die US-Amerikanerin Cori Crumrine, hinterlässt in der Ausstellung dekorative Miniaturen aus überarbeiteten Fundstücken eines ehemaligen Schwimmbads. Die auffällig gemusterten farbigen Bruchstücke des Fliesenbodens kombinierte sie mit keramischen Tentakeln, die sie mit Kristallen besetzte. Nur einer von vielen Fingerabdrücken des Jahrgangs 2015.

Eröffnung am Donnerstag, 11. Februar, 18 Uhr. www.stadttoepferei.de

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