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Im Kieler Kunstlabor

Jahresschau der Mu Im Kieler Kunstlabor

Auf dem Vorplatz wird gebastelt, im noch leeren Glashaus des Verwaltungsbaus werden Entwürfe für einen Hotelgarten Wacken einziehen. 633 Studierende und ihre Lehrkräfte präsentieren ab Donnerstag drei Tage lang, was im vergangenen Jahr entstanden ist.

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Weltmusik statt Weltschmerz

Laden zur Entdeckungstour: Muthesius-Präsident Arne Zerbst (2.v.li.) mit (v.li.) Julian Wallmeroth, Johanna Kluesener, Anastasia Marx und Kristina Hilse vom Organisationsteam.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. Und neben dem Kesselhaus hat sich schon mal eine Ansammlung heller Holzlatten zur dynamischen Welle formiert – im Mai Kieler Beitrag beim Woods Festival im norwegischen Bergen und nun Wegweiser zu den Ateliers und Projekträumen, in denen sich die Jahresschau Einblick – Ausblick der Muthesius Kunsthochschule entfaltet. „Ein Motto gibt es in diesem Jahr nicht“, sagt Kristina Hilse vom Organisationsteam. „Aber der Begriff Strukturen ist so etwas wie ein Leitfaden für uns geworden. Je nach Fachbereich haben wie sehr unterschiedliche Herangehensweisen. Aber Strukturen aufbrechen, neu ordnen und definieren – das beschäftigt alle.“

 633 Studierende und ihre Lehrkräfte präsentieren ab heute drei Tage lang, was im vergangenen Jahr entstanden ist, preiswürdig war oder eigenwillig wie die Zeichnungen, die in der Klasse von Illustrator Jens Rassmus zu Gedichten von Christopher Ecker entstanden sind. Strukturen bricht auch der Katalog auf, der nach dem Internet-Prinzip mit Links und Verweisen zum Entdecken einlädt. Und sie stehen im Industriedesign im Mittelpunkt, wenn die Erstsemester das Thema „Innen – Außen“ ins Dreidimensionale übersetzen.

 In der Basisklasse Freie Kunst hat Ruslan gerade eine Serie von Farbspielen sortiert, wild bewegt die einen, beinahe geometrisch die anderen. „Mir ging es darum zu schauen, wie weit ich mit der Farbe gehen kann und was sie bedeutet“, sagt er. Einen Raum weiter hat Lehramtsstudentin Lea Corves eine Wand mit Utensilien aus ihrer täglichen Ideenwerkstatt installiert. Vom Zettelkasten bis Papier ordentlich gereiht und sortiert. „Entstanden ist das aus der Praxis“, sagt sie, „aber es hat sich verselbstständigt und befindet sich in ständiger Veränderung. Mittlerweile erkenne ich darin den Wert des Suchens.“ Die Wand steht im fruchtbaren Kontrast mit großformatigen Kohlezeichnungen, Bastobjekten, die wie überdimensionierte Kokons herumliegen, oder einem Tisch voller roher, fragmentarischer Tonfiguren. Eine Art Labor, in dem überall mit Materialien, Farben und Techniken experimentiert wird.

 Von Neue Medien und Stadtlabor bis zu den Klassikern Bildhauerei und Grafik, die sich gegenüber am Knooper Weg präsentieren, reicht die Bandbreite. Und kreuz und quer über Gelände und Stockwerke verbreitet sich die Kunst. Durchs Treppenhaus hangelt sich ein textiles Objekt aus Knäueln und Mustern; anderswo weist ein Wegweiser zur Sprachenvielfalt an der Kunsthochschule. Und so kann Muthesius-Präsident Arne Zerbst nicht nur loben, wie die Kunst hier neue Gedanken eröffnet, sondern auch, wie sich die Fachbereiche gegenseitig befruchten.

 In der Szenografie ist die Konstruktion von Atmosphären Thema, die Industriedesigner haben ein Konzept für die Fahrradstadt Kiel entwickelt. Und das Projektbüro um Professorin Silke Juchter beschäftigt das Zusammenwirken von Bild und Text. Dazu gehört das hintersinnige Plakat, mit dem Ieva Petruskaite beim 30. Plakatwettbewerb des Deutschen Studentenwerks die Frage „Warum studieren?“ beantwortete und den zweiten Preis gewann. Oder die Serie von Philipp Schättler zum Thema Tod – popartig und mit nachdenklichen Sätzen aufbereitet. „Der Tod ist in unserer Gesellschaft ein Tabu“, so Schättler, „ich wollte die Angst davor plakativ aufarbeiten, ihn nahbarer machen.“

 Wer will, kann Kunst am Stand auch kaufen oder morgen bei der Auktion der Muthesius Gesellschaft im Kesselhaus ersteigern, unter anderem Arbeiten von Bildhauer Jan Koblasa und Keramiker Kap Sun Hwang.

www.muthesius-kunsthochschule.de

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