27 ° / 11 ° heiter

Navigation:
Ruppig und zugleich poetisch

„Jahreszeig“ der Ateliergemeinschaft neunzig° Ruppig und zugleich poetisch

Zarte Grafik, großformatige Objekte und experimentelle Fotografie: Bei neunzig° ist wieder Zeit für den Jahreszeig. Zum 16. Mal präsentieren die fünf Künstler der Ateliergemeinschaft im Holzkoppelweg ihre Arbeiten und wieder gibt es neben Vertrautem durchaus Neues und Ungewöhnliches zu entdecken.

Voriger Artikel
Stadt Schleswig übernimmt Varieté-Theater "Heimat"
Nächster Artikel
Ein irisches Kleinod

Die neunzig°-Künstler Zuzana Hlinakova, Hendrik Lörper, Ulrich Behl und Dieter Stolte (von links) laden ab Sonnabend ein zum „Jahreszeig“.

Quelle: bos: Björn Schaller

Kiel. Eine bewegte, spiegelnde Folie, durch jeden Lufthauch zusätzlich in Schwingung versetzt, steht wie ein großes Segel im Raum. Der Betrachter nimmt hier sein Spiegelbild als schwankende Reflexion wahr und sucht unwillkürlich nach festem Halt. Hendrik Lörper, Brockmann-Preisträger 2009, bezeichnet die rückseitig von einer imposanten Holzkonstruktion gehaltene Arbeit als „offenen Versuchsaufbau, der weiter modifiziert werden kann.“ Zuzana Hlinakova, die sich meist bildhauerisch mit Schwebezuständen zwischen Neubeginn und Wachstum auseinandersetzt, reagiert auf die schwingende Folie des Kollegen mit grafischen Arbeiten, die an vorangegangene organische Prozesse denken lassen. Die Koblasa-Schülerin hat mit Flüssigkeiten experimentiert und den Flug spezieller Seifenblasen untersucht, die auf weißem Papier transparente Spuren hinterlassen haben. „Für mich liegt der Reiz in der grafischen Wirkung dieser Zufallsergebnisse, die eine Art Abdruck vom Prozess des Zerplatzens darstellen“, so die Künstlerin.

 Ulrich Behl ist als aktueller Kieler Kulturpreisträger derzeit in der Region sehr präsent. Um sich nicht zu wiederholen, ist er deshalb in seinem Archiv auf Entdeckungsreise gegangen und hat drei Grafiken ans Tageslicht befördert, die bislang nicht gezeigt wurden. Die Zeichnungen mit Farb- und Bleistift aus den frühen 2000er Jahren spüren in typisch Behlscher Manier kristallinen und vertikalen Strukturen nach und spielen mit dem Dreiklang Symmetrie, Diagonale und Raum.

 Wie ein Blick ins Universum muten die Fotoarbeiten von Susan Walke an. Heimat nennt sie eine Serie in Schwarzweiß, die in einer Mischtechnik aus Fotografie, Fotogravur und Tiefdruck kosmische Körper abzubilden scheinen.

 Einen echten Hingucker hat Dieter Stolte geschaffen. Sein kopfloser König residiert auf einem hölzernen Thron und trägt die Krone direkt über dem runden Leib. Geometrische Aspekte sind dem Bildhauer bei dieser Arbeit genauso wichtig wie das Material an sich – der riesige Monarch besteht aus seriell angeordneten, sich verjüngenden Sechsecken, die aus grob gefertigten Spanplatten ausgesägt sind. Hier und da durchbricht ein schief hängendes Element die strenge Ordnung der ausgeklügelten Konstruktion. „Es ginge perfekter“, so Stolte, „doch es soll gerne etwas ruppig bleiben, um den poetisch-spielerischen Charakter des Objekts zu unterstreichen.“

 Holzkoppelweg 33. Eröffnung Sonnabend, 18 Uhr. Bis 5. Juni. Fr 16-19 Uhr, Sa /So 13-17 Uhr sowie nach Vereinbarung 0431 / 6434828 (Ulrich Behl)

 

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3