18 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
Mit der Band die Freiheit suchen

Jan Josef Liefers im Interview Mit der Band die Freiheit suchen

Als „Tatort“-Pathologe Professor Börne ist Jan Josef Liefers einem Millionenpublikum bekannt. Aber der Schauspieler ist auch seit vielen Jahren als Musiker unterwegs. „Die freie Stimme der Schlaflosigkeit“, das erste Album aus eigener Feder, stieg 2014 bis auf Platz 7 der Deutschen Albumcharts. Es folgten Echo-Nominierung, ein 4. Platz beim Bundesvision Song Contest und Radiodauerpräsenz. Am 19. März kommt er mit seiner Band Radio Doria in die Kieler Halle 400.

Kiel, An der Halle 400 54.311856 10.136262
Google Map of 54.311856,10.136262
Kiel, An der Halle 400 Mehr Infos
Nächster Artikel
Gelassene Gewinner

Jan Josef Liefers mit seiner Band Radio Doria bei einem Auftritt auf der Krusenkoppel zur Kieler Woche 2014.

Quelle: bos: Björn Schaller

Kiel. Als Jan Josef Liefers & Oblivion waren Sie viele Jahre mit dem „Soundtrack meiner Kindheit“ unterwegs und haben Songs ostdeutscher Bands interpretiert. Nach der Umbenennung in Radio Doria setzen Sie auf eigene Songs. Wie sehr hat es die Findung einer eigenen musikalischen Sprache und Identität erschwert, so lange in der Musik und Haltung anderer Bands gesteckt zu haben?

Jan Josef Liefers: Wow! Ich glaube gar nicht. Keine Band geht auf die Bühne und ist, was sie in zehn Jahren noch sein wird. Die Lieder vom „Soundtracks meiner Kindheit“ haben wir ja nicht 1 zu 1 nachgespielt, sondern auf unsere Art. Wir haben von Song zu Song, von Konzert zu Konzert immer etwas mehr darüber erfahren, wer wir eigentlich selber sind. Als wir uns dann entschlossen, mit dem Soundtrack meiner Kindheit aufzuhören, hat die Selbstfindung ihren Abschluss gefunden.

 

Ihre Musik ist sehr pathetisch, erinnert im starken Willen zur Emotionalität an Künstler wie Johannes Oerding und Coldplay. Wo ordnen Sie sich selbst stilistisch ein?

 Für mich ist Musik immer ein Energieübertragungsphänomen gewesen. Und diese Energieübertragung zwischen Bühne und Zuschauerraum ist keine Einbahnstraße. Ist das gegeben, gefällt es mir. An unserer Musik mag ich, dass wir immer nach der Melodie und der Emotion suchen. Bei unterkühlter, akademischer Musik komme ich einfach nicht auf meine Kosten. Wir gehen Musik mit großer Freiheit an. Das Stil-Label müssen wir ja zum Glück nicht selbst draufkleben. Der eine sagt, das ist Pompöspop, der andere weiß der Kuckuck was. Am Ende ist es doch eh eine sehr subjektive Sache, oder?

 Auch wenn man in dieser großen, umarmenden Gefühligkeit eine Nähe zum Schlager heraushört?

 Das Tolle bei Film und Musik ist ja, dass jeder, der von Außen kommt, eine Meinung haben und sie frei äußern darf. Bei uns darf jeder Ahnung haben. So was gibt’s ja sonst nur im Fußball.

 Also egal?

 Die Welt, die der Schlager beschreibt, ist aus meiner bescheidenen Kenntnis heraus eine sehr kleine und schlichte. Dort schlagen doch ständig Herzen höher, wenn die Nachbarin wieder am Zaun vorbeigeht. Das hat ja auch seinen Entertainmentfaktor, machen wir aber nicht. Aber ich bin mir sicher, man wäre erstaunt, in wie vielen deutschen Plattenschränken Hansi Hinterseer direkt neben Herbert Grönemeyer steht. Denn der Mensch, der Musik in seinem Leben haben will, hat das Recht und die Freiheit, heute dies zu hören und morgen das. Diese militante Abgrenzung gibt’s ja beim Film genauso:„Ach, ich mach nur Arthaus“ , „Uhh, du bist ja so’n Kommerzjockel“. Dieser ganze Kram, der steht einem doch immer nur im Weg.

 Apropos Film: Als Schauspieler zeichnet Sie eine subtile ironische Distanz zur eigenen Figur aus. Als Musiker scheinen Sie ganz Sie selbst zu sein. Nehmen Sie Kritik an ihrer Musik dadurch persönlicher?

 So groß ist der Unterschied nicht. Wenn du dich irgendwo selbst hinstellt, dann bist es auch immer Du, der gemeint ist. Ich erinnere mich an einen Kritiker, der über einen „Tatort“ schrieb: „Liefers kriecht sich vor lauter Eitelkeit selbst in den Arsch.“ Da dachte ich schon, wie kommt der dazu, über eine Rolle zu schreiben und mich zu meinen? Jeder, der sich hinstellt und was macht, muss lernen, mit Kritik, Zurückweisung, Verächtlichmachung und manchmal sogar gezielten Tritten unter die Gürtellinie klarzukommen. Du kannst eben nicht davon ausgehen, dass die Leute immer nur Blumen werfen. Manchmal sind die Töpfe auch noch dran. Und dann macht’s schon auch mal aua.

 Interview: Manuel Weber

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3