18 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
Starke hypnotische Kraft

Jaques Palminger Starke hypnotische Kraft

Das „suggestive Potenzial“ der Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach, ihre „wirkmächtige hypnotische Kraft“ wollen Jaques Palminger, sonst Mitglied der Gruppe Studio Braun, und Musikerkollege Lieven Brunckhorst mit ihrem Abend wecken. Premiere des Vorhabens mit Texten und Musik ist am Donnerstag im Kieler Kulturforum.

Voriger Artikel
Hamburg: Bravo für "Verdi"-Welturaufführung =
Nächster Artikel
Kunstturnen mit Wort und Ton

Autor, Regisseur, Schauspieler, aber am liebsten Musiker: Jaques Palminger.

Quelle: Dirk Bogdanski

Herr Palminger, man kennt Sie als Mitglied der Gruppe Studio Braun, an der Seite von Rocko Schamoni und Heinz Strunk. Sie sind Musiker, Autor, Regisseur, Schauspieler. Gibt es eine Lieblingsdisziplin?

 Ich mache noch immer am liebsten Musik. Ich kann jeden Tag in einen schimmeligen, mit dunklem Molton verhangenen Proberaum gehen, um Musik zu machen. Da komme ich her, das habe ich gelernt, das macht mir jeden Tag wieder Spaß.

Sie haben als Drummer angefangen, richtig?

 Ich bin ausgebildeter Punkschlagzeuger!

Ist der Name Jaques Palminger für Sie einfach nur ein Künstlername, oder ist das eine Rolle, in die Sie schlüpfen?

 Das bin ich, das ist mein Leben, meine Identität, mein Ein und Alles.

Zuletzt kamen 2012 zwei Alben von Ihnen heraus, „Fettuccini“ mit der Band The Kings of Dub Rock und mit dem 440 Hz Trio „Jazz & Lyrik“. Jetzt bearbeiten Sie die Goldberg-Variationen von Bach. Haben die eine besondere Bedeutung für Sie?

 Ich bin Fan dieser wundervollen Sammlung, ich bin auch Fan der Einspielungen von Glenn Gould, da reihe ich mich ein in die große Gruppe der Bach-Freunde. Ich wollte mich in dem Bach-Zusammenhang mal mit etwas Erhabenem beschäftigen, dass dann auch auf mich abfärbt. Der römische Kaiser Marc Aurel hat gesagt: Nach der Beschaffenheit der Gegenstände, die du dir am häufigsten vorstellst, wird sich auch deine Gesinnung richten. Denn von den Gedanken nimmt die Seele ihre Farbe an.

Wird diese Erhabenheit auch auf die Zuschauer fallen?

 Das ist unser oberstes Gebot. Ich habe jemanden an meiner Seite, der diese musikalischen Ansprüche auch erfüllen kann. Lieven Brunckhorst ist ausgebildeter Musiker, Meister vieler Instrumente – Tenorsaxofon, Sopransaxofon, Altflöte, Querflöte, Mundharmonika, Klavier ...

Kommen die alle zum Einsatz?

 Alle kommen zum Einsatz. Er wird die Behauptungen, die ich aufstelle, am Instrument verifizieren. Die Goldberg-Variationen tragen eine starke hypnotische Kraft in sich, und wir werden diese Kraft freisetzen. Die Idee ist, dass wir die Musik wie in der jamaikanischen Dub-Musik stark verlangsamen und mit psycho-akustischen Effekten versehen. Wir arbeiten zusammen mit dem Klangkünstler Jörg Follert aus Köln, der hat den Soundtrack zu unserem Abend arrangiert. Lieven wird zu den Dub-Bässen und Orgeleinspielungen in Echtzeit die Hauptstimme der Instrumente spielen, und ich werde vorher, nachher und währenddessen den Abend anleiten. Na, klingt das gut? (lacht)

Klingt auf jeden Fall nach einer großen Aufgabe.

 Ja, da haben wir uns weit aus dem Fenster gelehnt. Wir brauchen immer größere Aufgaben und glauben auch, dass wir damit durchkommen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das ein ganz besonderer Abend wird.

Sie kommen mit Lieven Brunckhorst, haben Sie schon häufiger zusammen gearbeitet?

 Bei „Jazz & Lyrik“ haben wir zusammengespielt, und an der Wiener Burg beim Struwwelpeter und im Hamburger Schauspielhaus haben wir mehrere Theaterstücke zusammen gemacht. Uns verbindet eine lange gemeinsame musikalische Arbeit: größte gegenseitige Wertschätzung, gepaart mit allerfeinstem Hamburger Humor.

Das Kieler Kulturforum wird der erste Ort sein, an dem das neue Programm zu sehen ist. Wie kommen die Kieler zu der Ehre?

 Ich haben den talentierten Booker Michael Bugmann gebeten, einen Ort zu wählen, der für eine Uraufführung geeignet ist. So wundervoll einfach war das.

 Premiere: Donnerstag, 10. September, 20 Uhr, Kulturforum, Andreas-Gayk-Straße 31

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3