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Katharina Thomsen ausgezeichnet

Jazz-Baltica Katharina Thomsen ausgezeichnet

Als sie die Nachricht bekam, war Tini Thomsen gerade in England und bereitete sich auf einen Gig vor: „Ich habe mich so darüber gefreut, den Preis der Jazz Baltica zu bekommen, dass ich am Abend so gut wie selten gespielt habe“, erinnert sich die 33-Jährige und ergänzt rasch, dass ihr normalerweise eher ihre Schwächen auffallen würden.

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Bevorzugt größere Kaliber: die Saxofonistin Katharina „Tini“ Thomsen.

Quelle: Oliver Stenzel

Kiel. Dem Hörer ihres aktuellen Albums Max Sax dagegen bleibt keine Zeit, überhaupt danach zu suchen. Denn der vorwärtsdrängende Powersound der Baritonsaxofonistin verursacht Rauschzustände, wie man sie im Jazz von heute selten erlebt. „Ich höre eben auch Bands wie die Foo Fighters oder Kiss sehr gerne“, erklärt die gebürtige Hamburgerin ihre Leidenschaft für geballte Klangenergien, die sie zu einer der interessantesten Vertreterinnen des im Vergleich zu Alt- oder Tenorsaxofon selten zu hörenden Baritons machen.

 Angefangen hat sie mit 13 Jahren auf dem Tenor und wechselte zwei Jahre später zu seinem robusteren Bruder: „Auf anderen Saxofonen hatte ich immer das Gefühl, nicht genug Worte zu kennen, um mich ausdrücken zu können. Beim Bariton fällt es mir dagegen leicht, meine ganze Kraft durch das Instrument zu jagen.“ Ausschließlich auf die Bariton-Schiene möchte die allerdings nicht reduziert werden. Schließlich habe sie bei ihrem Jazzstudium in Hamburg und Amsterdam auch der Bassklarinette besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

 Der Besucher der Jazz Baltica hat die sympathische Musikerin in den vergangenen Jahren sowohl als Solistin wie auch als Mitglied des Festivalensembles erleben können. „Tini swingt, sie ist eine echte Virtuosin und sie hat spürbar viel Spaß an der Musik“, kommentiert Jazz Baltica-Leiter Nils Landgren die einmütige Entscheidung der fünfköpfigen Jury, Thomsen den Förderpreis des Festivals zuzuerkennen, der von diesem Jahr an den Namen IB-SH-Jazz-Award trägt. Die kulturelle Nachwuchsförderung bedeute für die Bank auch Standortpflege, betonte der Investitionsbank-Vorstandsvorsitzende Erk Westermann-Lammers gestern bei der Vorstellung der Preisträgerin, die in der Fleethörn zusammen mit einigen anderen Gästen der kommenden Jazz Baltica überdies einen kleinen musikalischen Vorgeschmack auf das erste Juli-Wochenende gab. Auch Christian Kuhnt, der Intendant des Schleswig-Holstein Musik Festivals, in das die Jazz Baltica integriert ist, unterstrich die Wichtigkeit des Förderpreises.

 Was sie mit dem damit verbundenen und von der Investitionsbank gestifteten Geldpreis von 3000 Euro machen wird, darüber muss Tini Thomsen nicht lange nachdenken: „Ich möchte im Herbst mein nächstes Album aufnehmen und werde das Geld dafür investieren.“ Auch ansonsten laufen die Dinge gut für die Musikerin, die sich auch als Komponistin bereits einen Namen gemacht hat. Demnächst wird sie beispielsweise auch bei der Auferstehung des legendären Saxofon-Quartetts Itchy Fingers dabei sein, und zwar als neues Mitglied.

 Vorher wird ihr am 3. Juli der Jazz Award im Rahmen der Jazz Baltica überreicht. Und natürlich wird sie in diesem für sie besonderen Jahr auf dem Festival auch wieder zu hören sein – im Jazz Baltica-Ensemble, aber zu später Stunde und bei freiem Eintritt unter freiem Himmel „at the beach“ mit ihrer eigenen Band, für die das Wachbleiben in jedem Fall lohnt.

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