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Leidenschaft für tiefe Töne

Jazz-Award für Bassistin Lisa-Rebecca Wulff Leidenschaft für tiefe Töne

Selbst wenn Lisa-Rebecca Wulff nicht gerade ihren hochgradig verdächtigen Instrumentenkoffer vor sich her schiebt, kann man ihre Passion erraten. Als Kettenanhänger trägt die diesjährige Trägerin des IB.SH-Jazz Award einen kleinen silbernen Bassschlüssel um den Hals.

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Lebt für die Musik und kann auch schon von ihr leben: die 25-jährige Bassistin Lisa-Rebecca Wulff.

Quelle: Oliver Stenzel

Kiel. Es ist ein Geschenk ihrer Mutter zum kürzlich bestandenen Diplom im Fach Musikerziehung im Bereich Jazz und jazzverwandte Musik an der Bremer Hochschule für Künste. Nein, an eine Pädagogenlaufbahn habe sie eigentlich nicht gedacht, als sich vor einigen Jahren entschloss, sich dem Bass in diesem Rahmen akademisch zu widmen: „Aber ich wollte unbedingt bei Detlev Beier studieren und das ging nur so“, berichtet die 25-jährige, die ihre künstlerische Ausbildung nun an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater fortsetzt.

 Der international renommierte deutsche Kontrabassist war es auch, der die gebürtige Hamburgerin dazu inspirierte, die akustische Seite des Basses zu erforschen. „Vorher hatte ich nur E-Bass gespielt“, erinnert sich Wulff, die heute beide Instrumente spielt und keines davon mehr missen möchte. „Viele Bassisten mögen eines von beiden lieber“, sagt die Musikerin, die sich beim Spielen zuweilen auch als Sängerin begleitet. „Aber ich finde es toll, dass ich auf diese Weise über ein größeres Ausdrucksspektrum verfüge.“

 Diese musikalische Offenheit überzeugte auch den künstlerischen Leiter von Jazz Baltica, Nils Landgren, der Wulff bei der Jury des IB.SH Jazz Award ins Gespräch brachte. Die sechs Juroren entschieden sich prompt einstimmig dafür, ihr den mit 3000 Euro dotierten Preis zuzuerkennen, den die Investitionsbank Schleswig-Holstein in diesem Jahr zum neunten Mal an ein vielversprechendes Jazz-Nachwuchstalent aus der Region verleiht. „Wir verstehen den Preis als eine Art Bio-Katalysator“, bekennt IB.SH-Vorstand Michael Adamska. Nicht nur das Geld, auch die öffentliche Aufmerksamkeit solle die Karriere der jungen Preisträger fördern, unter anderem natürlich auch durch das mit der Verleihung verbundene Konzert bei der kommenden Jazz Baltica in Niendorf. Nils Landgren unterstreicht in diesem Zusammenhang, dass sein eigener Aufstieg einst ebenfalls wesentlich durch seine Präsenz auf dem Jazzfestival befördert wurde, das er nun selber leitet. Und als der schwedische Posaunist seinen 60. Geburtstag in diesem Frühjahr mit einem Leonard-Bernstein-Projekt feierte, fiel ihm vor dem ersten Konzert prompt der Bassist aus: „Da habe ich einfach Lisa angerufen und sie gefragt, ob sie morgen mitspielen kann. Nach einer Stunde Probenarbeit war sie fit.“

 Lisa-Rebecca Wulff gibt sich jenseits der Bühne bescheiden, freut sich aber über die große Anerkennung, die sie in der deutschen Jazzwelt bereits genießt. Regelmäßig wird sie von der NDR Big Band engagiert, hat mehrere eigene Gruppen und ist auch als Komponistin gefragt. „Derzeit kann ich von meiner Musik leben“, freut sich die Bassistin, die zur Zeit an einer neuen CD arbeitet und das Preisgeld in deren Fertigstellung investieren will. Wenn es nach Lisa-Rebecca Wulff geht, darf sich ihre Karrierelinie gerne in diese Richtung weiterentwickeln: „Aber ich habe auch schon mal beim König der Löwen im Graben gesessen. In der Musik muss man flexibel sein.“

 Die Preisträgerin auf der Jazz Baltica:

 Bei der Jazz Baltica 2017 wird Lisa-Rebecca Wulff am 25. Juni um 15.30 Uhr auf der Open-Air Bühne im Quartett zusammen mit Adrian Hanach (Saxofon), Martin Terens (Klavier) und Silvan Strauß (Schlagzeug) auftreten. Der Eintritt zu dem Konzert ist frei.

 Der mit 3000 Euro dotierte IB.SH-Jazz Award wird im Rahmen der Jazz Baltica am Freitag, 24. Juni, um 18 Uhr auf der Hauptbühne der Everswerft vom Vorstand der Investitionsbank Schleswig-Holstein, Michael Adamska, an Lisa-Rebecca Wulff überreicht.

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