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Nils Dampf in allen Gassen

Kunstpreis Nils Dampf in allen Gassen

Am Montag erhält der 60-Jährige Nils Landgren in Norderstedt aus der Hand von Ministerpräsident Torsten Albig den mit 20000 Euro dotierten Kunstpreis des Landes Schleswig-Holstein, der alle zwei Jahre „als Würdigung eines Gesamtwerks in Anerkennung künstlerisch hervorragender Leistungen“ verliehen wird.

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Die Magie der Dinge

„Mr. Red Horn“ auf rotem Fischerboot: Posaunist Nils Landgren am Niendorfer Hafen, Spielort der Jazz-Baltica.

Quelle: Axel Nickolaus

Norderstedt. Nils Landgren ist einer der herausragenden Jazz-Musiker Europas. Der Name des schwedischen Posaunisten und Sängers ist fest verbunden mit der Jazz-Baltica – zunächst als Musiker in Salzau, seit 2012 und dem Umzug des Festivals auf das Gelände der Evers-Werft in Niendorf auch als künstlerischer Leiter.

 Sie seien „freundlich und ernst“, dafür schätzt Landgren die Schleswig-Holsteiner. „Sie sagen, was sie meinen, aber immer auf eine freundliche Art und Weise.“ Nicht nur deswegen fühle er sich wohl in Schleswig-Holstein, auch die Landschaft habe es ihm angetan, die erinnere ihn an Schweden, „sehr offen, sehr vielfältig“, sagt der Musiker gestern am Telefon in seinem Haus in Skillinge, ein kleiner Küstenort in der malerischen südschwedischen Region Österlen, wo er seit 20 Jahren wohnt. Als Schwede empfinde er es als „sehr überraschend und schön“, dass ihm dieser Preis verliehen werde. Welchen Stellenwert hat der Kunstpreis neben den anderen Preisen (mehrfach der German Jazz Award und der schwedische Grammy, dazu der schwedische „Sir George Martin Award“), die Landgren bereits verliehen wurden? Er mache da keine Rangfolgen, doch der Kunstpreis sei „eigentlich unglaublich, etwas ganz Besonderes“, sagt der sympathisch bescheidene Schwede. Er arbeite ja nicht, um ausgezeichnet zu werden, aber es sei natürlich „eine große Freude“, wenn einer sehe, was er tue.

 Landgren macht enorm viel. Fast jedes Jahr ein neues Album, ob mit seiner Formation Funk Unit, ob in der Reihe Christmas With My Friends (gestern ist der fünfte Teil erschienen, am 2. Dezember gastiert das Projekt im Kieler Schloss) oder mit etlichen anderen Kollegen, darunter Herbie Hancock, Joe Sample, Till Brönner oder auch Abba, für die Landgren 1979 beim Hit Voulez-Vous in die Posaune blies. Lauter Karrierehöhepunkte, aber besonders gern erinnert er sich an die Zusammenspiele mit den Saxofonisten Eddie Harris und Maceo Parker. Vielleicht nur noch getoppt, so Landgren, von „ein paar Konzerten mit Pat Metheny, Michael Brecker, Wolfgang Haffner und Esbjörn Svensson“. Landgren produziert auch Alben anderer Künstler wie Viktoria Tolstoy und Mo’ Blow, lehrt als Professor für Jazz-Posaune an der Hamburger Musikhochschule (sein Standard-Tipp an die Studenten: die eigene Persönlichkeit finden und dadurch einen Platz in der musikalischen Gesellschaft). Trotz all dieser Aktivitäten entspricht Landgren keinesfalls dem Klischee des Workaholics. Wie kriegt er das hin? „Gute Frage“, sagt er, „ich versuche nur, so zu bleiben, wie ich erzogen bin: ruhig, und mich nicht so schnell stressen zu lassen.“

 Recht stressig war für Landgren die erste Zeit nach der Übernahme der künstlerischen Leitung der Jazz-Baltica. Verbunden war er mit dem Festival schon seit der Premiere 1991 gewesen, seit er „als total unbekannter Schwede“ auf Empfehlung seines Landmanns, des Bassisten Lars Danielsson, im Jazz-Baltica-Ensemble mitspielen durfte und in den Folgejahren dort immer wieder beim Festival auftrat. „Die Frage war ja, ob das Festival überleben würde, als das Land damals fast pleite war und Salzau einfach geschlossen hat“, erinnert sich Landgren an diese schwierige Phase. „Da gab es nur eine Möglichkeit: einen neuen Spielort zu finden und einen Leiterwechsel zu machen.“

 Dies habe er als großen Reiz und Herausforderung empfunden, als spannende Aufgabe, übernommen von Rainer Hartmann, dem „Gründer und sehr erfolgreichen Leiter“, weshalb es auch „eine schwierige Entscheidung“ gewesen sei. Die er aber nie bereut habe, obwohl es viel Zeit koste. Schon in den fünf Jahren als Leiter des Jazz-Fests Berlin hatte Landgren gute Erfahrungen damit gemacht, Musiker aus Europa zu holen – auch unbekannte. Das könne man vielleicht auch in Niendorf so machen. „Und wie sich nun in den letzten fünf Jahren gezeigt hat: Es funktioniert! Das Publikum wird größer und größer, und wir machen immer neue Entdeckungen.“

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