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Roger Cicero mit 45 Jahren verstorben

Jazzmusiker Roger Cicero mit 45 Jahren verstorben

Die Nachricht vom frühen Tod des Jazzmusikers Roger Cicero im Alter von 45 Jahren hat große Bestürzung unter Fans und Kollegen ausgelöst. Gerade wollte „Mr. Swing“ wieder auf große Tour gehen.

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Roger Cicero starb im Alter von 45 Jahren.

Quelle: Mathias Bothor

Berlin. Musikbranche und Fans stehen unter Schock: Der Jazzmusiker Roger Cicero ist tot. Der Sänger starb am Donnerstag vor Ostern im Alter von 45 Jahren in Hamburg an einem Hirninfarkt, wie sein Management am Dienstag mitteilte. Cicero hatte für Deutschland 2007 beim Eurovision Song Contest (ESC) gesungen und mit „Frauen regier'n die Welt“ den 19. Platz belegt. Im selben Jahr gewann er den Musikpreis Echo.

Der Sänger hatte im November wegen eines akuten Erschöpfungssyndroms mit Verdacht auf Herzmuskelentzündung sämtliche Termine bis Ende 2015 abgesagt. Die ausverkaufte Tour sollte jetzt fortgesetzt werden. Erst kürzlich habe er noch Interviews gegeben, erklärte sein Management. „Wir sind fassungslos und unendlich traurig. Unser Mitgefühl gilt in erster Linie seiner Familie.“

„Einen Tag nach seinem letzten Live-Auftritt im Bayerischen Fernsehen traten plötzlich akute neurologische Symptome infolge eines Hirninfarktes auf“, berichtete das Management weiter. „Im Krankenhaus verschlechterte sich sein Zustand rapide.“ Cicero starb „im Kreise seiner Lieben, ohne das Bewusstsein wieder erlangt zu haben“.

Hirninfarkt

Schnelle Therapie wichtig

Bei einem Hirninfarkt, an dem der Jazz-Sänger Roger Cicero gestorben ist, wird ein Blutgefäß verstopft. Somit ist die Sauerstoffversorgung des Gehirns eingeschränkt. Er ist eine Form des Schlaganfalls, der aber auch durch eine Hirnblutung ausgelöst werden kann. Zu den Risikofaktoren für eine Hirnblutung zählen das Alter, Bluthochdruck, Diabetes, hohe Cholesterinwerte, Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel. Ganz wichtig sind eine schnelle Diagnose und Behandlung, damit das Gehirn wieder mit Sauerstoff versorgt wird. Symptome sind etwa die Lähmung einer Gesichts- oder Körperhälfte, Taubheitsgefühl sowie Sprach- oder Schluckstörungen. Nach Informationen der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe erleiden pro Jahr fast 270 000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. Etwa 20 Prozent der Patienten sterben innerhalb von vier Wochen, 37 Prozent innerhalb eines Jahres. Fast eine Million Menschen leiden in Deutschland an den Folgen der Erkrankung — einseitige Lähmungen sowie Sprach-, Schluck-, Seh- und Gleichgewichtsstörungen.

In den sozialen Netzwerken drückten Fans und Kollegen des Musikers ihr Beileid aus. „Ein letztes Mal den Hut ziehen. Adieu“, hieß es da zum Abschied an den Sänger, zu dessen Markenzeichen die Kopfbedeckung gehörte. So wie bei Musiker Jan Delay, der twitterte: „hamburger, hutträger, prince-fan…tot.. bin sprachlos und erschüttert!!!alle kraft und gedanken an die familie!!“ Auch Olaf Scholz (SPD), Bürgermeister in Ciceros Wahl-Heimat Hamburg, meinte: „Ich habe seine Musik gern gehört. Sein früher Tod macht mich traurig.“



„Einfach unfassbar.. Machs gut“, schrieb Schauspieler und Musiker Jimi Blue Ochsenknecht auf Twitter. „Du warst ein so sympathischer und freundlicher Mensch!!“ Als einen „Entertainer aus Leidenschaft“ würdigte ESC-Experte Jan Feddersen auf eurovision.de Cicero und zeigte sich geschockt: „Fast jede Nachricht über einen, der nun nicht mehr lebt, ist schrecklich – aber niemand hätte auch nur im Entferntesten damit gerechnet, dass dieser Entertainer so jung sterben würde.“


Der Sohn des Jazz-Pianisten Eugen Cicero hatte seinen Durchbruch mit einer Mischung aus Pop, Jazz und Swing, gewürzt mit frechen und amüsanten Texten, geschafft. Elegant mit Hut und Lackschuhen kam er mit seinen Big-Band-Musikern im Stil der großen Swing-Künstler auf die Bühne. Mit dem Album „Männersachen“ (2006) landete er erstmals weit vorn in den Charts, mit der Auskopplung „Zieh die Schuh aus“ seinen ersten Hit.

Seine letzten großen Projekte waren „Cicero Sings Sinatra“ und „The Roger Cicero Jazz Experience“ – mit beiden wurde er erneut für Echo-Trophäen nominiert: mit „Cicero Sings Sinatra“ für den Echo, der am 7. April in Berlin verliehen wird, und mit „The Roger Cicero Jazz Experience“ für den Echo Jazz am 26. Mai in Hamburg.

Vom 7. April an wollte Cicero auch wieder auf der Bühne stehen, erst in Frankfurt/Main, danach unter anderem in Berlin und Hamburg. „Er hatte sich unglaublich auf seine ausverkaufte Tournee im April gefreut“, erklärte sein Management. „Seine geplanten Konzerte sollten stattfinden, ihm zu Ehren“, lautete ein Facebook-Kommentar.

Cicero hinterlässt seinen Sohn Louis, der 2008 geboren wurde. Von der Mutter des Kindes hatte er sich 2013 getrennt. Auch Ciceros Vater Eugen war, im Alter von 57 Jahren, an den Folgen eines Hirnschlags gestorben. „Die Zwei musizieren nun hoffentlich im Himmel zusammen“, hieß es unter anderem auf Facebook. Andere zitierten aus Songtexten von „Mr. Swing“: „Und als einer von Millionen steh ich hier und schau nach oben, frag mich wo du gerade bist und wie es da wohl ist.“

Als Reaktion auf den Tod Ciceros änderte der Norddeutsche Rundfunk (NDR) sein Wochenendprogramm. In gleich drei TV-Beiträgen soll der Sänger in der Nacht von Sonnabend auf Sonntag zu sehen und zu hören sein: Zunächst in einer Folge von „Inas Nacht“ aus dem Jahr 2011, dann in dem Konzert-Mitschnitt „Roger Cicero – Live in Berlin“ von 2009, ehe die Cicero-Nacht im NDR-Fernsehen mit „Roger Cicero singt Frank Sinatra“ abgeschlossen wird. Zwischen den Sendungen sollen nach Angaben des Senders vom Dienstag Ciceros Auftritte beim Eurovision Song Contest 2007 in Helsinki und in der „Sesamstraße“ gezeigt werden.

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KN-online (Kieler Nachrichten)

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Foto: Der Fernsehmoderator Niels Ruf nutze die Anteilnahme für einen geschmacklosen Post, der zu viel Aufregung führte.

Trauer, Betroffenheit und Anteilnahme: Nachdem am Dienstag der Tod des Jazzsängers Roger Cicero bekannt gemacht wurde, äußerten sich Fans, Freunde und Angehörige bestürzt über den frühen Tod des erst 45-jährigen Musikers. Nicht so Fernsehmoderator Niels Ruf.

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