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Fußball für Kunstfreunde

Schweizer Alternative zu Sticker-Alben Fußball für Kunstfreunde

Die Kieler Illustratoren zeichneten für das „Tschutti Heftli“ Sammelbilder zur EM

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Fußballer im Einzelporträt: Die Kieler Jens Rassmus und Nora Grunwald zeichneten für das Tschutti Heftli.

Quelle: Foto: Marco Ehrhardt

Kiel. Kiel. Mit Zinedine Zidane fing alles an. „Ich bin gar nicht so der Fußball-Fan“, sagt Nora Grunwald, „aber Zidane ist einfach ein Typ. Die Kopfnuss bei der WM 2006 habe ich noch genau vor Augen. Und den sollte man probezeichnen.“ Außerdem hatte die Muthesius-Studentin gerade eine neue Technik entwickelt. Mit dickem Strich rasant über ein Foto gepinselt, auf einer zweiten Lage konturiert und schließlich am Computer zusammengefügt und in Szene gesetzt: „Das passt zu der Schnelligkeit und Wildheit im Fußball.“ Damit war Nora Grunwald dabei – eine von 25 Künstlern, die für das aktuelle Tschutti Heftli zur EM Fußballer-Porträts gezeichnet haben.

 Das Alternativprogramm zu den gängigen Sticker-Alben bringt ein Kunst und Fußball begeistertes Kollektiv in Luzern seit 2006 regelmäßig zu EM und WM heraus: künstlerisch gestaltete Fußballer-Porträts und die zugehörigen Hefte zum Einkleben; der Erlös kommt der Hilfsorganisation Terre des Hommes zugute. Ab 8. April gibt es die Kunst-Sticker erstmals auch in Deutschland, wenn auch wohl noch nicht in Kiel. Das titelgebende „Tschutti“ übrigens kommt von „tschuten“, dem schweizerischen Ausdruck für „kicken“, der sich wiederum vom englischen „shoot“ ableitet.

 „Ich wollte da schon länger mitmachen“, sagt Jens Rassmus, der ebenfalls zu den Zeichnern gehört und die walisische Nationalmannschaft übernommen hat. Auf Anregung seines Sohnes: „Der ist Arsenal-Fan – und da spielt auch einer der Waliser.“ Für den Kieler Kinderbuchautor, Illustrator und bekennenden Werder-Fan waren die Porträts ein Spaß: „Im Fußball gibt es so eine Popstarisierung; alles ist so durchgestylt und auf Hochglanz gebürstet. Da hat es einfach Spaß gemacht, die Spieler mal ungeschönter und zugespitzter zu zeichnen.“ So gucken sie einem nun von seinen Bildern entgegen: kernige Recken in roten Trikots mit grünem Halsstreifen, mit komplizierten Frisuren und eigenwillig verwilderten Bärten. Im klassischen Frontalporträt – mit nah an der Karikatur eingebautem Augenzwinkern. „Ich habe versucht, zu verstehen, was für Menschen das sind“, so Rassmus und schmunzelt: „Ich war aber auch dankbar, dass sich unter den allgegenwärtigen Undercuts auch ein paar Freigeister fanden.“

 Auch die Verbindung von Fußball und Kunst kommt bei den beiden Kielern an. „Weil sie eigentlich überhaupt nichts miteinander zu tun haben“, sagt Rassmus. Das sieht Nora Grunwald etwas anders: „Doch, haben sie. Weil beide mit einer ähnlichen Leidenschaft verbunden sind.“ Die sieht man auch in den Gesichtern des fiktiven „Top Teams Frauenfußball“, das der Studentin bei der Mannschaftsverteilung zufiel. Vor himmelblau digitaler Künstlichkeit blicken ihre Heldinnen dem Betrachter entschlossen entgegen. „Das war gar nicht so leicht“, sagt Grunwald, „weil die Frauen im Gegensatz zu den Männern auf den meisten Fotos lächeln. Ich wollte aber, dass sie stark und wild rüberkommen.“ Dass ihre Bilder vollkommen anders aussehen als die ihres Kollegen, steht für das Konzept der Hefte, die auf zeichnerische Vielfalt und ungewöhnliche Ideen setzen.

 Und wem drücken die beiden nun die Daumen? „Für mich bedeutet die EM ja eher Plastik-Blumenkette und Glitzer-Leggings beim Public Viewing“, sagt Nora Grunwald, während für Rassmus die Wahl klar ist: „Wales natürlich. Das geht ja nicht anders. Und die Fantrikots sind schon bestellt.“

  www.tschuttiheftli.de

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