18 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
Sinnsucher im Erinnerungsraum Sylt

Literaturhaus Kiel Sinnsucher im Erinnerungsraum Sylt

Die inhaltliche Kombination aus Zuhören und Schauen ist im Literaturhaus eher rar gesät. Umso mehr freute sich Wolfgang Sandfuchs, mit Jochen Missfeldt und Friedel Anderson zwei Garanten für das duale Erlebnis begrüßen zu können.

Voriger Artikel
Luft unter den Flügeln des Gesangs
Nächster Artikel
Musikalische Freibeuter

Jochen Missfeldt (li.) und Friedel Anderson

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. Wiedergänger – Eine andere Geschichte von Sylt heißt das neue Buch von Jochen Missfeldt. Anderson, Mitglied der Künstlergruppe „Norddeutsche Realisten“, hat dazu 29 Farbradierungen beigesteuert, die teils im Original, teils als Buchausdruck bis 21. April im Literaturhaus ausgestellt sind.

 Das Gemeinschaftsprojekt geht zurück auf eine Initiative von Uwe Jess. Ob es sinnvoll sei, angesichts von circa 3000 Sylt-Büchern ein weiteres auf den Markt zu bringen, hat sich der Verleger der Edition Eichthal gefragt: „Die Antwort ist ein klares Ja. Denn Missfeldt und Anderson sind beide Sinnsuchende, die auf der Suche nach dem Ursprünglichen, Echten der Insel besondere Wege gehen.“

 Für Missfeldt ist Sylt ein Raum der Erinnerung. „Ich war als Kind oft da“, erzählt der Autor und Kunstpreisträger Schleswig-Holsteins 2006. Aus den lange zurückliegenden Besuchen ergibt sich aus seiner Sicht eine Erklärung für den Titel: „Auch ein Roman oder eine Erzählung ist ein Erinnerungsraum. Hier tauchen Gestalten auf, die der Autor sich aussucht. Für mich sind diese Figuren Wiedergänger.“

 In zehn Kapiteln schildert er das Leben des Sylters Gregor Gregorius – nicht linear, sondern in Zeitsprüngen, in denen der Erzähler eigene Erlebnisse, Fakten der Zeitgeschichte und Details aus der Sagenwelt beisteuert. Die Nachkriegszeit und die englischen Besatzer sind ein Thema, aber auch Ekke Nekkepen, der legendäre Schöpfer der Insel, sowie die Steinkönigin von Morsum Kliff, die „Schlipsnadeln und Ohrstecker für die Badeklientel anfertigt“. Die Steinkönigin ist eine Erfindung, Ekke Nekkepen ein „echter“ Sagenheld: „Doch der Autor macht mit ihm, was er will.“

 Real ist die Figur, die im letzten Kapitel auftaucht. „Friedel, der Maler, hat hergefunden“, heißt es da, ein Mann, der weniger rede als nötig. „Den damit erwirtschafteten Überschuss legt er in seine Malerei.“ Der so Beschriebene ging damals mit Missfeldts Manuskript im Gepäck auf Motivsuche und hat seine Eindrücke von Strand und Meer genauso festgehalten wie dörfliche Ruhe und Impressionen rund ums Morsumer Kliff. „Ich suche Orte, die still sind“, sagt der Maler und mit Blick auf das Motiv des Kliffs: „Wenn man genau hinsieht, kann man die Steinkönigin am Kliff herumkriechen sehen.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3