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Filigran und wuchtig zugleich

Joe Bonamassa zu Gast in Kiel Filigran und wuchtig zugleich

Wunderkinder hat es immer wieder gegeben. Viele verzückten das erwachsene Publikum und verglühten auf dem Weg zur eigenen Reifung im Fegefeuer des Showbiz. Eines ist Joe Bonamassa, der am Donnerstag ein Konzert in der Kieler Sparkassen-Arena gibt.

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Immer für einen Gig der besonderen Art gut: der amerikanische Gitarren-Star Joe Bonamassa

Quelle: jbonamassa

Kiel. Nur wenige hatten die Klasse, die Nerven und das Glück, auch als Große Großes zu leisten. Zu dieser seltenen Spezies gehört der amerikanische Bluesrock-Gitarrist Joe Bonamassa, der mit seiner Band am morgigen Donnerstag (20 Uhr) in der Kieler Sparkassen-Arena einen Gig der besonderen Art abliefern wird, so viel sei versprochen.

 Eigentlich ist der Vater an allem schuld. In New Hartford/US-Bundestaat New York, wo Joe am 8. Mai 1977 geboren wurde, besaß Daddy Bonamassa ein Gitarrengeschäft. Das Talent wuchs also inmitten des nötigen Equipments auf, auch kein schlechter Start zur Realisierung von Träumen. Mit vier Jahren begann er auf einer kleinen Chiquita-Gitarre, als Zwölfjähriger jammte er mit B.B. King, mit 14 verriet er seinen Lebensplan: „Ich werde niemals einer geregelten Arbeit nachgehen, ich will einfach nur ein Gitarrenspieler sein.“

 Gesagt, getan. Nach einem Testlauf mit seiner ersten Band Bloodline startete Bonamassa im Jahr 2000 seine Solo-Karriere mit dem Album A New Day Yesterday. Schon der Erstling vermittelte die faszinierende Mixtur aus filigranem Fingerspiel und wuchtiger Kreativität, die ihm in den USA schnell eine (noch) kleine, treue Anhängerschaft bescherte. Das zweite Album So It’s Like That kletterte bereits 2002 auf Rang eins in den Billboard-Blues-Charts.

 In den Live-Auftritten jener Jahre gab Bonamassa den klassischen guitar hero: virtuos in Jeans und Lederjacke, rau und übergewichtig, exemplarisch zu bestaunen auf der DVD Live at Rockpalast von 2005. Er füllte die Nische, ein Bluesrock-Mann für Bluesrock-Fans. Doch er wollte mehr: neues Publikum für seine Kunst gewinnen; ein Star sein, der größer ist als das Klischee. Der Paradigmen-Wechsel wurde 2009 auf der DVD/CD Live from the Royal Albert Hall vollzogen, am Londoner Sehnsuchtsort, den er schon als Jugendlicher zu seiner ultimativen Bühne verklärt hatte. Das neue Konzept: kein Konzert, sondern eine Performance des um etliche Kilos erleichterten Gentleman im Seidenanzug, dessen Jacke auch in der Zugabe nicht abgelegt wird. Diese Coolness verlangt er auch seinem Publikum ab, das nicht mehr wild abrocken, sondern in bestuhlten Innenräumen zivilisiert genießen soll.

 Der Qualität der Musik und den Emotionen der Zuschauer hat das freilich keinen Abbruch getan, im Gegenteil. Noch vor zehn Jahren spielte der Meister in europäischen Klubs vor 100 Leuten (was er gelegentlich immer noch tut, dann allerdings absichtlich), heute sind große Hallen oft ohne einen Hauch von Werbung in wenigen Tagen ausverkauft. Doch Vorsicht! Wer Joe Bonamassa live erlebt, droht diesem Mann im wahrsten Wortsinn hörig zu werden, forever.

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