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Lachen in der "Klappstuhlarena"

Johann König in Kiel Lachen in der "Klappstuhlarena"

Ein König in seinem Schloss – wunderbar. Gut, der König ist Komiker und das Kieler Schloss seinen Worten nach eine „puffrotgepolsterte Klappstuhlarena“, aber die ist immerhin ausverkauft. Diese „Milchbrötchenrechnung“, so der Programmtitel, ist für Johann König also aufgegangen.

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Johann König mit seinem Programm "Milchbrötchenrechnung" im Kieler Schloss.

Quelle: Björn Schaller

Kiel . Der gewitzte Kölner Faselprofi und Meister der Einleitungen ins Nichts setzt bei seinem fünften Besuch in Kiel auf die bewährte Mischung aus Stand-Up, Gedichten, Audio-Einspielern, Tagebuchlesung („Aus dem Leben eines fünfköpfigen Familienvaters“), Songs und bisweilen niedrigschwelligen Witzen, darunter aber auch Leuchtfeuer wie: „Wie nennt man einen Bumerang, der nicht zurück kommt? Stock.“

Ein Tag im Zoo

Ein halbes Jahr habe er eine Tourpause eingelegt, erzählt Johann König. Die habe er zuhause bei seiner Frau und den drei kleinen Kindern verbracht, was „sehr schön“ gewesen sei, wie er mit vergeblich unterdrückter Aggression zwischen den Zähnen herauspresst. Da gibt es natürlich in bester königscher Manier einiges zu erzählen wie den gemeinsamen Zoobesuch. Schon vor dem Eingang gerät man mit dem Ballonmann an einen Verkaufsprofi und auch der Comedy-Profi lässt einen Gedankenballon steigen, hängt das Schloss daran und alle dürfen teilhaben, wenn „die Kleine“ ins Erdmännchengehege rutscht und alsbald mit den neuen Freunden unter der Wärmelampe hockt. Ballons, Süßigkeiten, ungewünschte Fotos. Fazit des Zoobesuchs: „Man wird ausgenommen wie ein Zirkuspferd.“

Mal schluffelt er wie die menschgewordene Schlaftablette über die Bühne, dann wieder wippt er beim Lesen von einem Bein aufs andere, ob`s am „selbstgespritzten Eigenadrenalin“ liegt, ist nicht bekannt. . Geistig rege ist Johann König allemal, allerdings muss  man das Genuschel und das Kippen der Stimme schon mögen. Dann jedoch ist es ein echtes Vergnügen, wenn der König Hof hält, mit Klischees und Vorurteilen spielt und dabei doch selbst oft zwischen Moral und Morast hängen bleibt. Engel und Teufel ringen um seine Gunst; das macht die Identifikation so leicht und dementsprechend zugewandt ist das Publikum.

"Genull nau Uhr"

Wenn er nicht gerade im Stehen den Ellenbogen auf die Hand stützt und sich wie ein Scheibenwischer für klare Gedanken durchs Gesicht fährt, entlockt er am Tisch dem Aufnahmegerät die schönsten Versprecher von „unserem Bundeskanzler Merkel“ oder moderatorische Fehlgriffe wie: „Es ist genull nau Uhr“. König treibt es auch schön auf die Spitze, wenn er eigene lyrische Ergüsse wie „Der Malermeister“ präsentiert und sich danach die Bedeutungsebenen von „die Segel streichen“ so oft auf der Zunge zergehen lässt, bis das ausgewalzte Eigenlob auch die Letzten zum Lachen animiert hat.

„Eins, Two, Trois!“, singen kann er auch vielleicht, der König. Rappen auf jeden Fall, auch wenn es nur ein „Mittelstands-Rap“ mit dementsprechend gemäßigter Gangsta-Attitude ist. Wunderbar nicht nur ins Licht gesetzt ist das abschließende Chanson – ein gepflegter Rausschmiss inklusive eines gehauchten „Ich liebe euch“ und der Erkenntnis: „Wenn ich jetzt geh, bin ich doch noch da“. Somit besteht begründete Hoffnung auf einen sechsten Kiel-Besuch von König Johann, im Schloss natürlich.

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