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Inbrunst und Krawall

Johanna Zeul im Lutterbeker Inbrunst und Krawall

Wer könnte ihr widerstehen? 2008 – als sie das erste Mal im Kieler Raum gastierte – packte die junge Johanna Zeul im Prinz Willy das Bühnentier aus. Eine Wucht. Sieben Jahre später ist sie immer noch eine Wucht.

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Kam mit vielen neuen Songs in den Lutterbeker und erntete viel Beifall: Johanna Zeul.

Quelle: Marco Ehrhardt

Lutterbek. Daran kann auch die Tatsache, dass der Lutterbeker an diesem Abend nur mit knapp 30 Zuschauern gefüllt ist, nichts ändern.

In kürzester Zeit hat sie die bezirzstLutterbek. Wer könnte ihr widerstehen? 2008 – als sie das erste Mal im Kieler Raum gastierte – packte Johanna Zeul, damals junge Nachwuchskünstlerin, im Prinz Willy das Bühnentier aus. Der Mund stand einem offen angesichts ihrer musikalischen Power und Präsenz. Eine Wucht. Sieben Jahre später, erwachsen geworden (?), ist sie es immer noch: eine Wucht. Daran kann auch die Tatsache, dass der Lutterbeker an diesem Abend nur mit knapp 30 Zuschauern gefüllt ist, nichts ändern.

 , besungen, beschrieen – kurz: um den Finger gewickelt. Aber diese Frau – gleichzeitig gekleidet in Trainingshose, einen Rock und ein Oberhemd mit Weste – ist einfach ein energiegeladenes Gesamtkunstwerk. Wie sie die Mähne schüttelt, mit Wasser bespritzt, sich die Bühne immer wieder mit großen Schritten aneignet und alle mit wildem wachen Blick fixiert. Was nicht bedeuten soll, dass ihre Musik zur Nebensache würde. Ihre auf Deutsch gesungenen Songs bewegen sich von Inbrunst bis zu lautstarkem Krawall und sind vor allem eins, ganz unverwechselbar: sie. Dabei immer passend zu den oft sehr direkten, auch poetischen Texten.

 Ihr Gitarrenspiel ist seit damals differenzierter geworden. Dazu wird auf den Korpus geklöppelt, ganze Percussion-Einlagen, bei denen auch die Füße rhythmisch mitstampfen. Die Bandbreite reicht vom Singer-Songwriting über das scheinbar naive Poplied bis zum angepunkten Rocksong und zurück. Erlaubt ist, was Johanna Zeul gefällt, gesanglich meistert sie die verschiedenen Farben locker. Und wer kann sich schon minutenlang auf der Bühne buchstäblich die Seele aus dem Leib schreien, ohne dass es prätentiös wirken würde? Sie kann’s.

 Neben Nummern, die noch vom Album No 1 oder dem späteren Live-Album stammen, wie Hallo Leben, in dem sie trotzig berserkernd der Welt ihre Lebenshunger entgegenschleudert, gibt es viele neue Songs an diesem Abend zu hören. Man stehe zurzeit täglich im Studio, das neue Album wird eingespielt. Und was man daraus an Vorgeschmack bekommt, lohnt sich. Wie der Song Sag was über eingefahrene Streitmuster, die Beziehungen schrotten können: „Sag’ was Liebes / ich antworte was Fieses!“ Oder Die Reise zum Mond, die zum Äquivalent für abgehobene Ziele wird: „Mit Geld kann man da oben gar nichts bewegen / im Himmel gelten andere Regeln.“ Das auch mal was auf Anhieb nicht klappt: „Da war gerade mein Kopf schneller als die Hand, die Gitarre und das Lied ...!“ – geschenkt. Auch daraus macht Johanna Zeul noch eine charmante Einlage. Selten haben 30 Leute so laut applaudiert.

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