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Mit dem Debüt erfolgreich: Jonas Lüscher

Hans-Fallada-Preis Mit dem Debüt erfolgreich: Jonas Lüscher

Ralph Giordano hat ihn, Bernhard Schlink auch, Birgit Vanderbeke bekam ihn verliehen ebenso wie Günter Grass und Wolfgang Herrndorf. Seit dem 9. März hat auch Jonas Lüscher den Hans-Fallada-Preis der Stadt Neumünster – für sein Debüt "Frühling der Barbaren".

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Jonas Lüscher ist mit dem Hans-Fallada-Preis der Stadt Neumünster ausgezeichnet worden.

Quelle: Anja Rüstmann

Neumünster. Der sympathische Autor wusste gar nicht, wo Neumünster liegt. Und von Fallada hatte er bisher nur Jeder stirbt für sich allein gelesen.

 Die Nachricht von der Auszeichnung erreichte Lüscher an seinem 39. Geburtstag in Kairo, wo er gerade für eine literarische Reportage recherchierte. Stadtbüchereichef Klaus Fahrner rief ihn auf dem Handy an. „Da bin ich schon morgens um 9 Uhr schön beschenkt worden“, sagt Lüscher. Denn der Preis ist mit 10000 Euro dotiert.

 An seinem ersten Roman hat der gebürtige Schweizer fast sieben Jahre geschrieben, er liegt unveröffentlicht im Keller „und soll da auch bleiben“. Mit der Novelle Frühling der Barbaren überraschte er 2013 das Feuilleton. Darin berichtet die Figur Preising einem Ich-Erzähler von einer Hochzeitsgesellschaft. Die lässt es sich in einem Luxushotel in der tunesischen Wüste (Lüscher: „Ich war noch nie in Tunesien“) gut gehen, als in Großbritannien das Pfund abschmiert und die reichen Herrschaften plötzlich mittellos dastehen.

 Der Beck-Verlag übertreibt nicht, wenn er behauptet: „Spannend, klug konstruiert, durchaus auch komisch, mit unvergesslichen Bildern und einer reichen, beweglichen Sprache erzählt, seziert dieses Buch menschliche Schwächen und zielt dabei mitten ins Herz der Gegenwart.“ In der Begründung zur Entscheidung der Fallada-Preis-Jury hieß es: „So unterschiedlich die Sprache beider sein mag, verbindet Hans Fallada und Jonas Lüscher doch das Interesse an gesellschaftlichen Krisensituationen.“

 In Bern hatte Lüscher eine Ausbildung als Primarschullehrer absolviert, einige Jahre in der deutschen Filmindustrie als Stoffentwickler und Dramaturg mitgemischt und dann Philosophie in München bis zum Magister studiert, wo er seit 2001 lebt.

 Zurzeit arbeitet er an einem neuen Roman, der im Frühjahr 2017 herauskommen soll. „Er spielt im Silicon Valley an der Stanford University, wo ich vor drei Jahren für neun Monate als Gastwissenschaftler war“, verrät der Autor. Ein deutscher Geisteswissenschaftler wird zu einer Konferenz geladen zur Klärung der Theodizee-Frage, warum auf der Welt so viel Leid und Übel herrschen, wenn es doch einen allmächtigen Gott gibt. Das Buch handelt von Optimismus und Pessimismus und hat wieder einen starken ethischen Akzent.

 Schon am Donnerstag reisen Jonas Lüscher und seine Ehefrau, die bekannte Schauspielerin und Regisseurin Ulrike Arnold, wieder nach München – aber mit dem Fallada-Preis im Gepäck.

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