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Der ganze Saal wie elektrisiert

Joris im Kieler Max Der ganze Saal wie elektrisiert

Von der Popakademie Baden-Württemberg zum Plattenvertrag, mit dem Debütalbum Hoffnungslos hoffnungsvoll sofort in die hohen Chartsregionen und in ausverkaufte Clubs. Das alles in weniger als zwei Jahren. An dem kometenhaften Aufstieg von Joris muss ja etwas dran sein, und so ist das Kieler Max Nachttheater ebenfalls komplett ausverkauft.

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Sein Kieler Publikum feierte Joris im Max.

Quelle: Manuel Weber

Kiel. Schon beim zweiten Song Sommerregen springt der Funke über. Das Publikum hüpft im Kollektiv und intoniert den Refrain. „Kiel, es beginnt ganz wunderbar“, resümiert Joris folgerichtig. Ebenso geht es weiter. Der Korken verliert sich in einem jazzigen Jam, und die am Klavier gespielten Er und Feuerwerk heizen die Emotionen weiter an.

 Ecken und Kanten sucht man bei Joris allerdings vergeblich. Von Kopf bis Fuß ist alles in weich-gemütliche Pop-Watte gebettet. Der 25-Jjährige setzt ganz auf den umarmenden Charakter und füllt mit kratziger, zerbrechlicher Stimme die Songs mit viel Gefühl und Pathos. Zwischen den Liedern und auch mittendrin nimmt sich Joris Zeit, die Band vorzustellen, den Norddeutschen zu schmeicheln, Witze zu reißen. Oder er philosophiert über Gemeinsamkeiten der Menschen. Das Publikum folgt textsicher, lachend, jubelnd, applaudierend und macht fast jeden Song zu einem eigenen kleinen Erlebnis.

 Bonbons gibt es dann in der zweiten Hälfte. Die Band versammelt sich vollständig bei Hollywood um eine Trommel, setzt ein mit ihrem Beat zu Joris’ Ankündigung dass, es nun König-der-Löwen-mäßig werde. Und das Publikum? Das singt plötzlich aus freien Stücken den Millionenseller The Lion Sleeps Tonight. Ein offensichtlich überraschter Joris ruft: „Das gibt’s doch nicht“ und steigt am Klavier mit ein.

 Nachdem Hollywood verklungen ist, kommt beim folgenden Stadt in den Wolken unverwüstlich der Coldplay-Einfluss zum Tragen. Überhaupt nicht schlimm, denn eine höhere Messlatte als Chris Martin kann es in Sachen Poprock-Songwriting schließlich kaum geben. Der ganze Saal ist derweil wie elektrisiert vom smarten Pop-Aufsteiger. Jeder Satz, jede noch so kleine Geste wird belacht oder beklatscht. Die zauberhaft-kleinteilige Melodie von Bis Ans Ende Der Welt tut da ein Übriges, der Händeschwenker Hoffnungslos hoffnungsvoll erst recht und vom folkig-angehauchtem Hit Herz über Kopf ganz zu schweigen – Joris hat das Pop-Fass im Max gleich literweise zum Überlaufen gebracht.

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