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Sorbaskinder: seltsam vertraute Fremde

Ju Hyun Lee bei K 34 Sorbaskinder: seltsam vertraute Fremde

Der ehemalige Schlecker-Markt, Spielwiese der Galerie K34, hat sich als Schaufenster meist experimenteller Kunst von heute etabliert. Die Ausstellung von Ju Hyun Lee bildet da eine echte Ausnahme.

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Wünscht sich, dass ihre Bilder ähnlich wirken wie eine Tragödie – „weil es einem hinterher besser geht“: Ju Hyun Lee.

Quelle: ehr - Marco Ehrhardt

Kiel. In der Art klassischer europäischer Porträtmalerei hat die Koreanerin, seit 2002 in Kiel, ihre Gemälde gestaltet. In zahllosen Farbschichten sorgfältig aufgebaut, zeigen die nach fotografischen Vorlagen entstandenen Arbeiten Nachbarn und Freunde sowie Berühmtheiten aus Kunst, Politik und Film – dem Original täuschend ähnlich, und dennoch nicht so, wie man sie kennt.

 Nordkoreas Staatschef Kim Yong-un etwa trägt eine geschmeidige Langhaar-Frisur, die Mona Lisa posiert als Aktmodell, Kiels Altbürgermeister Asmus Bremer blinzelt träge in die Sonne. „Mir geht es nicht darum, Charaktere festzuhalten“, so die 38-Jährige, die nach ihrem Kunststudium in Seoul 2008 an der Muthesius-Kunsthochschule ihren Diplomabschluss in der Malereiklasse von Ludger Gerdes ablegte. „Ich versuche universelle Wesen zu zeigen, in denen jeder ein Stück von sich selbst erkennen kann.“ Die Porträtierten habe sie daher mit einem Hauch kindlicher Naivität umgeben, so dass aus gewieften Staatsmännern oder erfolgsverwöhnten Stars „reine, unschuldige Wesen“ werden, die aus der Zeit gefallen und dabei seltsam vertraut scheinen. „Sorbaskinder“ nennt Ju Hyun Lee die Porträtserie, deren Namensgeber, Titelheld des Romanklassikers „Alexis Sorbas“, sie als „wild und natürlich“ beschreibt. „Er ist ein rätselhafter Bekannter: grausam und liebenswert, ungebildet und weise, gedankenlos und zielgerichtet – Eigenschaften, von denen wir viele in uns selbst entdecken können.“ Der Blick der Porträtierten ist meist ernst und in sich gekehrt. „Meine Bilder sind nicht wirklich fröhlich“, so die Künstlerin. „Ich würde mir wünschen, dass sie eine ähnliche Wirkung haben, wie eine Tragödie: Wenn man sie gesehen hat, geht es einem hinterher besser.“

 Elisabethstraße 68. Eröffnung morgen, 19 Uhr. Bis 18. August. Di-Do + So 15-18 Uhr. Am 17.7. ab 11 Uhr im Rahmen der Veranstaltung Welcome@Gaarden

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