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NDR-Fernsehen wird 50

Jubiläum NDR-Fernsehen wird 50

Der NDR feiert 50 Jahre Fernsehen im Dritten, in Kiel wird seit 30 Jahren werktäglich das Schleswig-Holstein Magazin als Landesprogramm angeboten – gerade stellt man sich an der Eggerstedtstraße mit einem runderneuerten Studio für die Zukunft auf. Zum Jubiläum ein Gespräch mit Funkhausdirektor Volker Thormählen und Fernsehchef Norbert Lorentzen.

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Setzen auf das Schleswig-Holstein Magazin: Funkhausdirektor Volker Thormählen (rechts) und Fernsehchef Norbert Lorentzen im Studio des Landesfunkhauses Kiel.

Quelle: Uwe Paesler

50 Jahre NDR-Fernsehen - was spielt sich da zuerst vor Ihren Augen ab?

 Thormählen: Das ist schon in erster Linie das Schleswig-Holstein Magazin, oder vorher die Nordschau aus Kiel. Das kennt man eben als gebürtiger Schleswig-Holsteiner. Und wir haben einen Kieler Tatort mit Axel Milberg, der von Hamburg aus verantwortet, aber natürlich von uns begleitet wird. Wiederholt wurde für den Tatort im Landesfunkhaus gedreht.

  NDR-Fernsehen, dafür stehen neben dem Schleswig-Holstein Magazin aber auch die Tagesthemen, Panorama, Tatort, Extra 3, NDR Talkshow, Neues aus Büttenwarder, Großstadtrevier ....

 Thormählen: Das sind oft auch ARD-Sendungen aus Hamburg, da machen wir nach Bedarf Zulieferungen fürs Erste. Aktuelle Berichterstattung aus dem Land, die bundesweit von Interesse ist, kommt aus unserem Funkhaus. Es gibt, gerade auch mit dem regional geprägten Politikmagazin Panorama 3, eine enge Zusammenarbeit.

  Was sind für Sie typische NDR-Fernsehgesichter der letzten 50 Jahre?

 Thormählen: Ganz spontan: Dénes Törzs, als es noch Ansager gab. Das war der Mann im Wollpullover, der war natürlich stilprägend. Natürlich Carlo von Tiedemann als einer der bekanntesten norddeutschen Präsentatoren in Hörfunk und Fernsehen. Aber auch Christian Schröder, der lange Jahre das Schleswig-Holstein Magazin und viele andere Sendungen präsentiert hat. Oder Bettina Tietjen, die Grande Dame des NDR-Fernsehens, und aktuell vielleicht noch Alexander Bommes als neues Gesicht, als Kieler Jung, im Sport wie auch auf der Talkschiene sehr präsent.

  Wie ist Kiel mit seinem Landesfunkhaus im Verbund des NDR positioniert?

 Thormählen: Nach der Kündigung des Staatsvertrages durch Gerhard Stoltenberg und Ernst Albrecht 1978 gab es 1980 einen neuen Staatsvertrag, der die Gründung der Landesfunkhäuser beinhaltete. Wir haben auch ein Jubiläum hier in Kiel, weil wir hier am 1. Oktober 30 Jahre lang von Montag bis Freitag ein Landesprogramm machen. Es gibt zwei Säulen unseres Beitrages zum NDR-Fernsehen. Die erste ist das, was wir regional exklusiv für Schleswig-Holstein produzieren, natürlich täglich um 19.30 Uhr das Schleswig-Holstein Magazin, und Schleswig-Holstein 18:00 Uhr. Die zweite Säule ist die Zulieferung für die Berichterstattung vom Morgenmagazin bis zu den Tagesthemen, ARD aktuell, Phoenix...

 Aber das ist auch am frühen Abend noch nicht alles...

 Thormählen: Ja, es gibt eine Reihe von Sendungen, die wir hier redaktionell verantworten und produzieren und die im gesamten Norddeutschland, im gesamten NDR- Fernsehen zu sehen sind. Da ist etwa die 18.15-Uhr-Schiene, wo ein Fünftel aller Sendungen von uns kommen, dann der beliebte Ostsee Report, die „Nordstory“, außerdem immer weitere Features und Dokumentationen..

  Lorentzen: Das sind 20000 Erstsendeminuten pro Jahr aus Kiel. 45 Minuten täglich als feste Größe, das andere kommt dazu.

 Wie steht das Schleswig-Holstein-Magazin, ihr Kernprodukt, im Jahr 30 nach der ersten Sendung heute? Wie hat es sich in seiner Geschichte gewandelt?

 Lorentzen: Es hat sich natürlich gewandelt, weil die Berichterstattung mittlerweile enorm an Tempo gewonnen hat. Es hat sich in Mischung und Machart geändert, aber das Schleswig-Holstein Magazin ist immer eine Konstante gewesen, die den Fokus auf Information und Aktualität gelegt hat. Mit dem Format gehören wir innerhalb der ARD zur Spitzengruppe. Und auch die steigende Online-Nutzung ändert daran nichts – allenfalls in der Gruppe der unter 30-Jährigen. Wir punkten auch im Netz mit einem strukturierten, gut vorsortierten Angebot, das der Beitragszahler auch streamen kann, wenn er um 19.30 Uhr mal keine Zeit hat.

  Jetzt rüsten Sie sich mit dem neuen großen Studio für die Zukunft...

 Lorentzen: Ja, künftig kann man in jeder Einstellung sehen, dass es aus Schleswig-Holstein kommt. Wir werden die virtuelle Technik nutzen, um mit Bildern aus dem Norden auch in der Moderation zu arbeiten, so dass wir dem Zuschauer wirklich in jeder Sekunde das Gefühl geben, wir berichten über seine Heimat.

  Wie wurde der Wandel von privaten Fernsehsendern beeinflusst?

 Thormählen: Konkurrenz heißt ja in jeder Branche, man muss sich mehr anstrengen, um den Zuschauer zu überzeugen. Wir behaupten uns als regionales Fernsehen gegen nationale Angebote mit weit größeren Budgets wirklich hervorragend. Auch wenn viel über Globalisierung geredet wird, gibt es doch ein ungebrochenes Interesse an regionaler Information. Im Gegensatz zu den profitabel arbeitenden Privatsendern war und ist das NDR Fernsehen werbefrei. Und die Programmbudgets sind seit 2009 für uns trotz Honorar- und Kostensteigerungen unverändert. Das heißt, wir müssen kontinuierlich und effizient sparen. Das tun wir auch, aber das tun wir zuletzt im Schleswig-Holstein Magazin.

 Wo können Sie denn sparen?

 Thormählen: Wir müssen moderat und sozialverträglich, aber kontinuierlich Personal einsparen. Wir haben uns uns auch von vielen liebgewonnenen Aktivitäten und Produktionen des Landesfunkhauses verabschiedet. So können wir uns den bisher alle paar Jahre angebotenen Tag der offenen Tür nicht mehr leisten. In den vergangenen Jahren haben wir jedes Jahr eine Aufführung der Eutiner Festspiele oder der Karl-May-Spiele aufgezeichnet, oder auch die Kult-Nacht in Bad Segeberg. Das sind große Produktionen, die wir nicht fortsetzen können. Das ist notwendig, damit mit wir die aktuelle Berichterstattung in Hörfunk und Fernsehen in gleichbleibender Qualität aufrechterhalten können. Und: Auch dieses Jubiläum wird nur im Programm gefeiert.

  Wie steht es denn heute mit dem öffentlich-rechtlichen Auftrag und mit dem Einfluss der Politik? Immerhin wurde der NDR-Staatsvertrag 1978 schon mal aufgekündigt, im Zusammenhang mit Panorama-Schelte und der Brokdorf-Berichterstattung. Seither gab es Ruhe...

 Thormählen: Ich kann mich in meinen jetzt knapp drei Jahren als programmverantwortlicher Direktor in Kiel nicht an auch nur einen Versuch politischer Einflussnahme erinnern. Das ist im NDR auch schwierig, weil Rundfunk- und Verwaltungsrat als Aufsichtsgremien so besetzt sind, wie es das Bundesverfassungsgericht zuletzt für das ZDF angeordnet hat. Die Vertreter der politischen Parteien sind selbstverständlich auch bei uns vertreten. Aber alle Parteienvertreter zusammen können keine Mehrheiten bilden. Insofern würde ich uns als staats- und parteienfern bezeichnen.

  Sind Sie womöglich zahmer geworden im Vergleich zu dem, was Peter Merseburger seinerzeit in Panorama abgeliefert hat?

 Lorentzen: Wir haben einen Recherchepoool, der mit seinen Ergebnissen nicht immer dazu führt, dass es Beifallsstürme im Landeshaus gibt. Wir packen einfach die heißen Eisen an, die man anpacken muss. Und wir berichten hintergründig und recherchiert über manchmal auch sperrige und unangenehme Themen. Da gibt es keine Abstriche.

 Thormählen: Was man aus der Vergangenheit so verklärt als besonders kritisch in Erinnerung hat, war vielleicht auch gekennzeichnet durch eine besondere Aggressivität in eine bestimmte Richtung. Das wird man so heute nicht mehr oft sehen. Wenn es kontroverse Themen gibt, dann müssen alle diejenigen, die etwas dazu zu sagen haben oder davon betroffen sind, auch die Gelegenheit haben, zu Wort zu kommen. Insofern würde ich nicht sagen, wir sind zahmer, wir sind vielmehr substanzieller und thematisch auch härter geworden: Es wird weniger gekocht, es geht mehr um heiße Eisen.

 Was ist jetzt die größte Herausforderung für das regionale Fernsehen?

 Lorentzen: Jenseits des neuen Studios, mit dem wir uns technisch zeitgemäß aufstellen, bringt die Digitalisierung viele Vorteile für die aktuelle Berichterstattung, erhöht aber auch die Schlagzahl und den Stress und die Anforderungen für alle Beteiligten. Die Arbeitsteiligkeit hat stark zugenommen. So haben wir vor 30 Jahren gesagt, eine Sendeminute pro Reporter pro Tag, heute sind es drei Minuten. Wir bemühen uns um möglichst viel Relevanz unserer Berichterstattung. Was die Produktion angeht, halten wir an unserem besonderen Qualitätsanspruch fest. Für Fernsehen und Radio ist es wie für Tageszeitungen eine Herausforderung, neue Zielgruppen anzusprechen und zu gewinnen. Da spielt das Internet sicher eine gewichtige Rolle – eine Daueraufgabe.

 Interview: Konrad Bockemühl

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Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
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