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Gemeinsam am Puls

Jubiläumskonzert des Ernst-Barlach-Gymnasiums Gemeinsam am Puls

Das Stichwort „Fellowship“ im ersten Titel der Lord of the Rings-Reihe hätte man gar nicht passender wählen können: Denn der Dirigent Neil Fellows führte mit Howard Shores Filmmusik im gut besuchten Kieler Schloss vor, was die eingeschworene „Gemeinschaft“ im funktionierenden Musikzweig von Kiels Ernst-Barlach-Gymnasium ausmacht, das seit 50 Jahren den Künsten geweiht ist.

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Der Dirigent Neil Fellows mit dem Sinfonieorchester am Ernst-Barlach-Gymnasium Kiel und den ganz jungen Mitgliedern der Jungen Camerata Academica, die nach der Suzuki-Methode in den Fußstapfen von Hilary Hahn oder Julia Fischer mitmischen.

Quelle: ehr - Marco Ehrhardt

Kiel. Das Sinfonieorchester fungiert als attraktive Zugnummer, das Schulorchester, die Streichhörnchen und die Junge Camerata Academica sorgen für befähigten Nachwuchs. Auch gemeinsam wollte man dann mal Stärke zeigen, flutete für den finalen Riesenohrwurm die gesamte Bühne, wälzte sich wohlig im Hollywood-Breitwandsound. Schon in Karl Jenkins’ Palladio-Allegretto fanden die jungen Streicherheere trotz eines dutzend Jahre Altersunterschiedes zu einem gemeinsamen Pulsieren. Ein berührendes Bild.

 Wohin der stetige Aufbau führen kann, bewies Fellows mit Georges Bizets erster L’Arlésienne-Suite. In den heikel offenen Duftklangstücken à la Provence kam das Sinfonieorchester im Prélude noch zwischen den imaginären Lavendelsträuchen hier und da rhythmisch ins Straucheln. Doch spätestens ab dem Menuett überwog die reine Spielfreude.

 Noch spannender aber geriet vor der Pause der Nachweis, was am Rande des Sinfonieorchesters und manchmal sogar buchstäblich mit ihm im Rücken für überragende Talente am EBG reifen. Die Pianisten Linnéa Benson und Elias Kollath begeisterten mit perlendem Esprit, enorm lebendiger Kommunikation und klangschön abgetönten Momenten in Mozarts herrlichem Doppelkonzert für zwei Klaviere und Orchester Es-Dur KV 365 – zwei aufeinander hör- und sichtbar eingespielte Solisten, die immer wieder mit einem Lächeln an Wolfgang und seine Schwester Nannerl Mozart denken ließen. Frischer und stimmiger hört man ihre Parts auch auf CD nicht. Woher diese Lockerheit rührt, bewies die technisch haarige Zugabe bravourös: das Feria-Finale aus Maurice Ravels Rhapsodie espagnole – ein rauschendes Tastenfest.

 Vom ersten Pult auf die Solisten-Position gewechselt waren die Geigerinnen Swaantje Kaiser und Marit Behnke. Die EBG-Konzertmeisterin und ihre Stellvertreterin vertieften sich eindrucksvoll ernsthaft in eine sperrig spannungsvolle Rarität: das Doppelkonzert op. 49 des semimodernen Planeten-Komponisten Gustav Holst. Mit eindringlicher Präsenz verhakten sich die beiden vorbildlich sauber geführten Violinen kunstvoll im Kopfsatz, sangen ohne das tapfer mitkämpfende Orchester mit inniger Intensität ihr einsames Lamento im zweiten Satz aus und befeuerten die Folktune-Impulse des Finales. Auch in ihrer Duo-Zugabe herrschte ein organisch wogendes Geben und Nehmen.

 Unter solchen Vorzeichen ist einem um das selbsttragende Musikleben nicht einmal in einer von den nur drei Landeshauptstädten bange, die ohne Musikhochschule oder Konservatorium auskommen müssen. Voraussetzung für weitere 50 Jahre effektiver Nachwuchsförderung ist allerdings uneingeschränkte Rückendeckung aus Politik und Gesellschaft – „Fellowship“ auf ganzer Linie also.

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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