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Leuchtfeuer und zarte Schattierungen

Landesjugendchor Leuchtfeuer und zarte Schattierungen

Spürbare Anspannung, allerhöchste Konzentration: Der Landesjugendchor Schleswig-Holstein hat am 15. Oktober in der Marienkirche Rendsburg die Serie seiner Jubiläumskonzerte zum 30-jährigen Bestehen fortgesetzt und dabei einen Mitschnitt für eine CD-Produktion gemacht.

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Im neoklassischen Gewand

Riesenapplaus für den Landesjugendchor in der gut besuchten Marienkirche Rendsburg.

Quelle: Musikfreunde Kiel

Rendsburg. Schon am Abend zuvor und tagsüber wurden stundenlang Passagen des höchst anspruchsvollen a-cappella-Programms aus mehreren Jahrhunderten aufgezeichnet. Während des Konzerts lauschte das Publikum in der gut besuchten backsteingotischen Marienkirche wie gebannt. Und das mit guten Gründen. Die Elite-Formation der Teenager und Studenten legte unter der Leitung von Matthias Janz gegenüber dem Hamburger Test vom Sommer noch einmal an Textpräsenz und Absprachegenauigkeit zu, beeindruckte mit einer nur selten getrübten Klarheit in der Intonation, begeisterte mit einem weiten Spektrum von organisch an- und abschwellenden Lautstärkegraden.

Der helle, jugendfrische Klang wurde geprägt vom eindringlichen Leuchtfeuer des Soprans, der beispielsweise die gefürchteten Einsätze auf Spitzentönen in Bachs doppelchöriger Motette Komm Jesu komm nahezu mühelos bewältigt. Dazu passte ein betörend silberglänzender Tenor und die geschmeidig schlackenlosen Gruppen Alt und Bass.

So entstanden musikalische Momente in einer sonnenklaren Transparenz, wie sie älter besetzte Chöre oder Profiensembles kaum mehr erreichen. Distlers Musikanten im Vorspruch oder seine dissonant läutenden Alarmglocken im berühmten Feuerreiter, Morleys federleicht züngelndes Fire, fire-Stimmballett – alles Beispiele für brillant reaktionsschnelles Singen. Als in allen Linien deutliche Skizze, romantisch koloriert in einer reichen Palette von zarten Pastellfarben erlebt man sonst auch Poulencs Salve Regina, Bruckners Christus factus est oder Brahms Waldesnacht nicht alle Tage. Und es ist sowieso keine Selbstverständlichkeit, dass so junge Menschen in Schütz’ geistlicher Chormusik Unser keiner lebet ihm selber auch die dunkleren Vanitas-Gedanken abschattieren oder in Brahms technisch heikler Motette Schaffe in mir Gott ein rein’ Herz der Melancholie Tiefe verleihen. Brahms-Preisträger Janz’ ausdrucksmächtige Zeichengebung wirkte kleine Wunder.

Am Rande war es außerdem eine Freude, dem „Instrument des Jahres“ Harfe zu lauschen: Julia Lilli von Grebmer, Jungstudentin an der Lübecker Musikhochschule, kitzelte die Märchen-Blüten aus Humperdincks Nachtstück. Dazu passte eine schlanke Raritäten-Perle im LJC-Repertoire, wunderschön einfühlsam, aber nirgends schmalzig sentimentalisiert: Clara Schumanns venezianische Gondoliera. All das lohnten Ovationen eines begeisterten Publikums.

Für die CD-Produktion benötigt der Förderverein noch Spenden (Hamburger Sparkasse, Konto 1217 156 015, BLZ 200 505 50). Das Jubiläumskonzert wird am Freitag, 25. November um 20 Uhr in der Kieler Förde Sparkasse am Lorentzendamm wiederholt. Karten: 0431 / 149 01 24. www.musikfreunde-kiel.de

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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