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Zwischen Raumstation und Realität

"Der Goldene Ronny" am Landestheater Zwischen Raumstation und Realität

Eingeschlossen in Sturzhelme und silberglänzende Strampelanzüge wabern sie über die Bühne, ausgesetzt irgendwo zwischen Bowies Major Tom, Phänomenta und Kindergarten. Leo, der Löwe und Klassen-Assi, dem die Worte und Sätze aus dem Mund purzeln, bevor die Gedanken gedacht sind. Und Lea, die Streberin und höhere Tochter, die den Mund nicht aufkriegt und sowieso am liebsten unsichtbar bliebe.

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Ausnahmsweise mal ausgelassen: Leah (Alexandra Pernkopf) und Leo (Flavio Kiener).

Quelle: wm: Wolfgang Mahnkopf

Rendsburg. Sie sind in komplett unterschiedlichen Welten unterwegs, die beiden Protagonisten, die der Schauspieler und Autor Daniel Ratthei in seinem Jugendtheaterstück Der Goldene Ronny in den Kammerspielen am Landestheater Rendsburg zusammenspannt. Die beiden sollen nach Berlin und beim Schülerwettbewerb Physics & Physical Olympics für Schleswig-Holstein den Pokal holen – den Goldenen Ronny eben. Dabei können sie sich natürlich nicht ausstehen. Und dann auch das noch: Im Hotel gibt es für die zwei nur ein Zimmer ...

 Zwischen Star Trek und Fernseh-Kulisse hat Ausstatterin Sara Morea die Bühne gestaltet. Und zwischen Raum und Wirklichkeit lässt auch Regisseurin Nora Bussenius diese Zwangsgemeinschaft in ihrer rasanten Uraufführungsinszenierung flirren. Behutsam und mit allerlei Sci-Fi-Zitaten kommt sie der pubertären Verwirrung, die Autor Daniel Ratthei in dem Auftragswerk in einer jugendtauglichen Sprache mit reichlich Kalauern eingefangen hat, auf die Spur. Die Figuren lässt sie wie einsame Planeten umeinander trudeln, ohne Kontakt, eingesponnen in das Chaos ihrer Gefühle und Gedanken. Wenn der innere Modus wechselt, geraten sie in wilde Zuckung; und ihr Sprechen bleibt stets in der Schwebe zwischen Reden und Gedanken.

 Laut, rotzig und raumfüllend der eine, verspannt, still und nachdenklich die andere. Flavio Kiener wirft sich mit Charme und Körpereinsatz in die Rolle des rüpeligen Straßenkids – und lässt genug Raum, auch das Verletzliche und Jungenhaft-Naive durchblitzen zu lassen. Alexandra Pernkopf hat es nicht ganz so leicht mit Leah, kapselt sie ein in ihre Unsicherheit und schafft es in den richtigen Momenten, sie zum Strahlen zu bringen.

 So pendeln Leah und Leo zwischen Zoff und aufkeimender Zuneigung, Zank und Zusammenraufen durch die Tage. Man sieht Leo beim Kiffen auf dem Klo und Leah beim Popcorn-Stopfen im Zimmer. Man hört ihn Blödsinn labern und sie verstummen. Zerbrechliche Helden alle beide, die genauso mit sich selbst wie miteinander ringen. Für diesen Gefühlswirrwarr gelingen Nora Bussenius feinfühlige Bilder, eine Teilchenphysik, die die spielfreudigen Akteure durch alle Ebenen der (Selbst)Wahrnehmung wirbelt. Komisch, traurig und sehr lebendig.

  Vorstellungen: 8. März (RD), 10. März (SL), 15. März (FL). www.sh-landestheater.de

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Ein Artikel von
Ruth Bender
Kulturredaktion

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