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Vorwärtsdrang und Empfindsamkeit

SHMF Vorwärtsdrang und Empfindsamkeit

Geballte jugendliche Energie: Das international besetzte Jugendorchester des Schleswig-Holstein Musik Festivals übertraf sich am Sonntag im gut besuchten Deutschen Haus wieder mal selbst.

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Zauberhafte Momente in Beethovens Viertem Klavierkonzert: Bernstein-Preisträger Jan Lisiecki.

Quelle: Axel Nickolaus

Flensburg. Es bezwang bravourös Ryan Wigglesworths anspruchsvolle Monumentalpartitur Sternenfall, ein reich kosmisch flimmerndes und explodierendes Weltall-Tongemälde, das sich 2008 an einem Werk des Malers Anselm Kiefer entzündete. Und es sprengte im Finale von Antonin Dvoráks Siebter Symphonie alle Ketten der Tradition, überschlug sich förmlich im schweißtreibenden Vorwärtsdrang. Und das, obwohl mit dem Finnen Jukka-Pekka Saraste ein eher asketischer Kontrollfreak am Pult stand, der im Kopfsatz noch das d-Moll-Geheimnis und die böhmische Maestoso-Melancholie zugunsten einer eher Sibelius-typischen, allzu vordergründig kantigen Analytik, im Scherzo dann die folkloristisch entspannte Tanzseligkeit schuldig geblieben war.

 Zu Beethoven passte Sarastes kühl kontrollierte Herangehensweise besser, auch wenn gerade das G-Dur-Klavierkonzert op. 58 mehr Pianissimo-Poesie und aufblühende Euphorie vertragen kann. Dafür begleitete man aber sehr wach das klare, schon auf Chopin vorausweisende Solo-Spiel des Bernstein-Preisträgers Jan Lisiecki. Der kanadische Pianist mit polnischen Wurzeln tarierte die berühmten Anfangsakkorde gekonnt aus, setzte schwerelos virtuose, aber auch lyrisch empfindsame Glanzlichter, steigerte sich zumindest nach und nach in den orpheischen Bittgesang gegen die Unterweltfurien im langsamen Mittelsatz hinein und begeisterte mit purer Spielfreude im Finale. Obwohl ihm weder Blumen noch Flensburger Rum zuteil wurden, dankte er selber für Beifallsstürme, indem er Schumanns Träumerei als Zugabe lebhaft ausleuchtete.

www.shmf.de/oa

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