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Sternenfall und Angelbiss

SHMF: Saraste probt Sternenfall und Angelbiss

Jos ei kala syö, niin syötitpä säästyy – will sagen: Wenn der Fisch nicht beißt, spart man zumindest den Köder. Könnte auch heißen: Die Finnen haben die Ruhe weg. Jukka-Pekka Saraste steht jedenfalls unerschütterlich wie ein Elch im Wald der Noten und hat dabei doch spürbar jeden Baum im Festivalorchester genau im Blick.

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Der Finne Jukka-Pekka Saraste steht für bedächtig kontrollierte Arbeit an Partiturdetails.

Quelle: Erik Nielsen

Büdelsdorf. Der amtierende Chefdirigent des WDR Sinfonieorchesters Köln war 2001 selbstredend Gast mit seinem Finish Radio Symphony Orchestra beim Finnland-Schwerpunkt des SHMF und hat unmittelbar danach zwei sommerliche Arbeitsphasen lang in Salzau die Orchesterakademie mitgeprägt. Jetzt ist er zurück und hilft den jungen Musikern mit klarem Schlag durchs kosmische Dickicht von Ryan Wigglesworths 9-Minuten-Geschwirr im Orchesterstück Sternenfall.

 Das Werk, das der englische Komponist 2008 selber mit dem BBC Symphony Orchestra uraufgeführt hat, hat es ganz schön in sich. Ständige Taktwechsel und kleine Verschiebungen garantieren zwar den Science-fiction-Effekt, erweisen sich aber beim Zusammenspiel von über hundert Satelliten-Instrumenten als kollisionsgefährdet. Dazu passt der kleine Strahler, der die Riesenpartitur des Dirigenten erhellen soll, aber zum stillvergnügten Amüsement des wortkargen Maestro eher als Suchscheinwerfer taugt. Wortkarg? Saraste beschäftigt sich verbal allenfalls mit Detailangaben: „wir müssen da stärker phrasieren, etwas aufblühen, etwas mehr Energie geben.“ Ansonsten summt er kurz etwas vor, um zur Verdeutlichung beizutragen.

 Alles andere gilt es, seinem Taktstock abzuschauen. Immerhin gerät die Hand daran und der Kopf dahinter auch mal heftig in Vibration, wenn Ludwig van Beethoven im sinfonischen Korpus seines Vierten Klavierkonzerts die Celli und Bässe in Wallung bringt.

 Das muss aber als Info auch genügen, selbst wenn man bei den jungen Orchesterakademisten bestimmt mehr Ausdruckseinsatz auslösen könnte, wenn man ihnen denn verräte, dass im langsamen Satz der Orpheus am Solo-Klavier (das wird dann später der kanadische Bernstein-Preisträger Jan Lisiecki sein) die unwirsch abwehrenden Furien der Unterwelt zu besänftigen versucht. Doch Saraste belässt es hier bei einer „zu schön“-Bemerkung, raunt immerhin etwas von „bitte geisterhafter“ und wird zackiger in den Bewegungen. Das Orchester folgt ihm in der Thormannhalle sofort. Doch noch bleibt der Köder an der Angel unversehrt. Wer bereits Saraste-Konzerte genossen hat, ist aber guter Hoffnung, dass der wahre Biss noch folgt.

  www.shmf.de/oa

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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