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Vom Reiz der Verschlüsselung

Juliane Ebner im Bunker-D Vom Reiz der Verschlüsselung

Die wuchtige Skulptur im Außenbereich ist pünktlich zum Jubiläum eingetroffen, auch die Innengestaltung des neuen Eingangbereiches im Bunker-D der Fachhochschule Kiel lässt keinen Zweifel aufkommen: Hier steht zeitgenössische Kunst hoch im Kurs.

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Juliane Ebner ist überzeugt: „Das echte Leben ist eigentlich surreal“. Ihre Arbeiten erzählen davon.

Quelle: vr: Volker Rebehn

Kiel. Wem die Modelle zu H.D. Schraders Cubus Balance im Foyer nicht genügen, der möge von außen einen Blick auf das Bunkerdach wagen, wo die Großskulptur der ineinander verschränkten, signalroten Quadrate dem Gebäude eine Krone aufsetzen. Seit zehn Jahren ist der historische Hochbunker ein Ort der Kunst und Kultur. Denn Klaus-Michael Heinze brennt für die Förderung junger Kunst. Stolze 70 Ausstellungen hat der FH-Kanzler bisher in den Galerieräumen im zweiten Obergeschoss realisiert.

 Ab Donnerstag zeigt Juliane Ebner hier ihre Schau Stoffwechsel, die gleichzeitig die Eröffnung der 19. Bunker-D-Woche markiert. Der Titel stehe für die fließenden Übergänge von Zuständen und Situationen, so die gebürtige Stralsunderin, die vor ihrem Studium an der Muthesius Kunsthochschule bereits Theologie und Kirchenmusik studiert hat. Zart und geheimnisvoll verschwimmen die Motive ihrer seriellen Unikate, in denen das zeichnerische Moment den Ton angibt. Surreal wie aus einem Traumgeschehen tauchen Figuren und Tiere in skurrilen Sinnzusammenhängen auf: ein schwarzes Pferd in einer menschenleeren Stadtlandschaft, ein Rabe und eine Mutter mit Kind vor der Silhouette des Berliner Reichstages, oder ein übergroßer Schwan, dessen Konturen sich aus dem bedrohlichen Nichts eines düsteren Gewölks schälen. Im vorherrschenden Grau ihrer meist urbanen Landschaften setzt die Künstlerin mit neonfarbenen Flächen und Kürzeln leuchtende Akzente. „Es geht um die Überlagerung von realer und vererbter Erinnerung“, sagt die Wahl-Berlinerin, die sich in der aktuellen Serie eigentlich mit Heimatbildern beschäftigt hat. Tatsächlich tauchen vereinzelt Verweise auf (maritime) Landschaften auf, doch der Reiz dieser Arbeiten liegt weniger im Wiedererkennen als in der Verschlüsselung. So haben die Tiere etwa selten einen konkreten Bezug zu ihrem direkten Umfeld. „Sie stehen für Traummomente, für Macht oder Ohnmacht“, so Ebner. Sie ist überzeugt: „Das echte Leben ist eigentlich surreal.“

 Wie ihre Vorgänger hat sie die Bilder für ihre Schau selbst ausgewählt. Denn Klaus-Michael Heinze, der in Eigenregie für das Ausstellungsprogramm verantwortlich ist, versteht sich nicht als Kurator. „Ich gewähre nur den Raum. Die Künstler sind dann mit sich allein gelassen. Auf diese Weise entstehen besondere Konzepte.“ Die Protagonisten für sein Programm, das jedes Jahr eine ausgewogene Mischung der Generationen und Genres präsentiert, findet er teils auf Empfehlungen von Künstlern und Kuratoren, teils durch Initiativbewerbungen, die er „als offene Warteliste“ führt – Geduld für zwei Jahre Wartezeit sollte mitgebracht werden.

 Von jeder Ausstellung bleibt etwas in der FH zurück. „Die Sammlung umfasst bereits 480 Werke“, so der Kanzler. Wer die Exponate in Augenschein nehmen will, sollte sich einem der Spaziergänge zur Campus-Kunst anschließen, die Heinze in seiner Freizeit anbietet. Der nächste beginnt morgen, Donnerstag, im Anschluss an die Vernissage.

  Bunker-D, Schwentinestraße 11. Eröffnung 18 Uhr. Bis 9.November. Mi 10-20 Uhr und nach Vereinbarung unter bunker-d@fh-kiel.de

19. Bunkerwoche: Das Programm

Do. 13.10.: 21 Uhr Spaziergang zur Campuskunst-D. Treffpunkt Bunker-Café

Fr. 14.10.: 18 Uhr: Bunker-Quiz in der Raucherbar

Sa. 15.10.: 11 Uhr Jazz-Frühstück im Bunker-Café mit Lars Wind & Friends

Mo. 17.10.: 20 Uhr Lesebühne Längs auf der Bunker-Bühne

Di. 18.10.: 19.30 Uhr Theater auf der Bunker-Bühne: „Die schwarze Flasche“ von Eduard Keyserling

Mi. 19.10.: 10 Uhr Bunker-Day (Ausstellung) und um 19 Uhr im Bunker-Kino: „Macbeth“ (GB 2015)

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