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Der Traum von einem Duett mit Elvis

June Cocó im Lutterbeker Der Traum von einem Duett mit Elvis

In einer Leipziger Hotellounge soll sie George Clooney zum Schwärmen gebracht haben. Der Mann hat also Geschmack. Was June Cocó bei ihrem Konzert im Lutterbeker nämlich bot, war nichts weniger als eine musikalische Offenbarung.

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June Cocó bei ihrem Konzert im Lutterbeker.

Quelle: Michael Kaniecki

Lutterbek. Nicht umsonst heißt ihre gerade erschienenes Debüt-Album „The Road“. Denn getragen von ihrer herzerfrischend schönen Stimme erschuf sie ein Road Movie mit Americana der feinsten Sorte. Tief verwurzelt im goldenen Western von Gestern, gleichzeitig aber frisch, modern und sprühend vor Ideen.

Nicht nur das famose  – nomen est omen – TV Screen, ein sporenklingender Countryrock-Track, der ohne weiteres in jeden Tarantino-Film gepasst hätte, beflügelt dabei die Phantasie. Der Welcome Back Blues ist purer Nashville-Sound, der umgehend den Wunschtraum nach einem Duett mit Elvis ins Gemüt pflanzt. Das Meisterstück Delia würde sicher einen Ehrenplatz im Repertoire von Johnny Cash bekommen, und bei der Folk-Ballade Letter könnte gar Bob Dylan feuchte Augen kriegen. Man mag noch viele große Namen oder Stile nennen, die einem bei den Songs von June Cocó in den Sinn kommen. Dennoch hat ihre Musik nichts Epigonenhaftes oder Anbiederndes. Denn trotz der vielen unüberhörbaren Inspirationsquellen besticht die Künstlerin mit dem markanten Federhut durch eine erstaunlich reife kompositorische Eigenständigkeit. So ist I've just Seen durchaus Hitparaden-tauglicher Power-Pop und The Party ein elegantes Easy-Listening Kleinod.

Bei Romeo's Late gelingt der Singer/Songwriterin nicht zum einzigen Mal an diesem Abend das Kunststück einer betörend-eindringlichen Ballade, die nicht den kleinsten Hauch von Kitsch ausschwitzt. Auch kunstvoll gewobene Sound-Teppiche mit Samples, Loops und elektronischen Farbtupfern zaubert die Wahlleipzigerin und „gelernte“ Barpianistin zuweilen aus ihrem Keyboard.  Aber was wäre die beste Sängerin ohne eine entsprechende Band an ihrer Seite? Die hat Cocó mit Jonas Dorn  (Gitarre), Jacob Müller (Bass) und Johannes Ziemann (Schlagzeug) zweifelsohne gefunden. Eingefasst in den lässigen-galoppierenden Klangrahmen erstklassiger Country-Musik und angereichert mit effektvollen Twang-Gitarren kann das Quartett je nach Bedarf mal herzhaft rocken, filmmusikalisch flirren oder kammermusikalisch gleiten. Am Ende des Konzerts (und dem einzigen deutschsprachigen Song) wünschte sich wohl jeder im Saal, dass „The Road“ für June Cocó zum Start einer großen Laufbahn wird.

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