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Hier kommt der Krach auch von Superhelden

Hansa 48 in Kiel Hier kommt der Krach auch von Superhelden

Beim sechsten Just-A-Little-Bit-Dangerous-Fest in der Hansa 48 werden von Beginn an die Trommelfelle vom knallharten Deutsch-Punk der Dortmunder Band Mann kackt sich in die Hose gereizt.

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Ehrlicher Punk von der Straße: Die Band Mann kackt sich in die Hose.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Sobald die ersten Töne aufbranden, schiebt sich die Meute von der Bar in den Saal und die Gespräche verkommen zum Lippenlesen. „Kommt mal näher ran“, befiehlt Sänger Hans Martin Dampf in nüchternem Tonfall, dann klatscht seine Band den Hörern ihren tollwütig hämmernden, rotzigen Punkrock um die Ohren und Dampf schreit und krächzt die Texte ins Mikro.

 Die meisten Songs sind kaum länger als eine Minute. Sinn und Inhalt stehen dabei an zweiter Stelle. Betonschwein handelt von Nachbarn, die keine Pakete annehmen, und Atomzauber davon, Aluhüte zu bauen. Allerdings sind die Songs aufgrund ihrer Einseitigkeit schwer zu unterscheiden. Einzig bei Leichte Mädchen, Schwere Jungs deutet sich eine unterschwellige Melodieführung an. Egal – das ist ehrlicher Punk direkt von der Straße. Das gefällt dem Publikum.

 Ebenso wenig wie die Dortmunder lassen die Irish Handcuffs den Fuß vom Gaspedal. Die Regensburger versetzen ihren Punkrock aber mit einer deutlich hörbaren Prise Pop. Die punkig-knarzenden Strophen laufen stets auf die Breitwand-Refrains zu und so verlässt die Band ihre eingetretenen Pfade nur selten. Dennoch, der Saal füllt sich erneut, die Band springt bei den Einsätzen umher und wirkt aufgescheucht. Das Publikum honoriert’s mit Applaus, lässt sich aber noch nicht gänzlich aus der (Tanz-)Reserve locken.

 Das ändert sich beim „Two Piece Garage Rock’n’Roll“ des Duos Nancy aus Brooklyn. Nur mit Nat an der Schießbude und Joe an der Gitarre bringen sie auch ohne Bass einen raumgreifenden Krach auf die Bühne. Roh und ungeschliffen sägen sich Nummern wie I Want One oder Long Island Lovin in die Bühnenbretter. Beide sind in ihren Superheldenkostümen gekleidet und mit ihren Gesten markige Typen. Insbesondere Joe nutzt die gesangsfreien Parts zu eigenwilligen Choreographien. Jedoch kommen auch in den Songs der New Yorker wenig verschiedene Fragmente vor, die den Stil etwas aufbröseln würden. Stattdessen schrotet die Gitarre kontinuierlich, die Drums feuern hinterher, was vor der Bühne zum ersten Pogo des Abends genutzt wird.

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