16 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Im gutgelaunten Multitasking-Modus

Justus Frantz im Kieler Schloss Im gutgelaunten Multitasking-Modus

Kinder, wie die Zeit vergeht! Auch diesmal kam Justus Frantz mit der Philharmonie der Nationen zum traditionellen Neujahrskonzert nach Kiel. Und viele seiner Fans, die den junggebliebenen 72-Jährigen spätestens seit den Anfangsjahren „seines“ Schleswig-Holstein Musik Festivals treu begleitet haben, strömten erneut ins Schloss.

Voriger Artikel
Wolfgang Zeigerer ist auf Augenhöhe mit den Künstlern
Nächster Artikel
Polizei sichert Elbphilharmonie-Eröffnung stark ab

In Beethovens 5. Klavierkonzert setzte Justus Frantz vom Flügel aus auch als Dirigent Impulse.

Quelle: ehr - Marco Ehrhardt

Kiel. Gut gelaunt, moderationsfreudig und mit ganzem dirigentischem und pianistischem Einsatz war Frantz bei der Sache. Hat sich nichts geändert? Ein wenig doch: Waren seine Festival- und auch Neujahrskonzerte früher häufiger mal Wundertütenkonzerte, weil das Programm sich gern kurzfristig änderte, blieb es diesmal bei der angekündigten Werkfolge. Fast jedenfalls – nämlich abgesehen vom Beginn der zweiten Programmhälfte mit dem Schleswig-Holstein-Lied, das vom Orchester überraschend angestimmt und bei der Wiederholung vom Publikum gern, kräftig (und stehend) mitgesungen wurde. Und abgesehen davon, dass das offizielle Programm schon vorm letzten Programmpunkt – Brahms 5. Ungarischem Tanz – endete. An dessen Stelle erklang dann gleich als Zugabe Johann Strauß-Vaters Radetzky-Marsch mit der im Saal ebenfalls gern genutzten Lizenz zum Mitklatschen. Da erhob sich noch einmal kräftiger Jubel für den Dirigenten und sein Orchester.

 Mit butterweichem Hornklang hatte der Abend begonnen: In Webers Oberon-Ouvertüre hörte man gleich, wo es langging: zu einem Musizieren nämlich, das in Allegro-Bereichen zu sehr flotten Tempi hochschaltete und sich für Lyrisches umso mehr Zeit zum Genießen ließ. Famose Bläser, energiegeladene, wendige Streicher und ebenso hörens- wie sehenswerte Schlagzeuger bilden die Philharmonie der Nationen. In Bizets Carmen-Suite betörte das Intermezzo von Flöte, Harfe und den sich später hinzugesellenden Bläserkollegen, während Temperamentvoll-Feuriges oft eher massiv als federnd daherkam. Borodins ähnlich aparte Polowetzer Tänze waren aus gleichem Musizierholz geschnitzt, Johann Strauß-Sohns Schöne blaue Donau tanzte mit Charme und einigen Walzerfinessen durch den Saal und in Franz von Suppés Leichter Kavallerie glänzte das schwere Blech. Dass „Multitasking“ für Frantz nichts Fremdes ist, bewies er in Beethovens 5. Klavierkonzert im Dreifachjob als Moderator, Dirigent und Pianist. Der Klavierpart erklang ohne die manierierten Mätzchen mancher pianistischen Jung- und Mitteljungspunde, im Lyrischen sensibel, manchmal mit zeigefingerhaft hervorgehobenen Spitzentönen, im Virtuosen zwischen „vollsaftig“ und „holzschnittartig“ angesiedelt. Als heftig geforderte Zugabe gab’s Chopins Etüde op. 25/1 mit deutlich ausgeformten Neben- und Gegenstimmen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3