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K.I.Z.: Das heikle Geschäft der Provokation

K.I.Z. kommen mit „Sexismus gegen Rechts“ ins MAX K.I.Z.: Das heikle Geschäft der Provokation

K.I.Z. schlittern mit drastischen Texten zwischen Battlerap-Metapher, grotesker Gewaltfantasie, Machogetue und Fäkal- und Sozialpöbeleien immer wieder knapp an der Zensur vorbei. Ihr aktuelles Album „Sexismus gegen Rechts“ kam in Deutschland, Österreich und der Schweiz in die Charts, im Dezember haben sie eine erfolgreiche Tour absolviert. So erfolgreich, dass es jetzt für ein paar Städte - darunter Kiel - „Nachschlag“ gibt.

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Kiel. Eine Touraufstockung ist immer ein Erfolgsindiz. Als Vorband der Bloodhound Gang und von The Game sind euch vor nicht allzu langer Zeit noch die Bierbecher um die Ohren geflogen.

DJ Craft: Bloodhound Gang, das war 'ne lustige Tour, aber beim Publikum sind wir krass auf die Fresse geflogen, aber das war uns scheißegal. Wir haben uns dann einfach mit Bechern bewerfen lassen und uns selbst gegenseitig mit Bechern beworfen. Das kam dann wieder ganz gut an. The Game hat sich krass abgeschirmt und wollte mit uns nichts zu tun haben: affig. Und das Publikum tut so, als gehörte es den Bloods und Crips an; die haben sich sogar geprügelt. Auf der „Donnerwetter“-Tour zusammen mit Prinz Pi und Kollegah sind wir eigentlich das erste Mal vor unserem Zielpublikum aufgetreten.

Wie sieht denn euer Zielpublikum aus?

Eigentlich gibt es kein typisches K.I.Z.-Publikum. Bei uns sind natürlich Hip-Hopper, aber auch Punker, Rocker und Emos. Und natürlich die Mainstream-Normalos, die alles hören. Auf unseren Konzerten geht's darum, Energie rauszulassen und ruhig auch mal aggressiv zu sein - nicht gleich jemanden hauen - aber Pogen, Springen und Schreien. Die Leute sind nach unseren Konzerten total fertig, wie nach einem guten Sporttraining. Die Aggression ist weg.

Woher kommt euer Faible für diese ganze Gewalt- und Machtästhetik?

Im Freundeskreis haben wir schon immer Sprüche geklopft. Klar kommt das auch ausm Battle-Rap. Den ersten deutschen Rap, den wir abgefeiert haben, war Kool Savas' „Lutsch mein Schwanz“. Unfassbar hart in Metaphern und Wortwahl, aber auch unglaublich lustig und augenzwinkernd. Das hat uns inspiriert.

Ihr zeichnet soziale Realitäten und ihre Prototypen zwar nach, überlasst die Wertung aber dem Hörer.

Wir wollen den Menschen nichts in den Mund legen. Die bekommen ein Thema aufgetischt, nachdenken müssen sie selbst. Das wär' ja sonst, wie wenn ich 'n Witz erzähle und du verstehst den nicht. Wenn ich ihn dir erkläre, wirst du den nicht mehr lustig finden. Manchmal dauert's eben, bis man kapiert, was bei uns Ernst ist und was Ironie.

Wie begegnet ihr denn jenen Fans, die den Unterschied nicht blicken?

Wir geben einfach unser Bestes, aufzuklären. Wenn ich in Interviews gefragt werden, findest du Gangster sein geil, dann sag ich, nee, ich finde Gangster sein scheiße. Aber wir können's natürlich nicht jedem einzeln unter vier Augen erklären.

Im Grunde provoziert ihr doch die ganze Pseudo-Ghetto-Szene, indem ihr deren Gequatsche imitiert, viel mehr als die bürgerliche Gesellschaft, die sich an den verschärften Pöbelton doch so langsam gewöhnt.

Ja, das ist echt so. Bushido findet uns auch scheiße. Dabei hören wir ganz gerne Gangster-Rap. Aber Bushido meint es ernst und das ist traurig, weil er ja kein Gangster ist. Seine Sprüche feiern wir trotzdem ab.

Ihr seid in der „Hip-Hop-Bravo“, für den „Bravo-Otto“ nominiert und das Feuilleton findet euch auch ganz toll. Habt ihr als Provokateure versagt?

Tarek hat auch gesagt, dass er das scheiße findet, dass das Feuilleton uns so abfeiert und Nico findet es scheiße, dass wir in der „Hip-Hop-Bravo“ sind. Unsere Fans fragen auch schon, ob wir das nötig haben. Vielleicht müssen wir da echt mal konkreter werden. Obwohl, das beste Interview war mal in der „Bravo“. Nichts aufgebauscht, knackig und direkt. Das hat uns gezeigt, wie wir wirklich sind.

Und wie seid ihr wirklich?

Vier normale Jungs, die in Berlin leben, Mucke machen und was man mit Anfang, Mitte 20 eben so tut: feiern, Mädels abchecken, saufen, Kino, wir gehen in Spaßbäder - Sauna und Rutschen und so. Und wir haben diesen unglaublichen Luxus, dass wir in unserem Alter Kohle haben und machen können, was wir wollen.

Morgen, 19 Uhr, MAX (Eichhofstr. 1)

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