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Stand-up mit Schnittmengen

KN-Comedy-Club Stand-up mit Schnittmengen

Vier Comedians bewegten sich bei der „Winter-Gala“ des KN-Comedy-Clubs im nahezu ausverkauften Saal des Metro-Kinos auf unterschiedlichem Niveau.

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Bevorzugt tendenziell die zotigere Comedy-Schiene: der preisgekrönte Ingmar Stadelmann.

Quelle: Manuel Weber

Kiel. Natürlich gibt es Schnittmengen, gibt es Themen, aus denen sie alle Gags ziehen können. Das omnipräsente Facebook ist ein sicheres Pferd, die ebenfalls allgegenwärtige Werbung und Beziehungen, insbesondere die zwischengeschlechtliche, sowieso. Was Performance, Niveau und Zotenquote betrifft, sind bei der vierköpfig besetzten „Winter-Gala“ des KN-Comedy-Clubs im nahezu ausverkauften Saal des Metro-Kinos durchaus Unterschiede zu beobachten.

 Den Conférencier mit erheblichem Programmanteil gibt Sascha Korf. Der sich mit Vorliebe krähend artikulierende Kölner, der ein wenig zu oft mit seinem gar nicht so gravierenden Übergewicht kokettiert, beweist als hyperaktiver Schnellsprecher bemerkenswerte Impro-Qualitäten ohne Berührungsängste. Einen Zuschauer, der verspätet an der ersten Reihe vorbei eilt, folgt er parallel auf der Bühne und raunzt ihn mit gespielter Empörung an: „Das nächste Mal komme ich in dein Schlafzimmer und störe deine Nummer.“ Oma Leni, Physiotherapeut Tim und seine Crew, der junge Verkäufer aus dem Möbel-Discount – Korf kennt sie irgendwann alle und spricht sie bei jedem seiner Kurzauftritte wieder an. Dass er ein paar aufgewärmte Gags druntermogelt: geschenkt!

 Auch Katie Freudenschuss beherrscht die Königsdisziplin Stand-up-Comedy. Sie lässt sich vom Publikum ein paar Kiel-typische Begriffe zurufen, darunter THW, Segeln, Bratwurst, Schrevenpark. Noch ein paar Vorschläge für Melodien (das wohl unvermeidliche Atemlos durch die Nacht, Westernhagens Freiheit und Bouranis Auf uns, zweimal Udo Jürgens, Griechischer Wein und Ich war noch niemals in New York). Damit pflanzt sich Freudenschuss ans Klavier und strickt aus dem Stegreif eine hübsche Kiel-Hymne. Auch sonst hält die Hamburgerin sympathisch ein recht hohes Niveau, besonders gelungen: die Fußballfangesänge im Kunstmusik-Modus.

 Vera Decker dagegen fällt es mit eher müden Scherzen schwer, das Humorlevel zu halten. Außerdem amüsiert sie sich zu penetrant über die eigenen Gags. Kommt nie gut. Hat sie mal eine gute Idee am Wickel wie die telefonische Revanche als senile Oma an einer Bank-Servicekraft, dann reitet sie sie fast tot und verzichtet auf die Pointe. Die Diplom-Psychologin agiert schlicht nicht wirklich souverän auf dem Comedy-Terrain, obwohl sie sich darauf schon seit 2001 bewegt.

 Obwohl er vor gut einem Jahr den „Deutschen Comedypreis“ als bester Newcomer gewonnen hat, ist auch der 35-jährige Ingmar Stadelmann im Geschäft mit den Gags kein heuriger Hase mehr. Er geht die Sache tendenziell zotig, schlüpfrig an. Lässt sich über Dating-Portale wie Tinder aus („ein Zalando für Menschen, schrei vor Glück oder bring’s zurück“) und räsoniert über seinen Facebook-Kontakt mit einer Veganerin („wir hatten sofort Beef“) und Katholikin, was ihrer Ansicht nach gut zusammenpassen würde. „Was passt denn da gut zusammen?“, fragt Stadelmann mit hochgezogenen Augen ins Publikum. „Beide mögen junges Gemüse?“ Ein anderer Treff sei auch nicht so super gelaufen. „Hast du aber eine Riesen-Klitoris“, habe er gestaunt, darauf sein Date: „Ich heiße Frank ...“

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