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Viel Streit, aber wenig Kultur

Kabarettist Matthias Brodowy Viel Streit, aber wenig Kultur

Der Kopf steckt voll. „120 Minuten Text“, sagt Kabarettist Matthias Brodowy über sein neues Programm „Gesellschaft mit beschränkter Haltung“, an dem er gerade noch arbeitet. Wie er sich so viel Stoff merken kann? Ganz einfach: „Muss ja!“. Am Freitag ist Vorpremiere im Lutterbeker.

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Matthias Brodowy: „Die Texte sind für mich Geschichten, die ich erzähle, ich lasse sie innerlich ablaufen wie einen Film.“

Quelle: Thomas Rodriguez

Lutterbek. Natürlich hat ein Profi wie Brodowy, der 1999 von Altmeister Hanns Dieter Hüsch seinen ersten Kabarett-Preis „Das schwarze Schaf“ überreicht bekam und später auch den Deutschen Kleinkunstpreis und Prix Pantheon gewann, so seine Tricks: „Die Texte sind für mich Geschichten, die ich erzähle, ich lasse sie innerlich ablaufen wie einen Film.“ Ein Film, in dem es einiges zu sehen und zu hören gibt: „Das neue Programm heißt ,Gesellschaft mit beschränkter Haltung’, weil es an der Haltung, meiner Meinung nach, mangelt – politisch, gesellschaftlich und sozial“, zählt Brodowy auf. „Es wird gepöbelt gegen die da oben, aber die Frage ist doch auch: Was bringe ich selbst ein in den Staat, der wir ja alle sind?“ Die „schweigende Mehrheit“ sei aufgefordert, sich mehr zu beteiligen, etwa auch mal jenen zu widersprechen, die den Respekt gegenüber anderen vermissen lassen, ob in der realen oder auch in der virtuellen Welt der sozialen Netzwerke. „Ich wünsche mir ganz ausdrücklich eine Streitkultur. Wir müssen bestimmt nicht alle einer Meinung sein, aber heute haben wir meist nur den Streit und keine Kultur.“ Es gebe statt des „kategorischen Imperativs nur noch den obligatorischen Konjunktiv“, so Brodowy. Soll heißen: Es wird viel geredet darüber, was man machen müsste, aber getan wird dann wenig.

 Seinen Themen nähert sich Brodowy auf mehreren Ebenen: als politischer Kabarettist, als Musiker, der sich zu seinen Songs am Klavier und – ganz neu – auch an einer E-Gitarre begleitet, was das Programm um „bluesige und jazzige“ Noten erweitert. Dazu stößt noch ein Hang zu „gehobenem Blödsinn“ und eine literarische Ader. „Ich versuche eine gute, eigenständige Mischung hinzukriegen“, erzählt Brodowy, „das Thema humoristisch zu analysieren, und das Publikum dabei gut zu unterhalten.“

 Seit seinen Anfängen als Kabarettist hat sich Matthias Brodowys Bühnenleben weiterentwickelt: „Ich mache heute auch Varieté, bin beispielsweise glücklich, zum Moderatoren-Team des Hamburger Hansa Theaters an der Seite von tollen Kollegen wie Ulrich Tukur, Horst Schroth, Arnulf Rating oder Georg Schramm zu stehen. Dabei habe ich noch stärker gelernt, auch ein Entertainer zu sein.“ Andererseits sei sein Kabarettprogramm schärfer geworden: „Mit Mitte 40 sehen die Dinge anders aus als mit 30.“ Dennoch hält er es weiter mit Hanns Dieter Hüsch, der Zynismus ablehnte. Brodowy: „Ich bin für satirische Schärfe, auch Sarkasmus kann vorkommen, aber Hüsch hatte einen zutiefst humanistischen Anspruch, und da ist er mir immer noch Vorbild, auch wenn unsere Macharten sich unterscheiden.“

 Vorpremiere am 9. September, 21 Uhr, Lutterbeker

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