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Am Ende nur noch Gänsehaut

Wingenfelder in der Pumpe Am Ende nur noch Gänsehaut

Früher war alles besser befinden die beiden Brüder Kai und Thorsten Wingenfelder im gleichlautenden mit warmen R’n’B-Farben geschmückten Song auf ihrer neuen Platte. Und die heißt – ebenso vielsagend – Retro.

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Ein weiter Blick zurück: Wingenfelder in der Pumpe

Quelle: mwe: Manuel Weber

Kiel. Inhaltlich war es also kein Geheimnis, was die Band dem restlos begeisterten Publikum in der satt gefüllten Pumpe präsentieren würde: Einen weiten Blick zurück.

Bei dem durfte in wohl portionierten Dosen natürlich auch der alten erfolgreichen Jahre gedacht werden, in denen das Bruderpaar als Doppelspitze von Fury In The Slaughterhouse tatsächlich weltweit für Furore sorgte. Aber Erfolg definiert sich eben nicht nur über Chart-Platzierungen und Plattenverkäufe, sondern auch darin, sich künstlerisch neu erfinden zu können. Genau das ist Wingenfelder nach dem Ende von Fury vor mittlerweile acht Jahren vortrefflich gelungen. Doch obwohl Retro bereits das dritte Studio-Album in neuer Formation ist, überstrahlte ein alter Fury-Hit wie Won’t Forget These Days mit seinem hymnischen Charakter und der griffigen Melodie auch in der Pumpe wieder viele der deutschsprachigen Sahnestücke, die Kai Wingenfelder später zu Papier gebracht hat.

 Nichtsdestotrotz kündeten in der ausgedehnten Rückschau gerade die vielen Post-Fury-Nummern vom großen Songwriting-Talent des umtriebigen Musikers. Als einer der wenigen ganz ernsten und leider immer wieder aktuellen Songs präsentiert sich Paradies so als wütende Punk-Rock-Anklage („Da ist zuviel Blut auf heiligen Straßen / Und zuviel Menschen die zuviel hassen / Und zuviel Lügen für einen Trip ins Glück / Gepflastert mit Blut und kein Weg zurück / Ist da irgendwer, der ihn kennt, den Weg ins Paradies“). Andere Wege gehen Klassenfahrt mit Stadion- Refrain und ansteckender Gute-Laune-Pop-Anmutung, die fulminante Power-Ballade Angst vor der Angst, das herzenswarme Liebesstück Die Wand („Man kann nicht immer gewinnen, aber immer wieder“) oder das machtvolle Revolution.

 Von den ganz neuen Stücken bleiben vor allem Winterkind, natürlich Brüder, und das umwerfende Springen in die Nacht in bleibender Erinnerung. Letzteres komponiert übrigens von Norman Keil, dem grandiosen Gitarristen in einer grandiosen Wingenfelder-Begleitband. Wie das ganze Konzert getragen von einem recht guten Sound, erzählt das Lied die Geschichte vom 9. November 1989 aus der Sicht eines zehnjährigen Jungen aus Erfurt. Ein Jahr zuvor veröffentlichten Fury In The Slaughterhouse mit Time To Wonder einen ihrer großen Hits. Als zweite Zugabe sorgte er für ein Gänsehaut-Finale in dieser musikalisch hochklassigen stimmungs- und facettenreichen Retrospektive.

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