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Hommage an Leonard Cohen

Kammerspiele Lübeck Hommage an Leonard Cohen

Rio Reiser, Edith Piaf, Jim Morrison – und jetzt also Leonard Cohen: Pit Holzwarth, Schauspieldirektor am Theater Lübeck, huldigt erneut einer Musikerlegende des 20. Jahrhunderts, diesmal allerdings einer noch lebenden. Seine Hommage an den bald 81-jährigen Sängerpoeten aus Kanada ist eine hochatmosphärische und vom Lübecker Schauspielensemble gewohnt souverän performte Collage aus Texten, Gedichten und 16 Songs, darunter so bekannte und ungezählte Male gecoverte wie Suzanne oder First we take Manhattan. Das Premierenpublikum in den Kammerspielen applaudierte nach jedem Song und erhob sich zum Abschlussapplaus begeistert von den Sitzen.

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Der Regisseur erfindet sieben gleichberechtigte Cohen-Interpreten, die als Solisten und Chorsänger auftreten.

Quelle: Kerstin Schomburg

Lübeck. Das rhythmische Klappern von sieben Schreibmaschinen eröffnet den Abend, der den Titel Leonard Cohen. I m a hotel – songs of love and hate trägt. An ihnen sitzen die sieben Darsteller im typischen Cohen-Outfit aus dunklem Anzug und Filzhut vom Typ Fedora und werfen sich, begleitet vom treibenden Sound der großartigen Live-Band um Willy Daum, Stichworte aus Cohens Biografie zu: 1934 in Montreal in einer angesehenen und wohlhabenden jüdischen Familie geboren, erfährt er als Elfjähriger vom Holocaust, womit sich ihm die Erfahrung von Verlust, Trauer und Tod in die Seele eingräbt und Schmerz für ihn zur Mutter der Poesie wird. Erst spät, mit 33 Jahren, tritt der Dichter-Philosoph mit der melancholischen Aura auch als Sänger auf. Ein cleverer Geschäftsmann ist er nicht: Die Rechte an seinem Welterfolg Suzanne lässt er sich für eine Handvoll Dollar wegnehmen, später bringt ihn seine Managerin um den Großteil seines Vermögens. Krisen gehören zu seinem Leben wie leidenschaftliche Liebe, die Suche nach spiritueller Erkenntnis, aber auch Humor und Selbstironie.

 Vieles davon wird in Zitaten berichtet oder szenisch angedeutet, so etwa der zeitweilige Rückzug in ein buddhistisches Kloster in Kalifornien oder die Tage im berühmten Chelsea Hotel – das Wort „Hotel“ leuchtet zeitweilig über der schlichten offenen Holzkonstruktion auf, mit der Ausstatter Werner Brenner die Bühne strukturiert hat. Der Schwerpunkt dieses zweieinhalb Stunden langen Abends liegt jedoch stärker als bei den früheren Bühnenbiopics nicht auf der Biografie oder dem Charakter Cohens, sondern auf der von Willy Daum neu und überwiegend sehr druckvoll arrangierten Musik. Dass Holzwarth auf sieben gleichberechtigte Cohen-Interpreten setzt, die in wechselnden Konstellationen als Solisten und Chorsänger auftreten, erweist sich dabei als Glücksfall. Mit ihren unterschiedlichen Stimmen und Charakteren unter der uniformen Cohen-Verkleidung machen Astrid Färber, Susanne Höhne, Vassiliki Roussi, Andreas Hutzel, Henning Sembritzki, Timo Tank und Jochen Weichenthal diese Hommage erst wirklich spannend.

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