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Die Rückseite des Lebens

„Kasimir und Karoline“ Die Rückseite des Lebens

Glitzer und Tristesse liegen dicht beieinander in Ödon von Horváths Klassiker "Kasimir und Karoline". Das ist auch im Schauspielhaus Kiel so, wo Annette Pullen den 1929 entstandenen Klassiker inszeniert hat.

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Merkl Franz (Oliver E. Schönfeld), Erna (Isabel Baumert), Schürzinger (Felix Zimmer), Direktor (Martin Borkert), Kasimir (Zacharias Preen) und Karoline (Agnes Richter) in "Kasimir und Karoline" am Schauspielhaus Kiel.

Quelle: Olaf Struck

Kiel. Immer nochmal und nochmal dreht sich die Bühne, ganz so, wie sich die Karoline das vom Leben wünscht. Gar nicht genug kann die junge Frau in Ödön von Horváths "Kasimir und Karoline" davon kriegen. Wenn man nur nicht auch immer wieder an derselben Ecke stranden müsste, die hier ein trister Lattenzaun ist und so etwas wie die Rückseite des Lebens.

Glitzer und Tristesse liegen dicht beieinander in Ödon von Horváths Klassiker "Kasimir und Karoline". Das ist auch im Schauspielhaus Kiel so, wo Annette Pullen den 1929 unter dem Eindruck von Wirtschaftskrise und aufkommendem Nationalsozialismus entstandenen Klassiker inszeniert hat. Grellbunt und in einer Jahrmarktskunstwelt von Bühnenbildnerin Iris Kraft - hyperrealistisch zeitlos, Riesenrutsche und Bierstand inklusive.

Darin lässt Regisseurin Annette Pullen das Kieler Ensemble Freak-Show spielen. Dazwischen gelingt Agnes Richter und Zacharias Preen in den Titelrollen aber auch die Katerstimmung dieses sich flugs entliebenden Paares, die Zerrissenheit zwischen Realität und Traum. Drumherum wird viel Bier getrunken, gegrölt und auf die Gemütlichkeit geprostet. Und während Kasimir sich auf kriminelle Geschäfte einlässt, zieht Karoline in der Hoffnung auf den gesellschaftlichen Aufstieg mit den Männern los: Mit Rauch, dem Kommerzienrat (Imanuel Humm) und Schürzinger, dem Zuschneider, (Felix Zimmer). 

So kehrt Pullen um die Protagonisten vor allem das Fratzenhafte der Gesellschaft hervor und deckt die Klarheit und die Zwischentöne Horváths damit auch mal zu. Und der Beifall musste nach der Premiere erstmal kurz Anlauf nehmen.  

Schauspielhaus Kiel, 8., 29. März, 27. April. Kartentel. 0431/901901, www.theater-kiel.de

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Ein Artikel von
Ruth Bender
Kulturredaktion

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